Berlin

Einheitsdenkmal in Berlins Mitte kommt nun doch

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Joachim Fahrun

Fraktionsspitzen von Union und SPD kippen überraschend Beschlüsse des Haushaltsausschusses. Die riesige Waage soll 15 Millionen Euro kosten

Berlin. Das Freiheits- und Einheitsdenkmal soll nun doch in der bisher geplanten Form vor der Hauptfassade des Humboldt Forums in Berlins Mitte gebaut werden. Der Entwurf „Menschen in Bewegung“, der an eine überdimensionale Waage erinnert, soll neben dem Schloss-Neubau entstehen. Darauf haben sich am Dienstag die Vorstände der Koalitionsfraktionen von Union und SPD im Bundestag verständigt. Die Koalition korrigiert damit einen Beschluss des Haushaltsausschusses. Dieser hatte zunächst die Mittel für das seit 17 Jahren diskutierte Vorhaben wegen angeblicher Steigerungen der Kosten von zehn auf 15 Millionen Euro gestrichen und später 18,5 Millionen für den Wiederaufbau der historischen Kolonnaden bewilligt.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hatte sich in der Folge dafür ausgesprochen, das gesamte Verfahren neu aufzurollen. Nun kommt es anders. Insider führen das auf das Wirken von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) und seinem Vorgänger Wolfgang Thierse (SPD) zurück, die sich für das Denkmal starkmachen. Unionsfraktionsvize Michael Kretschmer und der kulturpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Marco Wanderwitz (beide CDU), erklärten am Dienstag: „Das Freiheits- und Einheitsdenkmal in Berlin kommt so, wie vom Deutschen Bundestag 2007 und 2008 beschlossen.“ SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann sagte: „Wir wollen, dass der Entwurf ,Menschen in Bewegung‘ Wirklichkeit wird neben dem Schloss in Berlin am vorgesehenen Platz.“ Die Baugenehmigung sei erteilt, nun müsse die Finanzierung freigegeben werden. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) verteidigte jedoch auch die Zwangspause. Wenn die Kosten derart stiegen, müsse man wohl fragen dürfen, was dort schiefgelaufen sei, sagte Kauder.

Der Stuttgarter Architekt Johannes Milla zeigte sich erfreut. Sein Büro hat die Waage entworfen und sich damit in zwei Wettbewerbsverfahren gegen mehrere Hundert Mitbewerber durchgesetzt. „Das glücklichste Ereignis der deutschen Geschichte hat ein Denkmal verdient“, sagte Milla. Der Entwurf basiere darauf, dass Menschen sich miteinander verständigen, um die Waage in die eine oder andere Richtung zu senken. „Dass Menschen miteinander reden, das ist heutzutage notwendiger denn je“, so der Planer.

Der Berliner CDU-Bundestags­abgeordnete Kai Wegner sagte, er erwarte, dass auch der Senat das Vorhaben mit vorantreibe, damit es bis zum 30. Jahrestag der Wiedervereinigung 2020 fertig werde. Senatssprecherin Claudia Sünder bezeichnete ein „Denkmal für Einheit und Freiheit als gut und richtig“. Ein langer und nicht immer gradliniger Prozess habe einen wichtigen Meilenstein erreicht. „Möge es die Berlinerinnen und Berliner und die Gäste der Stadt nach der Fertigstellung zum Nachdenken anregen, aber auch Mut und Zuversicht geben.“ Seite 2