ADRIENNE KÖMMLER


    „My English is not very good, my German is better.“ Mit diesem holprigen Satz bekannte sich der ehemalige Fußballprofi Lothar Matthäus in seiner ersten Pressekonferenz nach dem Wechsel zu den New York Metro Stars zu seinen fehlenden Englischkenntnissen. Er habe da „a few problems“. Das Bild, welches er damals auf internationalem Parkett abgab, passt zur Situation vieler Deutscher. Deren fremdsprachliche Kompetenz ist im Vergleich mit anderen Europäern nicht gerade pokalverdächtig. Laut dem aktuellen EF English Proficiency Index (EF EPI) haben sich die Englischkenntnisse der Deutschen in den vergangenen Jahren zwar gebessert, aber im weltweiten Ranking reichte es lediglich für Platz neun. Schweden, Dänemark und Norwegen stehen an der Spitze der Liste.

    Die Weltsprache ist der gemeinsame Nenner

    In Zeiten der Globalisierung gewinnt die Rolle der Fremdsprache an Gewicht. Wer auf der Karriereleiter nach oben klettern möchte, kommt um Englisch kaum herum. Bewerbern, die sich fremdsprachlich verständigen können, stehen beruflich diverse Türen offen. Denn international verhandeln, Verträge abschließen, per E-Mail oder am Telefon mit Kunden in Englisch kommunizieren – diese Fähigkeiten werden zunehmend erwartet. Eine Erwartung, die oft nicht erfüllt wird. Vor allem in komplizierten Fachgebieten und schwierigen Verhandlungssituationen tun sich die Deutschen schwer.

    Das Marktforschungsunternehmen GfK bestätigt mit einer Studie des Sprachkursanbieters Wall Street English (WSE), dass sich gerade einmal 13 Prozent der Arbeitnehmer wirklich verhandlungssicher unterhalten können. Allerdings bewies die Mehrzahl junger Berufsstarter fließendes Englisch. 54 Prozent der 20- bis 29-Jährigen zeigten gute bis exzellente Kenntnisse.

    „Englisch ist inzwischen Geschäftssprache“, betont Thomas Lemke, Geschäftsführer von Peix Healthcare Communication. Die expandierende Kreuzberger Agentur fordert in jeder Stellenausschreibung fließendes Deutsch und Englisch. „Die Erfordernisse haben sich deutlich geändert. Wir arbeiten zunehmend mit internationalen Kunden oder Lieferanten zusammen. Ob mit Amerika, Indien oder auch Polen – mit dortigen Geschäftspartnern stimmen wir uns in englischer Sprache ab“, erklärt Thomas Lemke. Die Weltsprache sei der gemeinsame Nenner – ohnehin generell in der Werbe- und Medienbranche. Auch in anderen Wirtschaftsbereichen gibt es diesen Trend. In Berliner Niederlassungen internationaler Unternehmen hört man innerhalb der Geschäftsräume kaum noch jemanden Deutsch reden.

    Es hilft schon, Filme auf Englisch anzuschauen

    „In fast allen Stellenausschreibungen steht inzwischen, dass man Englisch können muss. Die Erfahrung ist aber, dass es dann manchmal gar nicht oder kaum notwendig ist“, weiß Stephan Dahrendorf. Der Personalexperte führt die Geschäfte von In­place, einer Personalmanagement GmbH mit Sitz in Berlin und Hamburg, die zum Beispiel bei beruflicher Neuorientierung berät. Er relativiert den häufig gestellten Anspruch an die Sprachperfektion. Denn die Frage sei, in welcher Qualität die Fremdsprachenkenntnis jeweils tatsächlich notwendig sei. Sein Tipp: „Bei Bewerbungen nicht zu sehr hochstapeln, denn das kommt sowieso raus. Mittelmäßigkeit sollte man maximal mit ,gutem Englisch‘ beschreiben.“ Oft sei wiederum – sogar zertifizierte – Sprachkenntnis da, doch es fehle Bewerbern einfach an Mut, diese aktiv anzuwenden.

    „Man muss sich trauen, in der Fremdsprache zu reden. Denn wenn man nicht spricht, kann man nicht kommunizieren“, meint Stephan Dahrendorf. Bei fachlicher Eignung würde der Arbeitgeber in der Regel Bewerber nicht wegen zu schlechten Englischs ablehnen. Denn das ließe sich leicht „nachrüsten“ – zum Beispiel über ein betriebliches Englischtraining.

    Auch privat bringe die sprachliche Beschäftigung viel. Ob durch das Nutzen von Onlineangeboten wie Apps, das Lesen englischer Zeitungen oder Bücher, das Schauen von Filmen in Originalsprache: Wer dafür offen sei, könne seine sprachliche Qualifikation steigern. „Sprachbad“ nennen es Sprachforscher, wenn man solche originalsprachlichen Möglichkeiten nutzt. Sie sind sich einig, dass Wiederholungen der Schlüssel zum Erlernen von Fremdsprachen sind. Das Lernen von Wortkombinationen hat sich als sinnvoller erwiesen als das Pauken einzelner Wörter. Sich bestimmte Redewendungen zu merken, schütze recht zuverlässig vor Sprachstolperfallen.