Das Humboldt Forum soll kostenlos für alle Besucher werden. Das fordert der Gründungsintendant des Hauses in der historischen Berliner Mitte, Neil MacGregor. „Dann wird das Humboldt Forum zur Privatsammlung aller Bürger“, sagte er bei der Vorstellung seines Konzeptes für die Sammlungen im Schlossneubau. Kulturstaatsministerin Monika Grütters begrüßte den Vorschlag. Allerdings müsse dann der Betriebskostenanteil durch den Bund erhöht werden.
Der Vorschlag ist deswegen bemerkenswert, weil die Berliner Museen um Besucher kämpfen und auf Eintrittsgelder angewiesen sind. Dem Humboldt Forum käme eine Sonderrolle zu. Grütters sagte, der Bundesfinanzminister sei informiert, der Gedanke des kostenlosen Eintritts fände „lebendigen Anklang im Kopf Schäubles“. Das Humboldt Forum sei „kein klassisches Museum“, sondern ein Bildungsort, der für alle offen sein sollte. Sie warnte aber vor einem Zweiklassensystem unter Berlins Museen, bei den meisten Häusern seien Eintrittsgelder unerlässlich. „Es stünde uns aber gut zu Gesicht“, so Grütters, „wenn wir ein solches Angebot im Humboldt Forum machen.“ MacGregor verwies auf die positiven Erfahrungen mit kostenlosen Museen etwa in London, Washington und Peking. „Wenn man möchte, dass das Humboldt Forum eine gesellschaftliche Rolle im Leben der Stadt spielt, muss man dieses Thema diskutieren. Wenn der Eintritt frei ist, kommen die Menschen wieder“, sagte er der Berliner Morgenpost. Der Museumsmann, der vom British Museum in London kommt, ist von der angelsächsischen Tradition geprägt, in der kostenloser Eintritt in Museen Alltag ist. In Berlin sind die Staatlichen Museen generell kostenpflichtig. 20 Millionen Euro erwirtschaften sie pro Jahr durch Eintrittsgelder. Nur Jugendliche unter 18 Jahren können alle Staatlichen Museen und die Landesmuseen umsonst besuchen. „In Sachen freier Eintritt wird das Humboldt Forum erst mal ein Sonderfall bleiben, weil es eben kein normales Museum ist“, sagte Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, der Berliner Morgenpost. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte, die Debatte um Eintrittspreise sei richtig, schränkte aber ein: „Freier Eintritt muss finanzierbar sein.“
Neil MacGregor stellte am Mittwoch zusammen mit seinen Mitstreitern Hermann Parzinger und Kunstwissenschaftler Horst Bredekamp das mit Spannung erwartete Konzept für das Humboldt Forum vor. Im Zentrum stand die erste Ausstellung des MacGregor-Teams mit dem Titel „Extreme! Natur und Kultur am Humboldtstrom“. Sie ist zu sehen in der Humboldt-Box gleich am Schloss nebenan. Die Schau dient als „Probebühne“ für künftige Präsentationen im Schloss und ist Auftakt zu einer Reihe von drei Ausstellungen pro Jahr.
Für den Ausstellungs- und Veranstaltungsbetrieb des Humboldt Forums stellte Grütters 9,1 Millionen Euro für 2017 in Aussicht, für den Umzug der Museen aus Dahlem sind 5,2 Millionen Euro veranschlagt.
Zudem kündigte MacGregor eine Veränderung der Bespielung des Humboldt Forums in der Beletage an. Auf den Flächen der ursprünglich geplanten Kunstbibliothek, einer Spezialbibliothek, soll eine Humboldt Akademie eingerichtet werden. Dieser Schritt sei nötig, nachdem Michael Müller (SPD) 2015 bekannt gegeben hatte, statt der Landes- und Zentralbibliothek dort eine Berlin-Schau „Welt.Stadt.Berlin“ einrichten zu wollen. Da sei eine Bibliothek nicht mehr ideal, so Parzinger. Nun gehört Berlin die ganze Beletage: Die Humboldt Akademie dient dazu, Bedeutung und Wirkung der Humboldt-Brüder und die Tradition des Sammelns und Forschens in Berlin greifbar zu machen. Die Eröffnung ist für Ende 2019 geplant. Seiten 2 und 3

