Es klingt wie aus einem Science-Fiction-Film: Der Kaffee kocht sich morgens von selbst, der Kühlschrank bestellt die Lebensmittel, wenn sie zur Neige gehen. Die Waschmaschine wird von unterwegs per App eingeschaltet, damit die Wäsche fertig ist, sobald man nach Hause kommt.
All diese Lösungen für ein smartes Zuhause gibt es bereits. Sie füllen auf der Technik-Messe IFA ganze Hallen und haben laut dem „Smart Home Monitor 2017“ des Marktforschungsinstituts Splendid Research ein großes Wachstumspotenzial. 40 Prozent der Befragten wollen sich demnächst Smart-Home-Lösungen zulegen. 23,9 Prozent zeigen sich skeptisch. Bei den Kritikern ist besonders die Sorge um die Privatsphäre und vor Hackerangriffen ausschlaggebend für ihre Zweifel.
Wie es sich tatsächlich mit smarten Technologien lebt, das probiert in Kreuzberg eine Wohngemeinschaft mit fünf Studentinnen aus dem Masterstudiengang Online-Kommunikation an der Hochschule Anhalt aus. In dem Projekt der Wohnungsbaugesellschaft Deutsche Wohnen erproben sie im Alltag, wie es sich mit intelligenten Leuchten oder Steckdosen lebt.
Zwei Wetterstationen für innen und außen messen nicht nur die Temperatur, sondern vermelden auch per Push-Nachricht auf das Handy, wenn der CO2-Gehalt in der Luft bedenklich ist und mal wieder gelüftet werden sollte. Sobald ein Fenster offen ist, stellt sich die Heizung aus und spart auf diese Weise Energie. Fünf per Wlan vernetzte Soundsysteme sorgen für Musik in allen Räumen. Sie können über Amazons Sprachassistenten Alexa gesteuert werden. Verwaltet werden die smarten Qualitäten über eine App des Münchener Start-ups iHaus, die sowohl vom Handy als auch vom Tablet im WG-Flur bedient wird.
Das Leben in der Kreuzberger Smart-Home-Wohnung bedeutete eine Umstellung für die Studentinnen. „Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir alles eingerichtet und Alexa uns richtig verstanden hat“, sagt Lara Boye, eine der Bewohnerinnen.
Inzwischen hat sie sich daran gewöhnt, dass sie die Musik auf Zuruf steuert oder morgens vom Bett aus übers Handy dank einer intelligenten Steckdose die Kaffeemaschine anstellt. Sofern sie am Abend vorher Wasser und Pulver eingefüllt hat, ist der Kaffee fertig, sobald sie in die Küche kommt.
„Das meiste erleichtert tatsächlich den Alltag“, sagt Lara Boye. Anstrengend wird es allerdings, wenn etwas nicht funktioniert oder ein Update nötig ist. So fing Alexa einmal nachts um drei an, laut Rezepte vorzulesen. „Das war ziemlich gruselig“, erinnert sich Lara Boye.
Die Deutsche Wohnen möchte mit dem WG-Experiment ausloten, wie und ob sie intelligente Technologien für ihre Bestände nutzt. „Wir bekommen Input aus der Praxis, gleichzeitig können wir die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Wissenschaft und dem digitalaffinen Nachwuchs vertiefen“, sagt Sprecherin Mira Schnittger.
Erste Gehversuche in Sachen smarte Gebäudetechnik wagt die Deutsche Wohnen bereits: In der Wohnanlage Falkenhagener Feld in Spandau sind die Haustüren mit der schlüssellosen Zugangstechnik des Prop-Tech-Unternehmens KIWI ausgestattet. Bisher können nur Hausmeister, Handwerker und andere Dienstleister über einen Code in die Westplattenbauten gelangen. Langfristig soll die Technik allen Mietern in rund 17 000 Gebäuden der Deutschen Wohnen zur Verfügung stehen, die auch Anteilseigner von KIWI ist.
Im Haushalt verhält sich die Technik noch unzuverlässig
Ob noch weitere der in der Smart-WG getesteten Anwendungen einmal zum Standard von Mietwohnungen gehören werden, werde die Nachfrage der Nutzer zeigen, sagt Mira Schnittger. Der Job der Studentinnen ist es unter anderem, die Wohnungsbaugesellschaft auf mögliche Probleme aufmerksam zu machen, zum Beispiel dass nachts plötzlich laute Musik aus den über Wlan ansteuerbaren Boxen dudeln könnte.
Wenn Lara Boye demnächst aus ihrer smarten Wohngemeinschaft auszieht, weil das Projekt nur auf ein halbes Jahr angelegt ist, wird sie den Luxus des vernetzten Wohnens schon vermissen. Auf manches Feature kann sie dagegen gut verzichten. „Die Kaffeemaschine kann ich morgens auch selbst anstellen“, findet Lara Boye.

