Berlin

Orkan „Xavier“ legt Berlin lahm

Mehrere Todesopfer in Berlin und Brandenburg. Nahverkehr eingestellt, an den Flughäfen geht lange nichts mehr

Berlin. Sturmtief „Xavier“ hat am Donnerstagnachmittag für Chaos und Todesopfer in Berlin und Brandenburg gesorgt. Eine Frau starb am Schwarzen Weg in Tegel nahe der Akademie des Auswärtigen Amtes. Sie wurde Feuerwehrangaben zufolge von einem Baum erschlagen, nachdem sie kurz zuvor aus einem Auto ausgestiegen war. Zwei weitere Insassen wurden zum Teil schwer verletzt. In Brandenburg gab es mindestens vier Todesopfer. In zwei Fällen fielen Bäume auf fahrende Autos, so das Innenministerium in Potsdam. Einmal schlug ein Ast in die Windschutzscheibe ein. Ein Mann wurde von einem Baum erschlagen, als er Äste von der Straße entfernen wollte, so die Polizei. In Berlin-Köpenick und Plänterwald wurden fünf Menschen verletzt, als Bäume auf Autos fielen.

Der Orkan legte den Verkehr in der Stadt lahm: Busse, die S-Bahn, Straßenbahnen sowie Fern- und Regionalzüge fuhren nicht mehr. Auch die Flughäfen Tegel und Schönefeld stellten vorübergehend ihren Betrieb ein.

Am Donnerstagmorgen hatte sich „Xavier“ bereits mit starkem Regen angekündigt, am Nachmittag tosten dann Windböen über Berlin hinweg. Um 16.08 Uhr rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus. „Oberste Priorität hat die Rettung von Menschenleben“, sagte eine Sprecherin. Bis 21 Uhr fuhren die Einsatzkräfte 1250 wetterbedingte Einsätze.

Die Deutsche Bahn stellte die Verbindungen von Berlin nach Hamburg und Hannover ein. Um 16.22 Uhr meldete auch die Berliner S-Bahn, dass der Verkehr eingestellt sei, zuvor waren bereits sieben Strecken wegen umgestürzter Bäume unterbrochen gewesen.

Gegen 17 Uhr wurden auch der Busverkehr der BVG sowie die oberirdischen U-Bahnlinien gestoppt. Viele Busse seien beschädigt worden, Strecken waren durch umgestürzte Bäume nicht mehr befahrbar, teilte eine Sprecherin mit. Auch am Freitagmorgen könnte es auf einzelnen Linien noch zu Behinderungen kommen, so die BVG. Auch der Autoverkehr war betroffen: So wurde die Avus stadtauswärts teilweise gesperrt. Am Kurfürstendamm wurde der Verkehr wegen umgestürzter Bäume umgeleitet.

Laut Deutschem Wetterdienst schickte „Xavier“ zum Teil schwere Sturmböen mit Windgeschwindigkeiten von 90 bis 100 Stundenkilometern durch Berlin. In Wannsee wurden orkanartige Böen mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 130 km/h gemessen.

Wegen des Unwetters blieb die Internationale Gartenausstellung (IGA) in Marzahn geschlossen. Zoo und Tierpark machten um 14 Uhr zu. Vorsichtsmaßnahmen ergriff auch der Bezirk Mitte, der Eltern von Grundschülern aufrief, ihre Kinder bereits um 14 Uhr aus der Hortbetreuung abzuholen. Beate Stoffers, Sprecherin der Bildungsverwaltung, hatte zuvor mitgeteilt: „Bei extremen Wetterlagen soll der Unterricht in einer Art und Weise durchgeführt werden, die den Witterungsverhältnissen angepasst ist.“

„Xavier“ hatte bereits am Donnerstagmittag über dem Norden Deutschlands gewütet. In Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kamen zwei Menschen ums Leben. Laut Hamburger Feuerwehr sei ein Baum auf das Auto des Opfers im Stadtteil Horn gefallen. Im Landkreis Ludwigslust-Parchim wurde ein Lkw-Fahrer von einem Baum erschlagen. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.Seiten 10 und 11

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