Am Mittwoch bin ich im Smoking herumgelaufen. Es war Weltpinguintag. Ich habe ein Zeichen gesetzt. Das hat dem putzigen Schwimmvogel bestimmt viel Kraft gegeben für seine letzten Tage auf der schmelzenden Scholle. Der 25. April war ein regelrechter Festtag für uns Zeichensetzer: Weltmalariatag, Tag des Baumes, Welt-DNA-Tag und der Tag der Eltern-Kind-Entfremdung, kein Scherz. Eine saftige Backpfeife ist ja auch ein schönes Zeichen. Abends setzten dann viele Menschen ein weiteres Zeichen und sich eine Kippa auf, obgleich Zentralratschef Schuster davon eher abrät. Am Berliner Hermannplatz wurden Kippa-Träger an jenem Abend bespuckt. Gute Zeichen, schlechte Zeichen.
Zeichensetzen ist das Nordic Walking des öffentlichen Dialogs; hier wird aktives Engagement simuliert, einfach, ungefährlich, folgenloser Edelmut. Meistens sind die Zeichensetzer unter sich, bestätigen einander ihre einwandfreie Moral und sagen Sätze, die mit „Wir müssen ...“ oder „Wir dürfen nicht ...“ beginnen – das ist ein sicheres Zeichen von Hilflosigkeit. Aber egal, mit Zeichensetzen kommt man eben ins Fernsehen, wo Millionen Menschen dann all diese Zeichen sehen, um anschließend sofort liebevoll miteinander umzugehen und eine Petition gegen die Todesstrafe für Kampfhunde zu unterschreiben. Viele gesetzte Zeichen sind so wirkungsvoll wie ein Stoppschild in der Sahara.
Auch der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat ein selbstloses Zeichen gesetzt und sich mit einem Kruzifix fotografieren lassen, wenngleich sein CSU-Kollege Alexander Dobrindt geschichtsvergessen die „christlich-jüdische Prägung“ des Abendlandes lobpreist. Wo also war Söders Kippa? Gut, der Mann ist noch neu im Amt des Ministerpräsidenten, da verrutscht schon mal das Ausrufe- zum Fragezeichen.
Am heutigen Sonntag ist übrigens Tai-Chi-Welttag, Motto: „Eine Welt, ein Atem“. Meine Damen und Herren, wir müssen gemeinsam Luft holen, wir dürfen nicht aufhören zu atmen. Und dabei immer schön an Willy Brandt denken, der einst sagte: „Es ist wichtiger, etwas im Kleinen zu tun, als im Großen darüber zu reden.“
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