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Wo Preußen selbst im Grünen glänzt

Vom Hauptbahnhof in Potsdam durch die Stadt und die Parkanlagen von Schloss Sanssouci

Unser Ausflug ließe sich auf eine Woche verteilen, jeden Tag in den Park Sanssouci fahren, ein anderes Schloss ansehen. Aber wir lassen die Welterbe-Schlösser bis auf zwei links oder rechts liegen und genießen die einzigartige Parklandschaft, die seit 1990 auch zum Unesco-Welterbe zählt.

Den Hauptbahnhof Potsdam erreichen wir mit der S-Bahn. Als Erstes überqueren wir die Lange Brücke über die Havel, Freundschaftsinsel und Alte Fahrt. Kurz hinter der Brücke folgen wir rechts am Alten Markt und Landtag der Friedrich-Ebert-Straße mit Blick auf die kupfergrün leuchtende Kuppel der Nikolaikirche bis zur Yorckstraße. An der biegen wir links ab und folgen dem Kanal bis zur Dortustraße. Ihr folgen wir rechts bis zur Fußgängerzone Brandenburger Straße, die uns zum Potsdamer Brandenburger Tor führt. 1770/71 gestaltete Carl von Gontard die Stadtseite des Tors in der Stadtmauer. Richtung Westen blicken wir durch die drei Torbögen auf eine Fontäne am Luisenplatz. Die Sichtbeziehungen sind immer wieder Thema unseres Ausflugs. Durch das Tor queren wir die Straße und halb rechts den Luisenplatz. Nun nehmen wir die kleine Straße Allee nach Sanssouci mit vielen Cafés, Bistros und Restaurants. Sie mündet in die kopfsteinerne Straße Am Grünen Gitter. Am Ende leuchtet das namensgebende Grüne Gitter, hinter dem der rund 290 Hektar große Park Sanssouci beginnt. Mehr als zwei Kilometer dehnt er sich in Ost-West-Richtung aus, gepflegt von etwa 60 Gärtnerinnen und Gärtnern der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg. Die würde gerne zwei Euro Eintritt nehmen, dieses Jahr soll eine Entscheidung fallen.

Wir betreten den Ökonomieweg und gehen gleich rechts in den wunderschön angelegten Marlygarten hinter dem Kreuzgang der Friedenskirche, in deren Gruft Hohenzollernherrscher Friedrich Wilhelm IV. und seine Gemahlin Elisabeth Ludovika von Bayern ruhen. Der Marlygarten zählt zu den ersten Anlagen des Ensembles. Bereits 1715 wurde er vom „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. als Küchengarten angelegt. Von diesem Garten aus soll sein Sohn, Friedrich II., den Ort für sein Schloss Sanssouci erstmals ins Auge gefasst haben. Als er nach seiner Thronbesteigung 1745 mit dem Bau der Weinbergterrassen und dem kleinen Rokoko-Schloss „ohne Sorgen“ begann, wuchs der Park um weitere Parterre genannte Prunkbeete und einen Hauptweg. An dessen Ende entstand nach dem Siebenjährigen Krieg 1763 bis 1769 das Neue Palais mit über 200 Zimmern und Sälen. Wir folgen dem Weg aus dem Marlygarten halb links. Vorbei an Wasserläufen gelangen wir zum Chinesischen Haus. Neun Jahre dauerte die Fertigstellung des Rundbaus mit vergoldeten Figuren Mitte des 18. Jahrhunderts.

Von hier kehren wir halb links auf den geteerten Ökonomieweg zurück. An seinem Ende geht es erst links und dann rechts durch einen Torbogen der Alten Meierei Richtung Römische Bäder. Dieses Ensemble ließ Friedrich Wilhelm IV. noch als Kronprinz im Stile italienischer Architektur mit antik-römischen Räumen gestalten, die allerdings niemals als Bäder genutzt wurden. Von hier gelangen wir am großen Wasserreservoir zu dem klassizistischen Kleinod des Baukünstlers Karl Friedrich Schinkel (siehe Tipp). Friedrich Wilhelm III. schenkte es seinem Sohn 1825. Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné wurde mit der Planung des 65 Hektar großen Parks um das kleine Schloss beauftragt. Lenné ließ die teilweise sumpfige Landschaft trockenlegen, schuf eine hügelige Parklandschaft, die bis heute verzaubert.

Vorbei an Fontänen zum Orangerieschloss

Von einer riesigen Platane neben dem Schloss geht es zum Neuen Palais. Das passieren wir und nehmen kurz vor dem nördlichen Ende des Parks einen Weg rechts durch hohe Buchen und Eichen, vorbei an kleinen Fontänen und Steinskulpturen zum Orangerieschloss. In ihm überwintern die Kübelpflanzen des Parks. Ein Stück weiter leuchtet die kürbisorangefarbene Fassade des Schlossbaus Neue Kammern. Danach passieren wir das Prunkstück preußischer Architektur, Friedrichs II. geliebten Zufluchtsort, Schloss Sanssouci. Ohne Sorgen wollte der Monarch hier in der Rokoko-Architektur Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff seine Zeit verbringen. Wir verweilen an der Grabstätte des „Alten Fritz“ rechts vor dem Schloss und gehen zur Straße. Dort fährt der Bus 695 zum Hauptbahnhof Potsdam.