Berlin –

KaDeWe-Raub und Mordauftrag: Großrazzia gegen Familienclans

Zeugenaussagen führen zu Einsätzen in Berlin. 16 Objekte durchsucht, acht Männer verhaftet

Berlin.  Polizei und Staatsanwaltschaft haben am frühen Dienstagmorgen mit 220 Beamten einen Schlag gegen mutmaßlich kriminelle arabische Großfamilien in Berlin geführt. Gegen acht gesuchte Männer wurden Haftbefehle vollstreckt. Sie sollen in einen Raubüberfall auf das KaDeWe verwickelt sein. Außerdem werden den Männern im Alter von 20 bis 56 Jahren die Anstiftung zu einem Auftragsmord sowie illegaler Waffenbesitz vorgeworfen. „Umfangreiche Zeugenaussagen und intensive Ermittlungen des Landeskriminalamtes“ hatten nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft zu den Razzien geführt.

Gegen 4.30 Uhr rückten die Polizisten aus. Beteiligt waren auch 60 Angehörige des Spezialeinsatzkommandos (SEK), weil damit gerechnet wurde, dass die Verdächtigen bewaffnet sein könnten. Zunächst wurden 14 Wohnungen, Lokale und Geschäftsadressen in Neukölln, Hermsdorf und Lankwitz durchsucht. Der Schwerpunkt des Einsatzes lag an der Schinkestraße in Neukölln. Dort stürmten die Kommandos eine Wohnung und verhafteten vier Tatverdächtige, an den anderen Einsatzorten zwei. „Später gab es Durchsuchungen in Gropiusstadt, bei denen zwei Männer festgenommen wurden. Insgesamt wurden somit acht Haftbefehle vollstreckt und 16 Objekte durchsucht“, sagte der Sprecher der Berliner Polizei, Stefan Redlich.

Nach der Bilanz von Polizei und Staatsanwaltschaft wurden bei den Razzien eine Schusswaffe sowie scharfe Munition beschlagnahmt. Außerdem stellten die Ermittler Schmuck, Bargeld und einen Porsche sicher. Die Beschlagnahmung des Luxusautos diene der „Vermögensabschöpfung“, sagte Polizeisprecher Redlich. Sollten die Tatverdächtigen wegen des Überfalls auf die Schmuckabteilung des KaDeWe verurteilt werden, könnte damit der finanzielle Schaden verrechnet werden. Bis heute ist die Beute dieser spektakulären Tat verschwunden.

Die Räuber hatten kurz vor Weihnachten 2014 Uhren und Schmuck im Wert von mehr als 800.000 Euro erbeutet. Die Täter waren mit einem Auto vorgefahren. Dann stürmten fünf Maskierte ins Gebäude, sprühten einem Sicherheitsmann Reizgas ins Gesicht, zertrümmerten mit Äxten und Macheten mehrere Vitrinen und räumten sie leer. Anschließend flüchteten sie mit dem Auto. Drei Monate später ermittelte die Polizei den Halter sowie zwei der mutmaßlichen Räuber, beide sind Angehörige der arabischen Großfamilie Al-Z. Die drei Männer stehen seit Ende 2015 vor Gericht. Der Halter des Autos, Angehöriger einer anderen arabischen Familie, leugnete eine Beteiligung am Überfall und belastete die beiden mutmaßlichen Räuber schwer.

Vermutlich sind die Aussagen dieses Mannes ein Teil in der Beweiskette. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft sind drei der nun Festgenommenen die noch gesuchten Verdächtigen zu dem KaDeWe-Überfall. Die anderen Haftbefehle stehen im Zusammenhang mit einem geplanten Auftragsmord. Dabei soll es sich um eine Beziehungstat handeln. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll das spätere Opfer einem der jetzt Verhafteten die Freundin „ausgespannt“ haben. Dem 42-Jährigen wurde im Oktober 2015 in Gropiusstadt ins Bein geschossen.

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) sagte, es habe auch Aussagen von Zeugen gegeben, das sei „ungewöhnlich für dieses Milieu“ und „eine wichtige Botschaft: Fällt die Mauer des Schweigens, können die Sicherheitskräfte noch konsequenter handeln“. Henkel zeigte sich zufrieden mit dem Einsatz. „Dieser Schlag gegen die organisierte Kriminalität zeigt, dass der Staat entschlossen gegen die Unterwelt vorgeht.“ Der frühere Neuköllner Bürgermeister Heinz Buschkowsky (SPD) zweifelt hingegen an den Möglichkeiten der Strafverfolgung. „Zeugen werden schnell mundtot gemacht. Wenn acht Leute verhaftet worden sind, heißt das nicht, dass es auch zu acht Verurteilungen kommt“, sagte er dem Fernsehsender n-tv. Seite 10