Am Ende verhielten sich die Gäste beim kleinen Hoffest des Regierenden Bürgermeisters am Mittwochabend fast wie Teenager bei einer semi-legalen Party im Park. Die Band vor dem Rathaus-Portal rockte ordentlich. Zuerst zog es zahlreiche der Geladenen aus dem einfachen Volk auf die improvisierte Tanzfläche.
Schließlich bewegten sich aber auch Pressesprecher, Unternehmenschefs und sogar Senatsmitglieder zur Musik. Die Sehnsucht, mal wieder zu tanzen, sich ungezwungen zu treffen, war deutlich. Schließlich sind Politikerinnen und Politiker ja meistens gesellige Menschen, die gerne reden – und im besseren Fall auch anderen zuhören.
„Endlich wieder draußen sein“, seufzte ein Bezirksbürgermeister erleichtert, als das erste größere gesellschaftliche Event der zweiten Corona-Saison noch nicht zur Tanzveranstaltung ausgeartet war. Dass um 22 Uhr plus 15 Minuten Verlängerung Schluss war, man nicht plaudernd herumstehen durfte, sondern von bestimmten Sicherheitsleuten zum Sitzen oder Maske-Aufsetzen angehalten wurde, tat der Stimmung keinen Abbruch.
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Hoffest stand exemplarisch für Stimmung in Berliner Politik
Das kleine Hoffest stand exemplarisch für die Stimmung in der Berliner Politik. Einerseits setzen alle darauf, dass wir das Schlimmste hinter uns haben mit der Pandemie. Michael Müller warnte zwar in seiner letzten Ansprache als Gastgeber, wir seien „noch nicht über den Berg“. Trotzdem ist der Wunsch nach Normalität so weit verbreitet, dass auch Honoratioren sich bisweilen fröhlich die Hände schüttelten oder sich sogar umarmten, was den Hygieneregeln so gar nicht entspricht.
Gleichzeitig schwebte die vierte Welle als Drohkulisse über dem fröhlichen Treiben. Die Charité zum Beispiel bleibt trotz nur noch weniger Corona-Patienten auf den Stationen weiter in der Krisenstruktur, man weiß ja nie. Nächste Woche trifft sich Müller mal wieder mit den anderen Länderchefs und der Kanzlerin. Da wird beraten, wie Deutschland mit den steigenden Infektionszahlen unter den Jüngeren umgehen und wie es mit den Rechten von Ungeimpften weitergehen soll. Ob Corona-Tests künftig Geld kosten sollten, kann der Bund ganz alleine bestimmen. Er zahlt schließlich auch.
Corona-Inzidenz: Berlin hält sich mit Vorschlägen vornehm zurück
Klar erscheint, dass die Inzidenzwerte, ab denen sich die Politik ein Gegensteuern verordnet, nach oben gesetzt werden, solange die Infizierten nur sehr selten in den Kliniken landen. Berlin hält sich da mit Vorschlägen vornehm zurück, wie man das so macht als Vorsitzland der Ministerpräsidentenkonferenz. Vermutlich wird es wieder der Bayer Markus Söder sein, der kurz vorher schlagzeilenträchtig ausplaudern wird, was die Regierungszentralen abgestimmt haben. Das, so war beim Fest zu hören, gehe allen anderen auf den Geist.
Am meisten Sorgen machen sich die Berliner Politiker, dass die Schulen ab kommender Woche wieder zu Corona-Hotspots werden könnten und der Präsenzunterricht für alle dann doch nur frommer Wunsch bleiben könnte. So wie die baldige Wiederholung der Party in einer lauen Sommernacht.


