So weiß wie Schnee, so rot wie Blut und so schwarz wie Ebenholz mit gerüschtem Kleidchen war gestern. Heute kommt Märchen-Ikone Schneewittchen im androgynen Krimi-Look daher. Trenchcoat, Krawatte, flache Treter, beige und grau. Nur scheintot ist sie auch in postfaktischen Zeiten irgendwann. Aber wirklich aufgrund des unstillbaren Neides der bösen königlichen Stiefmutter, die ihr einen vergifteten Apfel angeboten hat? Oder war da noch jemand von Mordlust getrieben?

In den beiden Märchenhütten auf dem Bunkerdach im Monbijoupark hat der Klassiker der Brüder Grimm von Regisseur Maurici Farré ein markantes Lifting bekommen. „Das Schneewittchen“ ist ein Mix aus Krimi und Märchen. Ein toller Twist, aus dem viel humoriges Kapital geschlagen wird. Wie weiland in der legendären TV-Serie „Derrick“ ermitteln die Kommissare Stefan D. und Harry Klein im Fall „Schneewittchen“. Natürlich fällt auch der berühmte Satz: „Harry, fahr schon mal den Wagen vor!“

Franziska Hayner als Schneewittchen, dazu ein Kollege oder eine Kollegin aus dem Märchenhütten-Ensemble, mehr braucht es nicht, um die aberwitzige Geschichte zu entspinnen. Mittlerweile haben die 13 Märchen alle einen neuen Dreh und damit auch neue Texte bekommen. Das macht die Inszenierungen zu einem einzigartigen Erlebnis. Immer etwas anarchisch und sehr witzig, werden pro Block zwei Märchen à 30 Minuten gespielt. Tagsüber die entschärften Kinderversionen, abends mit derb-frivolem Humor. „Rotkäppchen“ und „Hase und Igel“ werden auch in englischer Sprache angeboten, was den Märchen einen weiteren Kick verleiht. Mit Lagerfeuer-Romantik vor und kuscheliger Atmosphäre in den urigen Holzhütten gibt es obendrein ein waschechtes winterliches Märchen-Feeling.

Märchenhütten auf dem Bunkerdach, Monbijoupark, Mitte, Tel. 288 86 69 99, Vorstellungen bis 26.2. für Kinder tägl. 9.30-16 Uhr, Tickets ab 3 Euro, für Erwachsene tägl. ab 17 Uhr, Erwachsene 14 Euro.

boro