6500 Berliner Haushalte und 400 Gewerbekunden sind am Montag offenbar Opfer eines politisch motivierten Anschlags geworden. Nach einem Feuer unter der Mörschbrücke im Norden Charlottenburgs war bei ihnen seit den Mittagsstunden komplett der Strom ausgefallen. Am Nachmittag erklärte eine bislang unbekannte Gruppierung mit Namen „Vulkangruppe NetzHerrschaft zerreißen“ auf der linksextremen Internetplattform Indymedia, sie sei für den Brand verantwortlich. Die Gruppe gibt an, sie habe unter der Brücke eine große Menge Kabel gezielt in Brand gesetzt, um damit den Betrieb am Flughafen Tegel und die Netzverbindungen im Regierungsviertel zu treffen.
Wörtlich heißt es in dem Bekennerschreiben, Ziel des Anschlags seien Leitungen gewesen, die vom „Militär und seinen Dienstleistern, der Flugbereitschaft der Bundesregierung, der Verwaltung des Landes Berlin, Großkonzernen, Internet-Knotenpunktbetreibern und dem Flughafen Tegel“ genutzt werden.
Acht 10.000-Volt-Kabel wurden zerstört
Am Abend teilte die Flughafengesellschaft mit, in Tegel habe es keine Probleme gegeben. Auch im Regierungsviertel waren zunächst keine Störungen der Kommunikation bekannt. Getroffen hat es damit ausschließlich die Haushalte und Gewerbebetriebe im Norden Charlottenburgs. Zudem waren rund um den Mierendorffplatz zahlreiche Ampeln außer Betrieb.
Am Abend waren alle Haushalte wieder mit Strom versorgt – schneller als gedacht. Zunächst hatte der Netzbetreiber Stromnetz Berlin mitgeteilt, die Reparaturarbeiten an den Kabelsträngen dauerten noch bis mindestens ein Uhr in der Nacht zu Dienstag.
Insgesamt wurden bei dem Anschlag acht 10.000-Volt-Kabel zerstört. „Wir haben um 12.53 Uhr einen Alarm bekommen, dass es einen Kabelbrand gibt“, sagte ein Feuerwehrsprecher am Montag. Um die Kabel unter der Brücke reparieren zu können, müsse diese an beiden Seiten geöffnet werden. Normalerweise könnten Ausfälle durch Umschaltungen binnen 90 Minuten behoben werden. „Hier sind aber auch die Reservekabel betroffen gewesen“, sagte Olaf Weidner, Pressesprecher von Stromnetz Berlin.
Die Polizei prüfe derzeit die Echtheit des vermeintlichen Bekennerschreibens, sagte eine Polizeisprecherin. Der für politisch motivierte Taten zuständige Staatsschutz sei eingeschaltet worden, die Experten hätten vor Ort mit ihren Ermittlungen begonnen. Die Tatortarbeit könne noch einige Stunden dauern, sagte die Sprecherin weiter. Grund sind Sicherheitsvorkehrungen nach Bränden. So dürfen die Brücke über den Westhafenkanal und der Bereich darunter erst dann wieder betreten werden, wenn Statiker eventuelle Schäden an der Brücke ausschließen können. Über die genaue Ursache für den Brand könne noch nichts gesagt werden. Damit sei frühestens Dienstag zu rechnen, hieß es am Abend.
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) verurteilte die Tat: „Anschläge auf die Infrastruktur, wie zum Beispiel das Stromnetz, treffen alle. Das ist kein dummer Scherz, denn das kann Leben gefährden. Wer wissentlich das Leben von zum Beispiel Patienten in Krankenhäusern gefährdet oder riskiert, dass es im Straßenverkehr Unfälle gibt, der muss konsequent bestraft werden.“ Seite 9

