Berlin

Bessere Anbindung für Pendler

Berlin und Brandenburg wollen Vereinbarung für den Ausbau der Schieneninfrastruktur unterzeichnen

Berlin.  Berlin und Brandenburg wollen ihre Schieneninfrastruktur gemeinsam ausbauen. Mit der Deutschen Bahn und dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) soll im Herbst eine Rahmenvereinbarung über eine Ausweitung der Verbindungen zwischen beiden Ländern geschlossen werden. Nach Morgenpost-Informationen geht es um insgesamt sieben Projekte. Das Ziel: Über den Ausbau von S-Bahn- und Regionalbahnstrecken Berlin und die Umlandgemeinden Brandenburgs besser vernetzen und Pendler entlasten.

Ganz oben auf der Liste steht dabei die Verlängerung der S-Bahn von Spandau über Falkensee bis nach Nauen. Hatte Brandenburg hier in der Vergangenheit ein drittes Gleis für die Regionalbahn gefordert, richtet man sich inzwischen nach der Prognose, wonach die S-Bahn mehr Fahrgäste anlocken würde. Geschätzte Kosten: 250 Millionen Euro. Ebenfalls favorisiert wird die Reaktivierung der sogenannten Stammbahn-Trasse zwischen Berlin und Potsdam, der ersten Eisenbahnverbindung überhaupt, die seit Ende des zweiten Weltkriegs unterbrochen ist. Die Verbindung, so Experten, würde die Berliner Stadtbahn sowie die stark beanspruchte Linie RE1 entlasten – hier soll es erst ab 2022 mehr Fahrten geben. Ebenfalls im Südwesten geplant ist ein Ausbau des bislang eingleisigen Abschnitts zwischen den Bahnhöfen Wannsee und Griebnitzsee.

Studie: Verbindungen ins Umland überlastet

Ausgebaut werden soll auch die ­Dres­dner Bahn – von Blankenfelde bis nach Rangsdorf, wofür ein zweites S-Bahngleis zwischen Blankenfelde und Lichten­rade nötig wäre. Dazu steht der Wiederaufbau der Strecke von Hennigsdorf nach Velten sowie die Reaktivierung der "Heidekrautbahn" von Basdorf/Schönwalde in Barnim über Schildow nach Berlin-Wilhelmsruh zur Diskussion. Sie würde dann weiter bis Gesundbrunnen führen. Gerechnet wird hier mit 3000 zusätzlichen Fahrgästen pro Tag. Ferner soll der Knotenpunkt Bahnhof Königs Wusterhausen ausgebaut werden. Regional-, Fern- und Güterverkehr werden dort bislang auf einem Gleis abgewickelt.

Die Vorhaben basieren auf einer Korridoruntersuchung, die der VBB vergangenes Jahr in Auftrag gab. Das Ergebnis der Studie: Fast überall sind die Verbindungen ins Berliner Umland überlastet. Vor dem Hintergrund der wachsenden Stadt und steigender Mieten, die immer mehr Menschen nach Brandenburg treiben, wird eine bessere Anbindung des Berliner Umlands an die Stadt schon seit Jahren gefordert. Täglich pendeln 270.000 Menschen von und nach Berlin. 2016 stieg die Zahl der Fahrgäste in den Regionalzügen um mehr als fünf Prozent auf 81,5 Millionen. Doch die Wagen im Berufsverkehr sind oft überfüllt, viele Fahrgäste müssen sich mit einem Stehplatz begnügen. Fahrten fallen aus oder sind zu spät, weil Abschnitte nur eingleisig befahrbar sind. Und in den Außenbezirken ärgern sich Anwohner, wenn Pendler ihre Straßen zuparken, um so spät wie möglich in die S-Bahn zu steigen.

Doch bislang liefen die Bemühungen größtenteils ins Leere. Verhandlungen mit der Bahn führten die Länder getrennt voneinander. Besonders Brandenburg, so die häufige Schelte aus Berlin, habe es versäumt, zu handeln. In der Senatsverkehrsverwaltung ist man nun optimistischer. "Koordinierter und konzentrierter" werden die gemeinsamen Projekte ablaufen, so die Hoffnung. Planung und Ausführung soll die Bahn, die Koordination der VBB übernehmen.

Auf bis zu 800 Millionen Euro werden die Kosten für alle Vorhaben geschätzt. Geld, das Berlin und Brandenburg nicht allein aufbringen können, weshalb Mittel aus den verschiedenen Töpfen des Bundes nötig sind. Die reichen laut dem Verband der Verkehrsunternehmen aber nicht aus, um alle Projekte in Deutschland zu finanzieren. Das Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz sei bereits zwanzigfach überzeichnet, auch die Regionalisierungsmittel, die mit mehr als acht Milliarden Euro den größten Teil ausmachen, seien immer schnell verplant.

Die Bahn sorgt sich jedoch weniger um die Finanzen als um die Planung. Die werde eine extreme Herausforderung, auch weil entsprechendes Personal knapp sei, heißt es. Dazu kommen aufwendige Anforderungen bei Natur- und Lärmschutz. Mindestens zehn Jahre, so ist in Bahn-Kreisen zu hören, wird es dauern, bis die erste neue Strecke ihren Betrieb aufnimmt. Seite 2

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