Eine berühmte Persönlichkeit, eine Gedenktafel? Nein, an manche wird an mehreren Orten erinnert. Wie an den Dichter und Essayisten Gottfried Benn (1886–1956). Eine Gedenktafel befindet sich am Gebäude des Pathologischen Instituts der DRK Kliniken Berlin Westend. Sie wurde 2006 anlässlich eines Symposiums zum 120. Geburtstag und 50. Todestages von Benn enthüllt. Denn Gottfried Benn war nicht nur Schriftsteller sondern auch Arzt. Vor dem Beginn seines Medizinstudiums in Berlin hatte der Sohn eines lutherischen Pfarrers zudem zwei Jahre Theologie und Philosophie in Marburg studiert. Nach dem Studium arbeitete er beim Militär, musste dort aber aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Stattdessen verdiente er sich seine Miete als Pathologe und Serologe an Berliner Krankenhäusern, so 1912/13 am Pathologischen Institut des Krankenhauses Westend. Diese Arbeit fließt auch in seine ersten Gedichte ein. 1912 erregte er mit seinem Gedichtband „Morgue“ in avantgardistischen Kreisen großes Aufsehen. Er provozierte durch die Darstellung der Banalität der menschlichen Existenz und des körperlichen Verfalls und ging artistisch mit der Sprache um. Nach dem Ersten Weltkrieg, in dem er als Arzt im besetzten Brüssel arbeitete, ließ er sich 1919 als Dermatologe und Venerologe in Berlin nieder und veröffentliche in den folgenden Jahren zahlreiche Werke. In Schöneberg, in der Bozener Straße 20, erinnert eine weitere Gedenktafel an Benn. Dort wohnte er fast 20 Jahre, von Ende 1937 bis zu seinem Krebstod 1956. Nur ein paar Schritte von seiner Wohnung, an der Ecke Bozener Straße/Grunewaldstraße befand sich die Stammkneipe des dichtenden Arztes, das „Dramburg“. Dort schrieb er manches Kneipengedicht, das er als „Dramburggedicht“ bezeichnete. Die Kneipe gibt es nicht mehr, aber der Ort ist noch eine Gastwirtschaft, die Kiez-Restaurantkneipe Robbengatter.

bli