Flughafen Tegel

So läuft das Pendeln im Jumbo zwischen Berlin und Frankfurt

Noch bis zum 21. Dezember fliegt die Boeing 747-400 zwischen Berlin und Frankfurt/Main. Die Morgenpost war zwölf Stunden dabei.

Kapitän Andreas Muenzenberger (l.) und Co-Pilot Markus Imlig kurz vor dem Start in Tegel

Kapitän Andreas Muenzenberger (l.) und Co-Pilot Markus Imlig kurz vor dem Start in Tegel

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

05:05 Uhr: Am schwarzen Nachthimmel über Frankfurt/Main geht es zu wie im sprichwörtlichen Taubenschlag. Aus aller Welt treffen die Langstreckenflugzeuge ein. Nahezu im Minutentakt landen sie auf dem Drehkreuz der Mainmetropole. Auch eine Boeing 747-400 der Lufthansa aus Teheran landet pünktlich um 5.25 Uhr. Geht es für die anderen Langstreckenflugzeuge der Flotte wieder in Richtung Asien und USA, werden zwei Jumbos am Vormittag auf der Strecke zwischen Frankfurt/Main und Berlin-Tegel eingesetzt. Die Abflüge sind um 6.45 Uhr und 7.15 Uhr geplant. Seit Anfang November setzt die Lufthansa nach der Insolvenz von Air Berlin wegen der großen Nachfrage nach Tickets auf dieser Kurzstrecke den Jumbojet ein. Der letzte Linienflug war für den 30. November geplant. Wie die Lufthansa am Mittwoch mitteilte, verlängert sie den Einsatz der Boeing 747 auf dieser Strecke bis zum 21. Dezember.

05:45 Uhr: Kapitän Andreas Muenzenberger, Co-Pilot Markus Imlig und die 14 Crewmitglieder treffen sich ungefähr eine Stunde 40 Minuten vor dem Start zum Crew-Briefing. Routinemäßig wird über Zeiten, Wetter, Passagieranzahl und mögliche Besonderheiten gesprochen. „Wir gehen die Flugunterlagen durch und legen die Tankmenge fest“, erklärt Muenzenberger. Weitere Details werden später im Cockpit besprochen.

06:20 Uhr: Der Jumbo für den Flug um 7.15 Uhr ist für die Passagiere noch geschlossen. Die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter kontrollieren jeden Winkel der Kabine. Auch die Ruhekojen für die Crew auf den Langstreckenflügen. „Reine Vorsichtsmaß­nahme“, sagt eine Stewardess. Zeitgleich wird in der Bordküche alles für die Bewirtung verstaut, das Flugzeug wird aufgetankt.

06:55 Uhr: Die ersten der etwa 200 Passagiere kommen an Bord. „190 plus elf“, sagt Tanja Müller zu ihrer Kollegin. 190 Passagiere in der Economy Class, elf in der Business Class. „Um in Berlin Zeit zu sparen, haben wir schon in Frankfurt für den Rückflug die Verpflegung an Bord genommen und verstaut.“

07:00 Uhr: Captain Andreas Muenzenberger verlässt für die Vorflugkontrolle das Cockpit. Das sei eine reine Sichtkontrolle, erklärt der 54-jährige Pilot. „Ich sehe mir die Triebwerke an und achte auf mögliche äußerliche Beschädigungen, beispielsweise durch Vogelschlag“, sagt er. Auch die Reifen kontrolliert er auf mögliche Schäden und auf Abnutzung. Besonderes Augenmerk gilt den außen an der Maschine angebrachten Sensoren unterhalb der Cockpitfenster. Mithilfe der Sensoren werden neben der Geschwindigkeit andere flugrelevanten Daten gemessen.

07:40 Uhr: Das Boarding ist beendet, die Passagiere sehen einen Sicherheitsfilm. Zuvor hat der Kapitän die Crew, seinen Co-Piloten und sich per Mikrofon vorgestellt. Ein Pushback-Fahrzeug schiebt die 747 zur Rollposition. „Ready for Take off“, gibt der Pilot an die Crew weiter. Wenig später gibt er Gas. Dann werden die Passagiere durch die Beschleunigung in ihre Sitze gepresst. Die Maschine hebt ab.

07:55 Uhr: Für das Kabinenpersonal beginnt jetzt die anstrengende Arbeit. In nur etwa 25 Minuten schenken sie Getränke aus und verteilen an etwa 190 Passagiere Müsliriegel. Auch in der Business Class wird das Frühstück serviert. „Viel Zeit bleibt nicht“, sagt Nicole Nia. „Vor dem Landeanflug muss auch alles wieder abgeräumt sein.“

08:15 Uhr: Nach einem „Abstecher“ auf knapp 9000 Meter Höhe mit strahlendem Sonnenschein über den Wolken, macht der Co-Pilot die ersten Landeansagen. Die 747 taucht wieder ein in die grauen Wolken.

08:30 Uhr: Nach der Landung in Tegel rollt die Maschine auf die Parkposition. „Wir sind mit 33 Tonnen Kerosin in Frankfurt gestartet“, erklärt Co-Pilot Markus Imlig kurz nach der Landung. Das reiche für den Hin- und Rückflug. „Nach unseren Berechnungen werden wir mit etwa 13 Tonnen Kerosin wieder in Frankfurt landen.“

08:45 Uhr: Während die Maschine be- und entladen wird, die Passagiere mit Bussen abgeholt werden, macht Muenzenberger wieder eine Vorflugkontrolle für den Rückflug. An Bord reinigen Mitarbeiter einer Putzfirma die Kabine. In etwa 15 Minuten kommen die neuen Fluggäste an Bord. Auch die Stewardessen haben alle Hände voll zu tun. Sie kontrollieren die Kabine, schaffen Ordnung in den Bordküchen und verabschieden noch Passagiere.

09:10 Uhr: Kapitän und Co-Pilot werfen einen Blick auf das Wetterradar für den Rückflug. Die Kurzstrecke sei eine schöne Abwechslung, wenn man immer Langstrecke fliegen würde, sagt Imlig. Zudem gebe es keine Zeitverschiebung.

09:20 Uhr: Die Maschine ist startklar für den Rückflug nach Frankfurt. Wieder sind etwas mehr als 200 Fluggäste an Bord. Für die Stewardessen beginnt der Wettlauf mit der Zeit, damit alle Wünsche erfüllt werden. Es ist eine anstrengende Arbeit.

09:45 Uhr: Die Flugbegleiterinnen Nicole Nia und Tanja Müller bereiten alles für den Service in der Business-Klasse vor. Bei knapp 900 Kilometern in der Stunde servieren sie das Frühstück.

10:25 Uhr: Die Maschine landet nach einer Nettoflugzeit von 45 Minuten wieder in Frankfurt. Nach diesem Berlin-Flug wird sie gegen Mittag mit einer anderer Besatzung nach Dubai fliegen.

11:30 Uhr: Wieder ist ein Jumbo der Lufthansa in Tegel gelandet und muss abgefertigt werden. „Es ist eine Herausforderung, diese Maschine innerhalb von 50 Minuten zu unseren Qualitätsstandards abzufertigen“, sagt Operationsmanager Alisan Elis.

18:00 Uhr: Auf dem Rückflug nach Frankfurt erzählt die zweite Purserette, die Vorgesetzte der Bordcrew, dass für sie Kurzstrecken völlig ungewohnt seien. „Ich sehe schon laufend auf die Uhr“, sagt Christine Herfurth. „Auf der Langstrecke haben wir viel mehr Zeit für die Aufgaben und die Passagiere.“ Insgesamt sind an diesem Tag drei Jumbos die acht Verbindungen zwischen Berlin und Frankfurt geflogen. Sie kamen aus Teheran, Seoul und Dubai und sind nach ihren Abstechern nach Berlin nach Dubai, Denver und Rio de Janeiro unterwegs. Für die Purserette geht es in wenigen Tagen nach Nigeria.

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