Der 24. September 2017 stellt die Stadt vor eine besondere Herausforderung. In zwölf Wochen findet die Wahl zum 19. Deutschen Bundestag, der 44. BMW Berlin-Marathon, und der Volksentscheid über den Weiterbetrieb des Flughafens Tegel „Otto Lilienthal“ statt. Nach Schätzungen der Senatsverwaltung für Inneres und Sport werden ungefähr 21.000 ehrenamtliche Wahlhelfer für den Einsatz in den Wahllokalen und den Briefwahllokalen benötigt. Neben den zusätzlich benötigten Wahlhelfern für den Volksentscheid werden zeitgleich mehr als 6000 Ehrenamtliche zur Unterstützung des Berlin-Marathons benötigt.
„Wahlen als Selbstorganisationsakt des Volkes und ihre ordnungsgemäße Durchführung leben auch vom ehrenamtlichen Engagement aller Wahlberechtigten“, sagte Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD). „Ich appelliere deshalb an die Bürgerinnen und Bürger, sich für ein solches Ehrenamt an diesem Tag zu melden und auf diese Weise zum Gelingen der Wahl beizutragen.“ Der Senat hat auch die Bundesregierung um Hilfe gebeten. Sie möge bitte bei den Bediensteten der in Berlin ansässigen Dienststellen des Bundes dafür werben, sich als Wahlhelferinnen oder Wahlhelfer am 24. September dieses Jahres zur Verfügung zu stellen.
Bereits Anfang April dieses Jahres hatte der Berliner Fußball-Verband (BFV) einen Brief aus Geisels Behörde bekommen. Darin bat Staatssekretär Christian Gaebler (SPD) zu prüfen, ob das fragliche Wochenende spielfrei sein könne. Um weniger Verkehr in der Stadt zu haben, immerhin finden pro Wochenende rund 1500 Fußballspiele unter dem Dach des BFV statt. Und besonders, weil Berlin ungefähr 21.000 Wahlhelfer braucht sowie beim Marathon mehrere Tausend Volunteers benötigt werden.
Spieler, Schiedsrichter, Betreuer, Trainer, Zuschauer, Eltern der Jugendkicker, da kommt eine nicht eben kleine Zahl an Personen zusammen, die sich häufig ehrenamtlich engagiert und diese Aufgaben theoretisch übernehmen könnte. „Wir standen dem Wunsch des Senats sehr wohlwollend gegenüber und haben ihn in den Ausschüssen ausgiebig geprüft“, sagte Kevin Langner, Geschäftsführer des BFV. In der vergangenen Woche erfolgte die schriftliche Antwort, die der Morgenpost vorliegt. Darin schreiben Langner und BFV-Präsident Bernd Schultz, dass sie „dem Wunsch nicht in vollem Umfang entsprechen können“. Im Klartext: Lediglich die knapp 60 Frauenspiele und einzelne Partien im Freizeit- und Betriebssport werden nicht ausgetragen. Der große Rest wird angepfiffen. Einen Spieltag im September weglassen und später nachholen, sei bei Weitem nicht so leicht, hieß es.
Im Nachwuchs beginnt die Saison spät, weil in Berlin bis 1. September Sommerferien sind. Jugendspiele, vor allem bei den Jüngsten, können schlecht unter der Woche laufen. Also wäre nur eine komplette Verlegung auf ein Wochenende 2018 geblieben. Das gab es bereits in der Vergangenheit. „Ein ungeplantes spielfreies Wochenende bringt uns an organisatorische Grenzen“, heißt es im BFV-Schreiben.
Der Verband ist jedoch offen für Verlegungswünsche der Vereine in der Stadt und hat ferner die Spielleiter des Nordostdeutschen Fußballverbandes (NOFV) auf die „besondere Situation Berlins am Wahlsonntag“ hingewiesen. Damit will der BFV einen „hoffentlich guten Beitrag für ein gelingendes Wahl- und Marathon-Wochenende“ leisten.
Über die Marathon-Strecke zum Wahllokal
Seit Anfang des Jahres planen der SCC Events, die Wahlämter der Bezirke, die Senatsinnen- und Senatssportverwaltung, Polizei, Feuerwehr und die Verkehrslenkung für den reibungslosen Ablauf am Wahl-Marathon-Sonntag. Eine Herkulesaufgabe, denn neben den mehr als 40.000 Sportlern die an den Start gehen gilt es, dass alle Wahlberechtigten ungehindert ihr Wahllokal erreichen und ihr Kreuz auf dem Wahlzettel machen können. Seite 11

