Seitdem ich vor drei Wochen angefangen habe, diese Kolumne zu schreiben, bekomme ich des Öfteren Mails von Frauen (und einem Dutzend Daddys), die im Wortlaut lauten: „Ich bin zwar nicht alleinerziehend, aber ich lese Ihre Kolumne sehr gern.“
Danke! Aber dennoch muss ich an dieser Stelle kurz die Stopptaste drücken. Und alle diese netten Nachrichtenschreiber einmal fest in den Arm nehmen (metaphorisch und nicht übergriffig, bitteschön!). Aus herzlicher Freude, aber auch aus taktischen Gründen. Um Ihnen jetzt heftig widersprechen zu dürfen. Denn meiner Meinung nach, liebe Eltern, Mamis und Papis, Single Moms und Dads unterscheidet uns NICHTS voneinander. Unsere Arbeitszeiten sind vergleichbar, die finanzielle Belastung beängstigend.
Die geistige Anforderung morgens an das Geld für die Tonpappe, die Wechselsachen für die Kita, die Hausaufgaben, die Bananen, das Roggenbrot auf dem Heimweg und das Ballett am Donnerstag zu denken, ist für uns tatsächlich dieselbe. Und die Aussicht auf Erholung so wahrscheinlich wie Angela Merkel im Berghain. Oder anders ausgedrückt: Vor dem Morgenkreis- und Erste-Schulstunde-Horror, dem Zwang nach unbedingter Pünktlichkeit zu nachtschlafender Zeit, sind wir ALLE gleich.
Arbeit und Kinder zusammenzuführen ist ein Tritt in die Tonne
Ich fühle Ihre Pein mit, liebe ALLE-Eltern, wenn Sie morgens wie der Loser im Kindergarten feststellen, dass Ihr Meeting oder Ihre Schicht vor zehn Minuten angefangen hat oder die Rucksäcke für den Waldtag noch im Hausflur liegen. Ja, da liegen sie gut.
Also raus aus dem Kindergarten, vor der Tür erst einmal eine Zigarette. Aber kein Feuerzeug dabei. Ah, doch, Handtasche auf, KRAM, KRAM – GEFUNDEN. Auf dem Weg zur Bushaltestelle noch zwei Kita-Eltern beim Bringen ihrer Kleinen treffen und mit der morgendlichen Stress-Zigarette winken. Peinlich mal wieder.
Nein, ich kann jedem versichern, der Versuch, diese zwei konvergierenden Systeme aus Arbeit und Kindern zusammenzuführen, ist für SIE wie für MICH ein täglicher Tritt in die Tonne. Das habe ich als verheiratete Frau so empfunden und jetzt auch als Single-Mutter.
Auf Partys kommt immer die gleiche Frage
Ein ständiger Dauerlauf, der sich an der Fragestellung entscheidet, ob ich es noch schaffe, die Küche aufzuräumen, BEVOR die Kinder ins Bett gehen. Elternsein und Berufstätigkeit bedeutet jeden Tag, acht Stunden lang zu arbeiten und so zu tun, als würden die Kinder nicht existieren, um im völligen Gegensatz dazu an den freien Tagen die total befreite Mutter zu geben, die Puppenhäuser zusammenklebt, schnell noch in die Pedale des Lastenfahrrads tritt, weil sie leichtsinnig ALLEN versammelten Kindern noch das Bio-Öko-Wassereis für 2,80 Euro nach dem Hort versprochen hat.
Dazwischen immer: die Freunde, die Kollegen, Facebook auf dem Spielplatz oder Instagram am Fußballfeldrand beim Junior-Training. „Doch, doch, mein Schatz. Ich habe jedes einzelne deiner Tore gesehen. Und nein, die Mama, die da telefonierend hin- und herging, war eine andere.“
Und kriege ich es doch mal hin, als ernst genommenes Mitglied der abendlichen Erwachsenen-Unterhaltung auf eine Party eingeladen zu sein, einen Babysitter zu organisieren, der auch noch zur verabredeten Zeit erscheint UND die Festivität zu erreichen, kann ich mir sicher sein, dass noch vor dem Ende der ersten Wein-Schorle die leise Frage eines Umstehenden kommt. Die Frage quasi als Eröffnung, um auch garantiert die nächsten drei Stunden über Schulwahl, Lehrer und diverse Hobbys der Kinder zu reden. Sie lautet: „Und, wo sind deine Kinder jetzt?“ Spätestens DANN ist es Zeit, in den Garten zu flüchten. Vielleicht hält sich da ja der letzte vernünftige Mensch auf. Ob alleinerziehend oder nicht. Vielleicht jemand, der nur seine Ruhe haben will.
Caroline Rosales (35) ist Redakteurin der Funke Mediengruppe und lebt in Berlin.
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