Als am späten Abend des 9. November 1989 in Berlin die ersten Einwohner von Ost nach West strömten, war klar: nichts würde künftig noch so sein wie zuvor. 29 Jahre ist es nun her, dass Menschen, die sich nicht kannten, die Überwindung der Mauer feierten. Im wörtlichen wie übertragenen Sinne. Der Mauerfall markierte das Ende des Kalten Krieges.

Die Ereignisse jenes Abends hatte niemand geplant. Günter Schabowski, der neu ernannte ZK-Sekretär für Information, gab auf einer Pressekonferenz vor West-Journalisten um kurz vor 18 Uhr bekannt, DDR-Bürger dürften nun „ohne Vorliegen von Voraussetzungen“ auch ins Ausland reisen. Auf Nachfrage folgten, unsicher, mit Blick auf ein Papier, seine entscheidenden Worte: Dies gelte „sofort, unverzüglich“. Nachdem diese Nachrichten von ungläubigen Moderatoren in ARD und ZDF verbreitet worden waren, sammelten sich Ost-Berliner zu Hunderten an den Grenzübergangen. Um 23.30 Uhr öffnete sich an der Bornholmer Brücke die erste Schranke, nach Mitternacht waren alle Berliner Übergänge offen.

Die Szenen in der fahlen Berliner Novembernacht, als sich wildfremde Menschen in den Armen lagen, jubelten, feierten – wenn es ein Ereignis gibt, das eine ganze Generation geprägt hat, dann der Mauerfall. Für alle, die in der DDR groß geworden waren, folgte danach eine nicht immer einfache Zeit.

Ein neues politisches System, neues Geld, neue Freiheiten, aber auch Jobverlust, sehr viele mussten ihr Leben umplanen. Für Berlin bedeutete das Zusammenwachsen einen radikalen Umbruch. Und zwischen Abriss und Neubau, Großbaustellen und Verkehrschaos ging manchmal fast unter, wie rasant sich Berlin veränderte und bis heute verändert.

Der Fotograf Gottfried Schenk hat diese bewegte Zeit kontinuierlich in Bildern festgehalten. Er hat dabei immer wieder die selben Standorte und Blickwinkel gesucht. Daraus entstanden sind 70 analoge Bildpaare, die auf eindrucksvolle Weise den Weg Berlins von der geteilten Mauerstadt hin zur europäischen Metropole zeigen.

 Die ersten Bilder entstanden 1977. Schenk, geboren in Kufstein/Österreich, lebt seit 1970 als freier Autor und Fotograf in Berlin. Die hier abgebildeten Fotopaare sind seinem neuen Bildband entnommen.

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+++ Berlin-Podcast +++ Diese Woche bei „Molle und Korn“: Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer, in der Folge gab es Begrüßungsgeld: Was kauften die Menschen davon? Außerdem: Berlin sucht einen Feiertag – und der Schienenersatzverkehr bei der S-Bahn 

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