Der Job als Verwaltungsfachangestellte war Anika Bogdain schnell zu langweilig. Nach drei Jahren Ausbildung und ein Jahr bei der unteren Ordnungsbehörde sie, sich umzuorientieren. „Ich habe gemerkt, dass mir die Freiwillige Feuerwehr als Hobby nicht mehr ausreicht.“ Seit einem halben Jahr absolviert die 23-Jährige, die aus Buckow in der Märkischen Schweiz stammt, nun die Ausbildung zur Werksfeuerwehrfrau am Flughafen BER – praktisch im zweiten Bildungsweg. „Ich bin sehr froh, dass ich diesen Weg gegangen bin, sagt Bogdain. „Die Vielseitigkeit in diesem Beruf ist unglaublich.“
Bogdains Weg ist der bisher der übliche. Wer in Deutschland zur Feuerwehr möchte, muss in der Regel zunächst einen anderen Beruf lernen und kann sich erst dann über Weiterbildungen zum Brandbekämpfer oder Rettungssanitäter qualifizieren. Am Hauptstadtflughafen ist das künftig anders. Gemeinsam mit der Industrie- und Handelskammer Cottbus bietet der BER nun direkt und ohne Umweg für Schulabgängerinnen und -abgänger die Ausbildung zum „Werksfeuerwehrmann/-frau“ an. Der erste Jahrgang startet im August. Seit Donnerstag können sich Interessentinnen und Interessenten online auf einen der insgesamt sechs Plätze bewerben.
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BER-Werksfeuerwehr braucht in drei Jahren bis zu 50 Nachwuchskräfte
Sie erwarte zahlreiche Interessierte, sagte Aletta von Massenbach, Vorsitzende der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg. „Für die Flughafenfeuerwehr bietet sich damit die Möglichkeit, den Personalbedarf noch besser aus eigener Kraft zu decken.“ Auch Andreas Klupsch und Chef der Flughafenfeuerwehr in Schönefeld, setzt viel Hoffnung in die neue Ausbildung. „Feuerwehrleute gibt es halt nicht fertig ausgebildet und die Bewerberlage ist arg begrenzt“, sagte Klupsch, der auch dem Brandenburger Werksfeuerwehrverband vorsitzt. Bei der Flughafenfeuerwehr, die insgesamt 295 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt, würden bis 2025 rund 40 altersbedingt ausscheiden. „Es braucht also bis dahin 40 bis 50 Nachwuchskräfte.“
Die Flughafenfeuerwehr ist nicht die einzige, die den neuen Ausbildungslehrgang teilnimmt. Auch die Werksfeuerwehren des Chemieunternehmens BASF in Schwarzheide und des Stahlherstellers Arcelor Mittal in Eisenhüttenstadt wollen ab August jeweils sechs und zwei Nachwuchskräfte ausbilden. Auch der Autobauer Tesla, der vor Kurzem sein Werk in Grünheide eröffnete, hat laut Klupsch Interesse bekundet auf vier bis sechs Ausbildungsplätze bekundet.
Brandenburgs Wirtschafts- und Arbeitsminister Jörg Steinbach will vor allem Schulabgängerinnen dazu motivieren, sich für die Ausbildung zur Werksfeuerwehrfrau zu bewerben. „Gerade in den technischen Berufsbildern gibt es tolle Entwicklungschancen und gute Verdienstmöglichkeiten“, sagte der SPD-Politiker am Donnerstag zum Bewerbungsstart. Es brauche viel mehr Vorbilder, die „hoffentlich viele Nachahmerinnen finden“ werden. Eines dieser Vorbilder sei Anika Bogdain, die in ihrem Jahrgang die einzige Frau ist.

Ausbildungsgehalt bis rund 1120 Euro
Man müsse körperlich fit sein, so die Auszubildende. Den Herausforderungen sei eine Frau aber genau so gewachsen, wie ein Mann. „Wir machen alle die gleiche Arbeit.“ Diese schaffe jeder, der Lust darauf hat. Sie werde auf jeden Fall bei der Flughafenfeuerwehr bleiben, ein paar Jahre weitere Arbeitserfahrung sammeln und dann weiter Karriere machen. „Gerade als Frau – man muss ja auch ein Statement setzen.“ Sie würde sich sehr über weitere weibliche Verstärkung freuen.
Geschlechtsunabhängig ist in jedem Fall das Gehalt. So wird je nach Lehrjahr eine Ausbildungsvergütung zwischen 1009,20 und 1119,33 Euro gezahlt. Bei entsprechender Leistung gibt es außerdem eine Übernahmegarantie. Das Bruttogehalt liegt nach zweieinhalb Jahren Betriebszugehörigkeit bei rund 3000 Euro brutto plus Zulagen für Dienst an Sonn- und Feiertagen.
Der Unterschied zu einer herkömmlichen Feuerwehr, die meist der Kommune oder Stadt untersteht und auf alle Schadens- oder Katastrophenlagen vorbereitet sein muss, sind Werksfeuerwehren auf die jeweiligen Spezifika und mögliche Katastrophenszenarien ihres Einsatzgebiets spezialisiert – im Fall der BASF etwa auf chemische Katastrophen, bei Tagebaubetrieben wie der LEAG in der Lausitz etwa auf Grubenunfälle oder an Flughäfen eben auf Flugzeugbrände oder -abstürze.
BER-Werksfeuerwehr fährt rund 3000 Einsätze pro Jahr
Auf dem Gelände des BER gibt es insgesamt drei Feuerwachen, auf denen 270 Einsatz- und 25 administrative Kräfte stationiert sind. Alle drei Wachen sind 24 Stunden am Tag und sieben Tage die Woche besetzt. Laut FBB rückt die Feuerwehr jährlich zu rund 3000 Einsätzen aus – darunter Brände, medizinische Notfälle oder technische Hilfsleistungen. Zur Flotte der Flughafenfeuerwehr gehören fünf sogenannte Flugfeldlöschfahrzeuge, die etwa im Fall eines Flugzeugbrands zum Einsatz kommen. Sie kosten in der Anschaffung pro Stück rund 1,2 Millionen Euro.






