Eine erfolgreiche Bewerbung kann der erste Schritt ins Berufsleben sein. Lebenslauf und Anschreiben haben aber ihre Tücken.

„Bitte kein Papier mehr!“, sagt zum Beispiel Maximilian Mendius, Leiter Recruiting für die Werke Leipzig, Berlin und Eisenach bei BMW. Obwohl einige Arbeitgeber noch Papierbewerbungen akzeptieren, sind Online-Bewerbungssysteme oder eine klassische E-Mail mit Anhang fast überall Standard.

Das Herzstück jeder Bewerbung sei das Anschreiben. „Als E-Mail-Text reicht ein knackiger Zweizeiler vollkommen, sofern ein ausführliches Bewerbungsschreiben im Anhang hinzugefügt wird“, sagt Daniela Neuber, Recruiterin bei Scholz & Friends Berlin. „Das sollte kein ausformulierter Lebenslauf sein“, erklärt Julia Dade, Senior Recruiterin bei der Siemens AG, „sondern ein echtes Motivationsschreiben, in dem ich sage: Warum bin ich für die Stelle qualifiziert? Warum möchte ich dort arbeiten, mit welchen Zielen?“ Das kurz und klar auf maximal einer Seite zu formulieren ist schon schwierig genug. „Der erste Absatz ist der entscheidende, der muss einschlagen. Im besten Fall schaffen Sie es, mich zu überraschen“, hängt BMW-Recruiter Mendius die Messlatte noch etwas höher.

Den Lebenslauf mit der aktuellen Position am Anfang gliedert man chronologisch: persönliche Daten, Informationen zur Ausbildung oder zum akademischem Hintergrund, Berufserfahrung und persönliche Skills beispielsweise. „Lücken sollten sich erklären lassen“, rät Daniela Neuber. „Ein außergewöhnlicher Werdegang ist aber in der Werbebranche noch nie ein Ausschlusskriterium gewesen. Denn manchmal stecken dahinter die interessantesten Köpfe.“ Persönliche Auszeiten während oder nach dem Studium seien nicht mehr ungewöhnlich. „In letzter Zeit lesen wir in den Lebensläufen auch häufiger, dass sich die Kandidaten um die Pflege eines Familienmitglieds gekümmert haben. Das spricht durchaus für einen Bewerber und seine soziale Kompetenz.“

Weniger ist mehr

Gut überlegen sollte man sich das Aufzählen von Hobbys: „Uns interessiert natürlich auch der persönliche Background“, sagt Julia Dade. „Wichtig ist aber: Hat diese Information etwas mit der ausgeschriebenen Stelle zu tun? Dass viele von uns gerne Sport machen, kochen und Freunde treffen, sind gängige Hobbys, die schwer das tatsächliche Mindset abbilden können.“ Für Mendius sind Hobbys ein guter Einstieg bei einem Gespräch. „Es kann dann aber schon sein, dass ich Sie auch frage, was Sie zuletzt gekocht haben.“

In manchen Online-Bewerbungssystemen gibt es die Möglichkeit, statt eines Lebenslaufs das eigene Xing- oder LinkedIn-Profil hochzuladen. Das setzt voraus, dass diese Profile auf dem neuesten Stand sind und ein gutes Profilbild haben. „Wer Personaler auf seine Netzwerk-Auftritte aufmerksam macht, sollte dafür sorgen, dass sie auch mit dem eingesandten Lebenslauf übereinstimmen“, rät Mendius. Da die vom Fachkräftemangel betroffenen Unternehmen wie Siemens auch intensiv sogenanntes Active Sourcing betreiben, also proaktiv nach neuen Mitarbeitern suchen, lohnt es sich ohnehin, seine Profile in Business- und Branchen-Netzwerken gut zu pflegen.

Wissen, was drinsteht

Bewerbungsfotos sind kein Muss. Daniela Neuber freut sich aber darüber: „Sie sind ein Stück weit Ausdruck der Persönlichkeit.“ Ganz klassische Porträts mit neutralem Hintergrund erhält sie nur noch selten: „Eine Fotostudioaufnahme ist meist nicht so aussagekräftig wie ein Foto, das den Bewerber in einer alltäglichen Situation oder Stimmung einfängt.“ Bei den Anlagen wie Zeugnissen und Referenzen gilt: nicht einfach alles mitschicken, sondern auswählen. „Die Unterlagen sollen aktuell sein und thematisch passen. Arbeitszeugnisse sollten zum Beispiel auf Tätigkeiten eingehen, die für die Vakanz relevant sind“, sagt Julia Dade. Alle Unterlagen fasst man in einem PDF-Dokument zusammen – dabei die eventuell vorgegebene maximale Dateigröße beachten! Drei bis fünf Megabyte sind eine gängige Größe.

Gehaltsvorstellungen, möglicher Eintrittstermin – was in der Stellenanzeige gefordert wird, sei auch so gemeint, sagt Maximilian Mendius. „Genauso gehen wir davon aus, dass das, was Sie uns über sich und Ihre Fähigkeiten schreiben, stimmt. Wir nehmen Sie beim Wort.“ Also: Ehrlich und authentisch sein, auch bei Sprach- und IT-Kenntnissen. Natürlich dürfe man sich bei einer Bewerbung helfen lassen. „Aber spätestens beim Vorstellungstermin sollte man schon wissen, was drinsteht“, betont Mendius. Er spricht aus Erfahrung ...