Berlin und seine historische Mitte haben sich im 20. Jahrhundert grundlegend verändert. Um einen Eindruck zu bekommen, genügen ein paar simple Zahlen: „Heute leben im Stadtkern, der vor 150 Jahren noch 40.000 und vor 100 Jahren noch 20.000 Menschen als Wohnort diente, nur noch knapp 8000 Menschen“, schreiben Benedikt Goebel und Lutz Mauersberger in der Einleitung zu ihrem Bildband „Mitte auf Augenhöhe“. Damit sei Berlin „nach Kaliningrad die Stadt mit der geringsten Bebauungsdichte in ihrer historischen Mitte in Europa“.

Wer sich heute zwischen Hausvogteiplatz, Alexanderplatz, Hackeschem Markt und Spittelmarkt bewegt, kann sich kaum noch vorstellen, dass sich hier einmal ein intaktes, fußgängerfreundliches Quartier mit hoher Aufenthaltsqualität befunden hat. Der Zweite Weltkrieg fraß Schneisen in die Stadt, die nicht zu heilen waren, und die dieser Bildband eindrucksvoll dokumentiert. Er zeigt 120 Fotografien aus der Passantenperspektive und stellt sie dem heutigen Zustand gegenüber. Der Band verfolgt dabei die Choreografie eines Stadtspaziergangs. Man kann jederzeit nachvollziehen, wo man sich gerade befindet, und doch lässt sich oft nicht begreifen, dass Berlin einmal so reichhaltig und stimmig bebaut gewesen ist, ob es nun in der Gegend um den Mühlenmarkt ist, am Nikolaikirchplatz oder auf dem Areal rund um den Spittelmarkt, an der Fischerstraße oder an der Friedrichsgracht.

Die historischen Bilder stammen mehrheitlich aus Lutz Mauersbergers Berlin-Mitte-Archiv. Mauersberger, studierter Architekt, gründete es 1978 und konzentriert sich seit 2010 auf Forschungen und Recherchen zu Berlin-Mitte. Sein Ko-Autor Benedikt Goebel ist Historiker und promovierte 2003 an der Humboldt-Universität zum Thema „Der Umbau Alt-Berlins zum modernen Stadtzentrum“. Beide Autoren möchten ihren lesenswerten Bildband, der auch spannende historische Karten enthält, zurecht als Anschauungsmaterial für die künftige Stadtplanung verstanden wissen: „Das Buch lädt alle Bewohner der Stadt dazu ein, die abhandengekommene und vergessene Mitte der Stadt wieder kennen und lieben zu lernen.“

Spittelmarkt

Mühlendamm

Großer Jüdenhof

Friedrichsgracht

Hoher Steinweg

Rathausstraße / Königstraße