Innerstädtische Brachflächen und einstige Industrieanlagen am Ufer der Spree in Friedrichshain

Stralaus neue Strahlkraft

TOBIAS VON HEYMANN

Noch vor wenigen Jahren prägten aufgegebene Industriegelände und Brachflächen ganze Areale auf der Halbinsel Stralau. Doch längst hat sich die Landzunge in Friedrichshain zu einem äußerst beliebtem Wohngebiet entwickelt. Auf etwas über einen Quadratkilometer Fläche finden sich heute neben umgewandelten Bauten voller Architekturgeschichte zahlreiche anspruchsvolle und durchaus sehenswerte Neubauten. Noch in diesem Jahr wird eine Reihe weiterer Bauprojekte abgeschlossen, und in absehbarer Zeit verschwinden die letzten verbliebenen Brachflächen.

Derzeit haben Bauleute in der ehemaligen Stralauer Glasfabrik noch alle Hände voll zu tun, den einstigen Industriebau von 1890 in ein aufwendiges Wohngebäude zu verwandeln. Jede der zwei Dutzend Wohneinheiten sowie ein Gewerberaum sind Unikate: Bleibt an einer Stelle das alte Mauerwerk offen sichtbar, verschwindet es an anderer Stelle unter neuem Putz oder einer Dämmschicht. Wieder woanders werden Zimmerwände gänzlich neu hochgezogen, Treppen eingebaut oder letzte Arbeiten an der unterschiedlich gut erhaltenen Fassade erledigt. „Ende 2017 soll der Umbau komplett abgeschlossen sein“, sagt Architektin Anita Eyrich vom Büro Eyrich-Hertweck.

Dem Baubeginn im Januar 2015 war ein aufwendiges Feilen an den Entwürfen für das Projekt der Baugruppe vorausgegangen – und auch der Denkmalschutz war in die Pläne eingebunden. „Eine besondere Herausforderung war, so wenig wie möglich in die erhaltene Bausubstanz einzugreifen“, sagt Eyrich. Gleichzeitig sollte aber auch etwas Neues entstehen, das den individuellen Wünschen der neuen Bewohner entspricht. So war das Erdgeschoss der „Glashütte“ ursprünglich komplett offen, und durch die Mitte des Baus konnten sogar Züge fahren. Reste der Schienen sind bis heute erhalten und sollen künftig teilweise freigelegt und sichtbar sein.

Derzeit wird dieser Erdgeschossbereich für die künftigen Nutzer verglast. Eine Einheit wird dabei sogar zur Schau-Garage für Oldtimer, die ein Privatsammler dort abstellen möchte. Gleichzeitig kann er von seinem kleinen Autosalon aus seine darüberliegende Wohnung direkt erreichen. „In dem Salon fanden bereits einige kleine Konzerte statt, die Akustik war beeindruckend“, berichtet Eyrich. Auch das Dach der Glashütte haben die Architekten stellenweise um eine Etage aufgestockt – sowie zwei seitlich aus dem Industriebau ragende Brücken als Wintergarten oder Eingang für die Wohnungen umgebaut. Alte Ziegel des historischen Baus wurden zum Füllen von Löchern in der Fassade recycelt. Und auch an die Natur denken die Planer: 28 Nischen im Mauerwerk sollen Spatzen als Nistplatz dienen.

Zur Baugruppe des Glashütte-Projekts gehört auch ein kompletter Neubau in der Nachbarschaft, in dem 19 Wohneinheiten entstehen. Und auch die Brachflächen, die den historischen Industriebau noch umgeben, werden bald Vergangenheit sein. Weitere Wohnhäuser sowie ein Supermarkt sollen das Umfeld komplettieren.

Ebenfalls fast oder schon fertig sind in unmittelbarer Nähe zur Glashütte die neun Wohnhäuser des „Heritage Garden“ am Dora-Benjamin-Park. „Der erste Spatenstich für das Projekt war bereits im Mai 2013“, sagt Alexander Kästner, Sprecher der Sanus AG, die das Ensemble als Bauträger verwirklicht. „Noch in diesem Jahr soll alles fertig sein.“ Schon jetzt sind bis auf ein knappes Dutzend sämtliche der insgesamt 107 Eigentumswohnungen des „Heritage Garden“ verkauft. Die fünf Mehrfamilienhäuser mit ihren knapp
80 Wohnungen stehen in zweiter und dritter Reihe zum Wasser. Für die künftigen Bewohner der vier Seevillen im Bauhaus-Stil öffnet sich jedoch ein unverstellter Blick über die Spree hinweg in Richtung Treptower Park und Bootsanlegestellen. Etwa 100 bis 170 Quadratmeter groß sind die Apartments – und kosten bis zu 6500 Euro je Quadratmeter.

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