Es ist schon fast typisch Berlin: neuer, hochwertiger Wohnraum in verlassenen Bauten. Alte Industrie- und Behördengebäude werden saniert und behutsam zu neuem Leben erweckt. Prominente Beispiele sind die einstige DDR-Haftanstalt in Rummelsburg und die alte Zigarettenfabrik Garbáty in Pankow. Auch die Wohnungen im Kreuzberger Fichte-Bunker sind schon gut eingelebt. Nun entsteht in einer ehemaligen Klinik in Buch das Ludwig-Hoffmann-Quartier.

Der erste Eindruck überzeugt: Die Bauten haben helle Fassaden und rote Ziegeldächer. Zwischen den Gebäuden sind Freiflächen mit Rasen, kleinen Pavillons, Bäumen, Brunnen und Skulpturen angelegt. Das ehemalige Krankenhaus-Gelände an der Wiltberg-straße 50-90 wird nun ein neues Wohnviertel: das Ludwig-Hoffmann-Quartier.

Namensgeber ist Ludwig Hoffmann, ein Architekt, der die Anlage vor mehr als 100 Jahren plante. Erbaut wurde sie von 1909 bis 1915. Im Ersten Weltkrieg diente das Areal als Lazarett. 1919 eröffnete auf dem Gelände eine Kinderheilanstalt unter dem Namen „Genesungsheim der Stadt Berlin in Buch“. Ab 1963 gehörte die Einrichtung zum Städtischen Klinikum Buch, von 2001 bis 2007 zum Helios-Klinikum. Danach zog Helios auf einen neu errichteten Campus um. 2011 erwarb die Ludwig-Hoffmann-Quartier-Objektgesellschaft mbH & Co. KG das 28 Hektar große Areal mit 31 alten Gebäuden und dem alten Park vom Berliner Liegenschaftsfonds. Sie hat das Gelände aufgeteilt und zum großen Teil an Investoren veräußert. Projektentwickler ist die SITUS GmbH Grundstück + Projekt mit Geschäftsführer Andreas Dahlke, dem Initiator des Vorhabens. 2012 war der erste Spatenstich. Bis 2021 sollen neben Büros und Raum für Gewerbe rund 900 Wohnungen entstehen. Etwa 500 sind bereits fertiggestellt und bezogen. Die Wohnungen verfügen über ein bis vier Zimmer. Zwischen neun und zwölf Euro Nettokaltmiete kostet der Quadratmeter.

Die alten Bauten wurden sorgsam saniert. Groß ist die Vielfalt der architektonischen Elemente. Es gibt Loggien, Balkone, Terrassen und Freitreppen. An einigen Häusern sind Fensterläden angebracht. Auch Säulen, Medaillons, Reliefs und schmiedeeiserne Geländer sind zu sehen.

Viele junge Familien sind eingezogen. Kinder bekommen seit 2013 Unterricht in der Montessori-Schule und der Evangelischen Grundschule, die ebenfalls in denkmalgeschützte Gebäude auf dem Areal gezogen sind. Die einstige Gärtnerei der Klinik ist zum Schulgarten geworden. Auch zwei Kitas sind entstanden, eine weitere ist in Planung. Eine Sporthalle wird gerade gebaut. „Sie soll zum neuen Schuljahr fertig sein“, sagt Nora Peschke, Projektleiterin bei der SITUS. In zwei Häusern hat der Kindeswohl e. V. Plätze für betreutes Wohnen von Kindern und Jugendlichen eingerichtet. In einem weiteren Gebäude will der Verein eine Mutter-Kind-Einrichtung realisieren. Vorgesehen sind außerdem Wohnungen für Senioren.

Am Rand des historischen Areals werden Neubauten errichtet. „Die Planungen dazu laufen“, erklärt die SITUS-Projektleitern Peschke. Häuser mit zwei bis drei Etagen und jeweils einem Staffelgeschoss entstehen. Nora Peschke hat die Entwicklung des Ludwig-Hoffmann-Quartiers von Anfang an miterlebt. „Ich freue mich, dass ich daran mitarbeiten konnte“, sagt sie.

Vielfältiges Wohnquartier

Auf dem Gelände entstehen auch Räume für kulturelle Nutzung. Einen kleinen Saal im ehemaligen Kulturhaus nutzt bereits eine Tanzschule. Der große Festsaal im gleichen Gebäude wird noch bis zum Sommer saniert, ebenso ein weiterer kleiner Saal. Außerdem wird sich ein kleines wissenschaftliches Institut ansiedeln. In einem Haus nahe dem Haupteingang wird sogar Bier gebraut, das Quartier Bier. Dort soll auch ein Biergarten entstehen.

Immobilienmakler Holger Fritz weiß, wie begehrt das Viertel ist. „Jede Woche bekomme ich zehn bis 15 Anfragen von Menschen, die das Quartier für sich entdeckt haben“, sagt er. Die Tendenz, von der Innenstadt nach draußen zu ziehen, sei groß. „Es gibt viele Familien aus Prenzlauer Berg, die ein zweites oder drittes Kind planen und dort keine adäquate Wohnung finden.“ Besonders beliebt sei das Quartier auch wegen der Außenanlagen. „Ludwig Hoffmann hat das Gelände großzügig gebaut, im englischen Landhausstil“, so Immobilienmakler Holger Fritz. „Es gibt große Sichtachsen zwischen den Gebäuden, die auch nicht zugebaut werden dürfen. Man wohnt wie in einer Parkanlage.“ Stellplätze für Autos sind am Rand des Geländes angelegt. „Dadurch ist es sehr ruhig im Quartier“, so Fritz. Wer dagegen den Trubel der Stadt sucht, muss nicht lange fahren ­- der nächste S-Bahnhof liegt nur 300 Meter entfernt.