BARBARA HOPPE
Zehn Jahre lang leitete Vladimir Malakhov das 2004 ins Leben gerufene Staatsballett Berlin. Ihm folgte in der Spielzeit 2014/2015 der Spanier Nacho Duato, der zuvor als künstlerischer Leiter des Mikhailovsky-Theaters Sankt Petersburg gewirkt hatte. Auf eigenen Wunsch löst er nun vorzeitig seinen Vertrag als Intendant des Staatsballetts auf. Es übernimmt der Schwede Johannes Öhman – ab 2019 teilt er sich wie geplant die Aufgabe mit
Sasha Waltz.
Duato polierte Genre-Klassiker wie „Dornröschen“ (2015) oder „Der Nussknacker“ (2016) auf, thematisierte aber auch Angst vor Terror und die Folterpraxis westlicher Geheimdienste in „Herrumbre“ (2004/2016) sowie mit „Erde“ (2017) die Ressourcenverschwendung und Umweltzerstörung.
Elegant im Stil, oft melancholisch im Ausdruck – Nacho Duato legt in seinen Choreografien den Fokus stets auf das Moderne im Tanz, so auch bei „Romeo und Julia“ nach Shakespeare, seiner letzten abendfüllenden Arbeit in Berlin. „Ich wollte das Werk auf moderne Art inszenieren, die bekannte klassische Version entstauben“, betont Duato. „Dabei ist mir wichtig, der Geschichte zu folgen und den verschiedenen Charakteren genügend Raum zu geben. Es wird nicht auf Spitze getanzt, sondern erdig und geschmeidig.“
Die Ballett-Musik komponierte Sergej Prokofjew 1935, nachdem er aus Paris in die von Stalins Herrschaft geprägte Sowjetunion zurückgekehrt war. „Die Partitur ist das Beeindruckendste, das je für die Ballettbühne geschaffen wurde“, gerät Duato ins Schwärmen. „Ich folge einfach der Komposition, in ihr findet sich jede Bewegung und jedes Bild dieser tragischen Geschichte“.
Mit „Por vos muero“, Duatos zweiter Premiere der Saison, bleibt er in der Zeit Shakespeares, wenngleich der Ursprung der Kurzchoreografie in Spanien liegt. „Der Titel ist ein Zitat aus einem Gedicht von Garcilaso de la Vega, einem Dichter des Siglo de Oro, der spanischen Renaissance“, erklärt Duato. „Auch die Musik stammt aus dieser Zeit und die Kostüme sind davon inspiriert. Ich wollte eine Hommage kreieren an die Bedeutung des Tanzes im 16. Jahrhundert, der das Gefühl der einfachen Bevölkerung widerspiegelt. Arm- und Körperhaltungen sind teilweise aus Gemälden inspiriert, ansonsten soll das Ambiente dieser Zeit entstehen.“ Den Abend flankieren Choreografien seines langjährigen Assistenten und Ersten Ballettmeisters Gentian Doda sowie von Marco Goecke, der seit 2013 als Hauschoreograf am renommierten Nederlands Dans Theater engagiert ist.
Nicht alles sei in den letzten Jahren optimal gelaufen: „Schwierig fand ich die Tatsache, dass die Compagnie auf drei Bühnen tanzt und so ein fixer Identifikationspunkt fehlt, für das Publikum wie auch das Ensemble“, resümiert der Choreograf. Die Entwicklung des Ensembles bewertet er hingegen positiv. „Besonders schön war, dass ich Werke von Ohad Naharin, George Balanchine und Jiří Kylián aufführen konnte. Ich denke, die Compagnie hat sich für ein breiteres Spektrum von Tanz geöffnet, die Tänzer sind wirklich gut.“ Somit ist das Fazit versöhnlich: „Anders machen würde ich nichts, denke ich“. Zur Ruhe setzen wird sich der 61-Jährige nicht. „Ich gehe wieder nach Spanien und werde dort eine Stiftung aufbauen, die Tänzer und den Tanz fördert und sich um mein Werk kümmert. Da meine Arbeiten weiterhin weltweit gespielt werden, habe ich nun die Zeit, die Einstudierungen selbst zu erarbeiten.“

