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So frech können Märchen sein

In der Dämmerung wirken die 200 Jahre alten Märchenhütten auf dem Bunkerdach am Monbijoupark wie aus der Zeit gefallen. Zwischen ihnen brennt ein fröhliches Feuer, an dem man sich wärmen kann. In den Holzhütten selbst ist es proppevoll. Der Duft von Glühwein und Zimt liegt in der Luft. Ein lauschiger Ort, um stimmungsvolle Märchen zu erleben. Die kommen allerdings ganz anders daher, als man sie aus Kindheitstagen kennt. Hier ist das "Rotkäppchen" kein sittsam-braves Mädchen, sondern eine selbstbewusste, sexy Frau. Die stürzt den Wolf in echte Selbstzweifel. Sein Macho-Image kann der Bösewicht danach erst mal vergessen. Auch "Hans im Glück" schleppt hier keinen Goldklumpen durch die Gegend. Ihm sind handliche Aktien lieber.

Regisseur Darijan Mihaljovic lässt seine Akteure quer durch die Hütte toben. Sehr zur Freude des Publikums. Für den modernen Twist der altehrwürdigen Märchen sorgt Dramaturg Maurici Farrè. Gespielt werden zwei Stück pro Block. Abends sind die Inszenierung rau und frivol, garantiert nur für Erwachsene. So ist "Kaiser Trojan" reichlich brutal, der "Gevatter Tod" ein Schauermärchen. Nur eine von vier neuen Produktionen, die in dieser Saison gestartet sind. Wie "Die Bremer Stadtmusikanten", "Schneewittchen" und "Der Gestiefelte Kater". Der ist ein cooler Typ, der den bösen Zauberer fintenreich ausknockt.

Nachmittags gibt es kindgerechte Versionen. So wird Hans Christian Andersens tragikomische Geschichte vom "Tannenbaum" sehr heutig und doch weihnachtlich erzählt. Die kleine Konifere will unbedingt Action-Baum werden, endet aber abgeholzt als Weihnachtsbaum auf dem Müll. Gut nur, dass viele Kinderhände dem Baum doch noch mit bunten Kugeln und Lametta zu einem Happyend verhelfen.

Märchenhütte Bunkerdach, Monbijoupark, Monbijoustr. 3b, Mitte, Tel. 288 86 69 99. Vorstellungen tägl. bis 24.2. außer 1.1., Tickets 3 bis 17 Euro, www.maerchenhuette.de

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