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Zukunft mit Ausblick: Warum ein Ufo am Ufer der Spree gelandet ist

Ein Ufo am Ufer der Spree, neben dem Funkhaus Nalepastraße. Großer Gott, wie ist das denn dort gelandet? Cora Geißler sagt, sie wisse nicht, wie oft sie diese Fragen schon beantwortet hat. Geißler ist 38, eine Frau, die es gewohnt ist, Nägel mit Köpfen zu machen. Die fliegende Untertasse auf Stelzen ist ihre Datsche. An schönen Tagen rudert sie von Oberschöneweide mit dem Boot herüber, um dort ihre Wochenenden zu verbringen. „Hart chillen“, so nennt es ihre siebenjährige Tochter.

Jetzt aber steht Geißler in Flipflops und Sommerkleid in der Küche und tauscht den Durchlauferhitzer aus. Nein, sagt sie, im All kenne sie sich nicht so aus. „Star Wars“. Die „Enterprise“. „Raumpatrouille Orion“. Nicht ihre Welt. Geißler ist bodenständig.

Anders ist nicht zu erklären, warum das Ufo hier steht und nicht dort, wo sie, die Filmausstatterin, es vor 17 Jahren zufällig entdeckt hat, im Spreepark gegenüber. So hieß der einzige Vergnügungspark der DDR. Sie sagt, bis zur Wende habe ein DJ in dem Ufo gesessen. Er beschallte den Park mit Musik und rief verloren gegangene Kinder aus. Im Jahr 2000 fand sie es auf dem Schrottplatz des Parks, von Moos überwuchert. Geißler sagt, sie habe keine Ahnung gehabt, was für einen Schatz sie da geborgen hatte. „Aber ich hatte gleich das Gefühl, es muss gerettet werden.“

Es, das ist das Futuro 13. Ein mobiles Heim mit 16 ovalen Fenstern und 50 Quadratmeter Wohnfläche. Der finnische Architekt Matti Suuronen hat es 1965 gebaut. Es ließ sich schnell beheizen und per Hubschrauber auch in unwegsames Gebirge transportierten. Geißler sagt, damit habe Suuronen die Architektur revolutionieren wollen. Stylisch wohnen an jedem Ort der Welt. Doch die Ölkrise von 1972 machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Der Preis für Kunststoff hatte sich verdreifacht. Die Produktion wurde eingestellt. Von 22 Ufos sind heute nur noch vierzehn erhalten. Sie sind verstreut auf der ganzen Welt, als Stripclub im US-Bundesstaat Florida oder als Pinguin-Station in der Antarktis. Einige hat Geißler schon besucht. Ihre Augen glänzen. Sie sagt, sie drehe einen Dokumentarfilm über die Häuser.

Das Futuro 13 steht jetzt dort, wo man es am wenigsten erwartet. Ein Zufall, sagt Geißler. Ihr Ufo wiegt 4,5 Tonnen. Es war zu schwer, um es mit dem Hubschrauber zu transportieren. Mit einem Durchmesser von acht Metern passte es auch nicht durchs Tor. Blieb nur der Kran. Er hievte das Ufo auf einen Ponton, und auf dem Ponton schwamm es die Spree herunter.

Wie viel sie dafür bezahlt hat? Geißler schweigt. Sie sagt, zwei Jahre habe sie dafür gespart. Sponsoren fand sie keine. Dafür aber Architekten von der Pinakothek München. Sie halfen ihr, das Ufo zu restaurieren. Heute teilt sie es sich mit Filmemachern und Künstlern. Das ZDF hat in dem Design-Klassiker die Kinderserie „Terra Max“ gedreht. Das Ufo ist Studio und Besprechungsraum. Es hält aber auch als Location für Mode-Shootings und Hochzeiten her. Und eben als Datsche. Geißler fläzt sich auf einem der blauen Polster, die noch zur Originalausstattung gehören. Ihr Blick fällt auf die Spree. Sonnenstrahlen tanzen übers Wasser. Die Lichtreflexionen spiegeln sich in der Kuppel des Ufos. Geißler sagt, hier oben könne sie wunderbar arbeiten. „Es ist wie auf einem Boot.“

Gruppen können das Ufo für Besichtigungen buchen. Anfragen an cora@futuro13.de