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Der Norden wächst

| Lesedauer: 3 Minuten
Sandra Donath

Pankow hat nicht genug Wohnungen – aber viel Platz. Künftig soll hier mehr gebaut werden

Vor wenigen Jahren klaffte am Strandbad Weißensee noch eine Baulücke. Dort, wo die Buschallee auf die Berliner Allee trifft und alle paar Minuten eine Tram um die Kurve rattert.

Inzwischen eröffnen in der Gegend neue Cafés, Buchhandlungen, Kinderschuhläden. Statt der Lücke sind da jetzt Eigentumswohnungen mit Seeblick, der Quadratmeter kostet ab 5000 Euro. Weißensee wird langsam ein bisschen schick.

Pankow ist der am schnellsten wachsende Bezirk in Berlin. Nachdem die Lücken in Prenzlauer Berg geschlossen sind, rücken die Stadtteile außerhalb des S-Bahn-Rings in den Blick. Die Florastraße in Alt-Pankow gilt längst als bürgerlicher Kiez, und auch Rosenthal, Wilhelmsruh und Niederschönhausen sind keine Geheimtipps mehr. Familien ziehen hierhin, weil es grün ist, ruhig und dank S-Bahn und Tram gut angebunden.

Kürzlich hat Pankow die 400 000-Einwohner-Marke geknackt. „Wir suchen händeringend nach Flächen, auf denen ohne größere Probleme Wohnungen gebaut werden können“, sagt Vollrad Kuhn, Stadtrat für Stadtentwicklung und Bürgerdienste (Bündnis 90/Grüne).

Dabei gibt es eigentlich genug Platz. Laut dem Flächennutzungsplan hat Pankow Freiflächen und Verdichtungspotenziale für ewa 30 000 neue Wohnungen, weit mehr als jeder andere Bezirk. Trotzdem wird das Bauen immer schwieriger, erklärt Kuhn: Weil die Lücken knapper werden. Weil für jede bebaute Grünfläche ein Ausgleich geschaffen werden muss. Und weil die Anwohner protestieren. „Die Pankower Verkehrsinfrastruktur ist marode“, sagt Kuhn. Außerdem würden dringend Kitas und Grundschulen gebraucht. Kein Wunder, dass die Anwohner manchmal schimpfen, wenn dann schicke Wohnungen entstehen.

Pankow will bis 2021 immerhin 15 000 Wohnungen bauen oder genehmigen. In der Buchholzer Ludwig-Quidde-Straße zum Beispiel sind zwei Projekte mit je mehreren Hundert Wohnungen geplant. In ähnlicher Größenordnung soll in Heinersdorf, Buch und Karow gebaut werden. Auf das Gelände des ehemaligen Rangierbahnhofs am Pankower Tor kommen den Plänen zufolge 1000 Wohnungen, und 5 bis 6000 in den Blankenburger Süden. Außerdem soll stärker nachverdichtet werden.

An Investoren fehlt es nicht. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC halten Investoren den Berliner Immobilienmarkt immer noch für den attraktivsten in Europa. Und in Pankow ist das Geld besonders gut angelegt – sagt zumindest eine Studie der Immobilienagentur Dr. Lübke & Kelber, die regelmäßig die Ortsteile mit dem besten Risiko-Rendite-Verhältnis ermittelt. Von den ersten 20 Ortsteilen auf der Liste liegen sieben in Pankow.

Rosenthal steht auf Platz drei, gleich hinter Wilhelmsruh. Mit seinen Kopfsteinpflasterstraßen und den niedrigen Einfamilienhäusern könnte man das Viertel für idyllisch, aber etwas verschlafen halten. Die Zuzügler, die zunehmend kommen, könnten das ändern. Die Parkresidenz gegenüber dem Zions-Kirchhofs wurde vor einem Jahr fertiggestellt. Eine Ecke weiter wird schon wieder gebaut.