Nun ist die anständige, engagierte (Single-)Mutter ja immer darum bemüht, das Wochenende korrekt zu verbringen. Allein mit Kindern, nach einer harten Arbeitswoche liegt der Fokus bei mir da auf konsequenter Entspannung. Da können die Kinder noch so nach einem Ausflug fragen, nach Zoo, Legoland oder gleich dem Einhorn-Reiterhof (an den meine Vierjährige glaubt) verlangen, der pädagogisch nachgewiesene Wert der Langweile geht da für mich klar vor.

Sonnabends wird das Gemüse und das Brot (Achtung, Lifehack!) in so einer schicken Bio-Kiste geliefert. Da muss ich nicht mal zum Supermarkt und der Tag im Garten oder im Park kann seinen (glücklicherweise) unspektakulären Lauf nehmen.

Das ging ein paar Jahre sehr gut so, bis ich als langweilige Mama in das Zielfernrohr meines mittlerweile sechsjährigen Sohnes geriet. „Ich will mich verabreden mit meinen Kumpels“, klagte er. Und ich hatte Einsicht. Als sein persönliches Vorzimmer (das Sechsjährige ohne Smartphone ja noch brauchen) und Fahrservice mache ich mich seit neuestem am Wochenende nun an die Terminierung seiner – neudeutsch – Playdates, was dazu führt, dass ich mich nun häufig mit den Lebensentwürfen meiner Mit-Mütter beschäftige.

Der Familienraum ist bei manchen superexklusiv und durchgetaktet

So bekam ich jüngst eine SMS von einer Freundin (mit siebenjährigem Sohn) auf meine Verabredungsanfrage, die lautete: „Das wird wahrscheinlich nichts am Wochenende. Sonnabend ist kompliziert, weil Tobias arbeitet, die Kinder am Nachmittag Klavier haben und wir am Abend ausgehen. Am Sonntag machen wir Sport am Morgen, am Nachmittag gehen wir ins Kino. Und abends bin ich dann früh im Bett, weil die Kinder ja am Montag wieder Schule haben.“

Ich musste die SMS mehrmals lesen. Sie stand für alles, was ich nicht will und wovor ich Angst habe. Sie ist sinnbildlich für diesen klaustrophobischen Familienraum, der superexklusiv ist, durchgetaktet, kaum offen für jede Form von Metamorphose.

Als ich die SMS las, musste ich unweigerlich an diese Vorwerk-Werbungspot aus dem Jahr 2006 (!) denken. „Ich führe ein sehr erfolgreiches kleines Familienunternehmen“, sagte die Mutter darin. Und dann folgt ein harter Schnitt. Keine Widerrede. Das Muttersein ist absolut. Rückfragen wie „Aber, aber, was ist denn mit deiner Rente? Schon mal von Mütterarmut gehört, wenn du nicht Vollzeit arbeitest?“ oder „Aber, du wolltest doch mal was beruflich richtig Großes machen?“ sind nicht gestattet. Abspann, Produkteinblendung, Suck it!

Manche Mütter türmen Pflichten auf, um zu verstecken, dass sie kein Geld verdienen

Ich habe Freundinnen, die sind Mütter, haben einen Hund, ein Haus, Hobbys, Ferienhäuser, Boote, große Gärten. Sie türmen diese ganzen Pflichten vor sich auf, um zu verstecken, dass sie nicht für Geld arbeiten gehen. Sie verkriechen sich hinter ihrer Ehe und dem Privaten, um sich das nicht eingestehen zu müssen.

Die freie Wirtschaft ist hart. Es weht ein kalter Wind da draußen. Der Druck im Arbeitsleben ist immens. Warum sich also nicht zusammen mit Eva Herman unterm Tisch verstecken und Apfelkuchen backen? Warum nicht freiwillig Elternsprecher werden, um zu demonstrieren, wie beschäftigt man ist? Und dann noch mit dem Labrador zur Hundeschule, mit dem Kaninchen zum Tierarzt, die Tochter nachmittags zum Ballett kutschieren, den Sohn bei einem Freund abholen – Stress pur für das Mama-Taxi und null Cent für die eigene Kasse.

Jeder und jede sollte so leben, wie es ihr gefällt. Jede Frau, die das möchte, kann Hausfrau und Mutter sein und das Wochenende für ihre Liebsten durchorganisieren. Wären diese Frauen nur nicht so schön, so klug, so fleißig. Ich will sie nämlich nicht geringschätzen, im Gegenteil. Ich will sie umarmen und ihnen liebevoll ins Ohr flüstern: „Du machst das toll. Du bist toll. Denk’ doch nur bitte auch mal an dich selbst. Nur an dich selbst.“

Caroline Rosales (35) ist Redakteurin der Funke Mediengruppe und lebt in Berlin.

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