Schlafsäcke sind Essentials für obdachlose Menschen. Sie geben ein kleines Stück Behaglichkeit, schützen vor Kälte und anderen Widrigkeiten des Wetters. Sie sichern das Überleben, zu jeder Jahreszeit. Und sind doch leider sehr oft im Jahr einfach nicht da.
In der Bahnhofsmission Zoologischer Garten haben wir vor Jahren jeden Abend Schlafsäcke ausgegeben, immer zwischen 22 und 24 Uhr. Das wusste viele obdachlose Menschen, es gab ihnen ein bisschen Sicherheit. Andere soziale Einrichtungen wussten es auch und schickten ihre Gäste zum Zoo. Jeden Abend brauchten wir 20 bis 30 Schlafsäcke, und es war eine gehörige Portion Arbeit, das hinzubekommen.
Zu viele Rückschlüsse auf die Anzahl der obdachlosen Menschen in Berlin sollten daraus aber nicht gezogen werden. Sicher holten sich Einzelne mehrfach Schlafsäcke, es ging auch Schlafsäcke verloren oder wurden dreckig, gerade bei Regen. Einige unserer Gäste waren auch inkontinent.
Jede Spende ist großartig, sie hilft
Wie viele Schlafsäcke es insgesamt waren? Rechnen Sie nach: durchschnittlich 25 am Tag, mal 365 Tage mal acht Jahre. Liebe Leserinnen und Leser, werte Berliner Morgenpost, liebe Petra Götze, geschätzter Verein „Berliner helfen“ – haben Sie lieben Dank. Sie alle sind an diesem Ergebnis beteiligt! Unzählige andere aber auch. Wenn Medien uns sogar bundesweit unterstützten, kamen Schlafsäcke aus Kappeln und München, sogar in Kanada sammelte jemand den begehrten Schutz für Menschen in Berlin.
Über Jahre waren das viele einzelne Spender. Zuerst brachten sie ihren eigenen alten Schlafsack, in späteren Jahren kauften sie dann jedes Jahr neue.
Jede Spende ist großartig, sie hilft, aber wir brauchen auch Großspender. Eine Stiftung in Liechtenstein rettete uns jedes Jahr mit um die 3000 Stück, Menschen überwiesen höhere Beträge, Hans Wall zum Beispiel überraschte mit 10.000 Euro. Ich hielt seine Nachricht zunächst für ein Fake. Solche Beträge sind vielen ja gar nicht möglich, unsere Freunde überweisen eher zehn oder 20 Euro, einige auch mal mehr. Da unser Freundeskreis aber groß ist, kam doch viel zusammen. Mehrfach im Jahr haben wir für größere Beträge Schlafsäcke und Isomatten gekauft.
Eine Übersicht könnte helfen - wer gibt wann Schlafsäcke aus?
Immer häufiger lese ich, Schlafsäcke seien in Hilfeeinrichtungen nicht mehr vorhanden oder könnten endlich wieder ausgegeben werden, nachdem einige gespendet oder gekauft wurden. Wir wurden am Zoo dagegen früher unruhig, wenn nur noch 500 Stück vorhanden waren. Wann beginnt man, für neue Schlafsäcke zu sammeln?
„Wir haben kaum Lagermöglichkeiten, um eine größere Anzahl einlagern zu können“, das höre das von etlichen Hilfe-Trägern. Zum Teil ist das sicher wahr, leere Räume hat niemand. Hilfen mit dieser Begründung abzulehnen, sollte aber ein Unding sein. Ich erinnere: Schlafsäcke können Leben retten. Etwas mehr Übersichtlichkeit könnte helfen. Wer gibt eigentlich wann verbindlich Schlafsäcke aus, wer bewältigt welche Anzahl?
Kommt nun übrigens jemand von ihnen auf die Idee, Schlafsäcke zu spenden: Geben Sie bitte ruhig etwas mehr Geld aus. Ich habe vor Jahren mal selbst einen Schlafsack getestet, der 15 Euro gekostet hatte. Nach einer Nacht war das Innenleben zerrissen. Solche Teile helfen niemandem, gefährden Menschen eher, weil sie sich bei Kälte in falscher Sicherheit wiegen.
Damit wir uns richtig verstehen: Ein Schlafsack ist nur ein Umweg. Auch ich wünsche obdachlosen Menschen eine eigene Wohnung, ein Zuhause, ein richtiges Bett. Damit die Not ein Ende hat. Also fordere ich um die 3000 bis 6000 Wohnungen. Am besten vorgestern, bitte – denn so viele Menschen leben, geschätzt, in Berlin auf der Straße. Damit sie dieses Ziel, eine Wohnung, lebend erreichen, arbeiten wir bis dahin mit den Schlafsäcken und anderem als Überbrückung. Herzlichen Dank für Ihre kontinuierliche Hilfe und einen gesegneten 3. Advent.


