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Die Lösung Wohnturm

Hochhäuser sind eigentlich typisch für Weltmetropolen. Berlin tat sich bisher damit schwer. Das könnte sich jetzt ändern

Allein New York besitzt mehr Hochhäuser als ganz Europa zusammen. Das Wohnen im 40. oder 50. Stock ist jenseits des großen Teichs nichts Ungewöhnliches. An der Spree waren die Ansätze bisher eher zaghaft. Dafür sorgt schon die berühmt-berüchtigte Berliner Traufhöhe von 22 Metern, die sich allen Versuchen, sie aufzuweichen, erfolgreich widersetzt hat. Am Alexanderplatz beispielsweise geschah lange nichts – obwohl bereits Hans Kollhoffs Masterplan von 1993 Wohntürme vorsah. Jetzt könnte auf dem Areal doch das eine oder andere Wohnhochhaus Realität werden.

So bewilligte das Bezirksamt Mitte einen Bauantrag der russischen Investorengruppe Monarch. Die will nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Ortner & Ortner neben dem Einkaufszentrum Alexa den 150 Meter hohen Alexander Tower mit circa 475 Wohnungen bauen. Ein weiterer, 150 Meter hoher Turm nach Plänen des US-Architekten Frank Gehry und des US-Investors Hines soll am Saturn-Kaufhaus entstehen. Bereits im Bau befindet sich dagegen das Projekt Grandaire in der Voltairestraße. Im 65 Meter hohen Wohnturm entstehen 164 Wohnungen mit zwei bis fünf Zimmern. Die Fertigstellung ist für Sommer 2020 geplant.

Doch auch an der Spree geht es in die Höhe. UPSIDE Berlin wird von der MIKARE Development GmbH entwickelt. Im Sommer 2017 wurde am Friedrichshainer Spreeufer mit den Bauarbeiten begonnen. Neben den 96 und 86 Meter hohen Türmen entstehen sechs- bis siebenstöckige Sockelbauten mit Wohnungen und Gewerbeflächen. Im Max Tower sind 179 Eigentumswohnungen sowie 80 Serviced Apartments geplant. Im Zentrum des Ensembles befindet sich ein 1500 Quadrat­meter großer Platz, um den sich Restaurants, Cafés und Geschäfte gruppieren sollen. Das sanierte, denkmalgeschützte „Übernachtungshaus“ wird als Bürohaus genutzt.

Um Erhaltung geht es auch am Steglitzer Kreisel. In den letzten Jahren wurde das ehemalige Verwaltungsgebäude asbestsaniert und entkernt und wird nun von der CG Gruppe in einen Wohnturm mit etwa 327 Wohnungen und einer Höhe von 118, 5 Metern umgewandelt.

Dennoch: Generell hält die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen Hochhäuser nicht unbedingt für geeignet, bezahlbare Wohnungen zu errichten. Die aber braucht die Stadt dringend. „Zur Zeit wird ein Hochhausleitbild entwickelt“, erklärt die Pressesprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Petra Rohland. „Dabei werden nicht konkrete Standorte festgelegt, sondern Kriterien. In welchem Kontext passt ein Hochhaus, in welchem nicht.“ Mit dem Entwurf will Senatorin Katrin Lompscher voraussichtlich ab 2019 in die politische Diskussion gehen. In der Zwischenzeit könnten, so Rohland, natürlich Hochhaus­projekte bearbeitet werden, da alle planungs- und bauordnungsrechtlichen Instrumente vorhanden seien.