Nun beziehe ich mich noch einmal auf Charlotte Roche, obwohl ich es nicht mag, mich zu wiederholen, aber sei’s drum. Dr. Roche empfiehlt nämlich jüngst in ihrer SZ-Kolumne, sich bei akutem Kinderwunsch erst das Kind und dann den Mann zu suchen. Sprich, sich als Single (Mom) auf die Suche zu begeben, am besten, wenn das Kind das Babyalter überschritten hat. So habe ich es ja gemacht. Nur, dass dem (bei mir) kein Rochescher Masterplan, sondern eine Kette von missglückten zwischenmenschlichen Ereignissen vorgegangen ist.

Da war ich aber nun. Vor zweieinhalb Jahren. 33 Jahre alt und Mutter von zwei noch kleinen Kindern. Und dann, ein halbes Jahr später, kam er. Der Freund, der Mann für die Dates, den Türschwellen-Moment, den Anfang von etwas Großem und – es wird noch besser – der Vorliebe für die praktischen Dinge meines Lebens. Und da wir vom ersten Abend an verliebt waren und planten, zusammen zu sein, war die schnelle Aufklärung meinerseits über die Tatsache, dass ich zwei Kinder habe, unvermeidlich.

„Ist das für dich okay?“, fragte ich ihn damals vorsichtig.

„Aber ja“, sagte er. 

Der Freund geht dann schon mal diskret weiter

Auch meine Kinder fanden ihn in Ordnung und so war es eigentlich nur noch an mir, diese feine nuancenreiche Anbahnung zu einer innerfamiliären Freundschaft nicht zu vermasseln. Doch, wie auf höchster Diplomatie-Ebene üblich, ist es an einer dritten Person, unbemerkt für den Ausgleich zwischen zwei Mächten zu sorgen, Konfliktherde zu löschen, bevor sie überhaupt erst entstanden sind. Und das ist (oft) verzwickt.

Beispielhaft zu erläutern am Sonntagsausflug um den See. Der Freund (45 Jahre, ledig, keine Kinder) liebt das Lesen, die Ruhe, die Kunstmuseen, die Spaziergänge. Die Kinder das Toben, Spielen, Diskutieren und das Stehenbleiben am Wegrand. Dazwischen vermittelt die gütige, gut gelaunte Freundin und Mutter, immer darum bemüht, nicht wie ein hysterische Zicke (wäre ja total unsexy) zu wirken, wenn sie ihre Kinder freundlich ermahnt, doch den schönen Spaziergang mit Freude kraftvoll zu Ende zu bringen. Der Freund geht dann schon mal diskret weiter, das Kind verschränkt die Arme und ich halte die Luft an. Und wenn dann beide Parteien (Freund und Kinder) darauf bestehen, dass die Freundin-Mama (kurz vor der Eskalation) sich doch mal locker machen könnte, reicht IHRE Wut längst für einen Mord.

Mit einer Einheit Maoam als Weg-Motivation, gerecht aufgeteilt zwischen zwei Kindern, endet dann auch der schönste Ausflug – und wehe, die Anzahl ist ungerade, und ich habe die Grammwaage vergessen. Denn spätestens DANN heult einer – meistens ich. Den Abend auf der Couch läute ich dann mit der Gewissheit ein, ALLES gegenüber JEDEM falsch gemacht zu haben, aber auch mit der selbstgerechten Haltung, dass mir Lockerheit wohl einfach nicht steht. Die Kinder schlafen dann längst und der Freund versichert mir, dass doch heute ein ganzer schöner Tag war.

„Warst du schockiert, als ich dir damals von meinen Kindern erzählt habe?“, fragte ich meinen Freund neulich nach einem Sonntag wie diesem.

„Ja“, antwortete er.

„Wegen der Kinder?“, fragte ich besorgt zurück.

„Nein“, sagte er. „Aber, du weißt ja selbst, wie schlimm Mütter sein können...“

Caroline Rosales (35) ist Redakteurin der Funke Mediengruppe und lebt in Berlin.

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