Der Verkauf der Braunkohle in der Lausitz und der schrittweise Ausstieg aus Stromnetz und Kraftwerken in Hamburg kostet in Berlin in den zentralen Servicebereichen von Vattenfall Hunderte Arbeitsplätze. Vattenfalls schwedischer Chef Magnus Hall hatte in der Morgenpost einen Stellenabbau angekündigt, aber noch keine Dimensionen genannt. Arbeitnehmervertreter rechnen aber mit 800 Jobs, die in den nächsten Monaten wegfallen werden.

Von den derzeit noch 4500 Mitarbeitern des schwedischen Konzerns in Berlin würden nach diversen Umstrukturierungen und Zusammenlegungen verschiedener Einheiten 3700 übrig bleiben, sagt Verdi-Gewerkschaftssekretär Robin Marks. Die Vattenfall-Aktivitäten konzentrieren sich künftig vor allem im Stromnetz und in der Vattenfall-Wärme, die Berlins Heizkraftwerke betreibt und große Teile der Stadt mit Fernwärme versorgt. „Unter den Kollegen geht die Angst um“, sagt ein Betriebsrat. Auch in den Kraftwerken, die derzeit für mehrere 100 Millionen Euro modernisiert werden, dürfte die Belegschaft schrumpfen. Vattenfall-Wärme-Chef Gunther Müller teilte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) Zahlen mit. Die beiden Kraftwerke in Klingenberg und in Marzahn, wo derzeit noch 225 Menschen arbeiten, werden künftig mit 170 Mitarbeitern auskommen.

Wichtiger sind aber die Outsourcing-Programme und Konzernumbauten, die das Vattenfall-Management wegen der stark reduzierten Aktivitäten in zentralen Servicebereichen vornimmt. Seinen Kundenservice mit noch 500 Mitarbeitern, davon 360 in Berlin, will Vattenfall bis 2018 komplett an externe Dienstleister vergeben, deren Mitarbeiter deutlich weniger Geld verdienen. 238 Berliner Mitarbeiter haben Ruhestandsregelungen unterschrieben, für 125 weitere Beschäftigte wird nach Lösungen gesucht.

Zudem will das Management 240 Stellen in der IT, Personalwirtschaft und im Controlling auslagern, davon 160 in Berlin. Die Dienstleister wollten zwar die Arbeit haben, aber keinesfalls die Mitarbeiter, heißt es beim Betriebsrat. Und auch die Zentrale der Vattenfall GmbH mit noch 200 Mitarbeitern wird sich wohl verkleinern. Gewerkschafter rechnen mit 50 bis 60 Stellen, die der Braunkohle zuzuordnen sind und verlegt werden. Der Vattenfall-Generalbevollmächtigte Alexander Jung sagt, es gehe darum, das Unternehmen effizienter zu machen und die restlichen Arbeitsplätze zu erhalten. Bisher verläuft der Personalabbau sozial verträglich, aber die Kündigungsschutzvereinbarung endet im Februar 2017, der Vertrag müsste im August gekündigt werden.

In der Berliner Landespolitik blickt man mit Sorge auf die Entwicklung bei dem Energieversorger, der sich auch gegen den landeseigenen Betrieb Berlin Energie um die Konzession für das Stromnetz bewirbt. Die Linke warnt vor einem Verlust der energiewirtschaftlichen Expertise. Die Voraussetzung dafür „sind geregelte Arbeitsbedingungen und eine sichere berufliche Zukunft“, so der frühere Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linke). Bei Gewerkschaftern und Betriebsräten hat sich inzwischen die Meinung geändert. Waren sie zunächst gegen eine Rekommunalisierung, hielten sie es inzwischen für richtig, wenn das Land bei Stromnetz und Wärme einstiege.