Premiere

Drei Generationen Thalbach am Tisch: Wehe, einer sagt Oma

Katharina, Tochter Anna und Enkelin Nellie Thalbach feiern Premiere im „Theater am Kurfürstendamm“. Ein Drei-Generationen-Gespräch.

Anna, Nellie und Katharina Thalbach

Anna, Nellie und Katharina Thalbach

Foto: Photographer: Moritz Thau / www.fotomotor.de

„Mann, hab ich Hunger“ sagt Anna Thalbach und lässt sich auf die Bank eines langen Tisches im Restaurant „Dressler“ am Kurfürstendamm fallen. „Ich auch“, rufen unisono Mutter Katharina, Tochter Nellie. Nach fünf Stunden Proben knurrt um drei Uhr nachmittags der Magen. Auch die beiden männlichen Darsteller aus „Die Glasmenagerie“, Leonard Scheicher und Florian Donath, setzen sich zu ihnen. Einen kompletten Durchlauf der zwei Akte des Tennessee Williams-Klassikers haben die vier Schauspieler und Regisseurin Katharina Thalbach hinter sich, das macht hungrig.

„Während der Proben ist das hier unsere Kantine, die beiden Theaterbühnen am Kudamm haben keine. Zumindest kriegen wir hier Prozente“, sagt Katharina Thalbach, mit unverwechselbarer Stimme. Mit dieser intonierte sie unvergesslich Rollen wie den Hauptmann von Köpenick, Friedrich II. und Maria Matzerath aus der „Blechtrommel“, Mademoiselle Bertoux in dem Film „Hanni und Nanni“.

Der Kellner duzt Katharina Thalbach bei der Bestellung. Die „petite Grande Dame“ der Berliner Bühnen, des deutschen Films und internationaler Inszenierungen ordert Steak frites, das Steak medium well. Tochter Anna bestellt Bratkartoffeln mit Spiegeleiern, Enkelin Nellie mag es fleischfrei und wählt Ravioli, mit Mozzarella und Pesto gefüllt. Die beiden jungen Männer bleiben ebenfalls beim Steak. Katharina Thalbach ist froh, sie für die Rollen verpflichten zu können. Florian Donath spielt Jim, in den sich Nellie in der Rolle der Laura verliebt, Leonhard Scheicher gibt Lauras Bruder Tom, Anna Thalbach die in ihrer eigenen Welt lebende Mutter Amanda Wingfield. „Anna quasselt in dem Stück am meisten“, stellt Katharina Thalbach fest.

Als nächstes geht es um die Situation der beiden von Schließung bedrohten Kudammbühnen. „Eine Katastrophe“ sei der ganze Vorgang, sagt Großmutter und Mutter Thalbach, „Berlin braucht diese Bühnen. Punkt!“ Tochter und Enkelin nicken. Die Getränke, Mineralwasser, Cola und Saft, werden gebracht, und nun drehen sich die Gespräche um das neue Stück, das eine von Ehemann und Vater verlassene Familie 1930 in St. Louis thematisiert. Während die Mutter in einer Traumwelt lebt, flieht der Sohn Tom in die Scheinwelt von Alkohol und Kino, Tochter Laura verlässt kaum das Haus und sammelt Glasfiguren. Jim, ein Arbeitskollege von Tom, könnte die bedrückende Stimmung ändern, als Partner für Laura und Schwiegersohn für Amanda.

„Jetzt fügt sich das Stück mehr und mehr zusammen. Bis zur Premiere am Sonntag werden wir täglich einen Durchlauf proben. Es wartet noch viel Arbeit auf uns“, stellt Katharina Thalbach fest. In „Die Glasmenagerie“ führt sie Regie. Zuletzt standen die drei Thalbach-Frauen im vergangen Dezember mit dem Stück „Roter Hahn im Biberpelz“ auf der Bühne des Theaters am Kurfürstendamm. Regie führte Katharina Thalbachs Halbbruder Philippe Besson.

Als Theaterchef Martin Woelffer fragte, ob sie nicht noch so eine schöne Familienproduktion machen könnte, antwortete sie: „Nicht in der Form. Man sollte sich nicht wiederholen.“ Aber sie als Regisseurin, und Enkelin und Tochter auf der Bühne, das wäre möglich. Tochter Anna kam dann die Idee eines Stückes von Tennessee Williams. „Ich liebe diese dichten Kammerspiele von Williams, sowohl ,Die Katze auf dem heißen Blechdach’, als auch ,Endstation Sehnsucht’ und eben ,Die Glasmenagerie’. Er beschreibt Figuren außergewöhnlich gut“, meint die 42-jährige Schauspielerin.

Auf „Die Glasmenagerie“ fiel die Wahl schließlich auch, weil Katharina Thalbach schon immer einmal die Laura spielen wollte, „schon, als ich noch jung war“, sagt sie. Nun spielt ihre Enkelin die Rolle. Die 21-jährige Nellie hat Spaß an dem „Familienzirkus. Ich bin schon immer dabei. Meine Mutter hat hochschwanger mit mir die „Mutter Courage“ in Paris gespielt.“ Ist sie ein Bühnenkind? „Zu 100 Prozent. Ich war bei ganz vielen Drehs und Inszenierungen dabei.“ Wie es für sie ist, von der Großmutter Regieanweisungen zu bekommen? „Alles gut, solange ich ,Kathi’ zu ihr sage.“ „Wehe, die beiden sagen auf der Bühne ,Mama’ oder ,Oma’ zu mir. Ich trenne gern Privates und Familie“, antwortet Katharina Thalbach resolut. „Alle sagen Kathi zu mir, auch die Jungs.“

Der Service bringt das Essen. Am liebsten essen die Damen zu Hause, wenn sie selbst gekocht haben, sagen sie. Dazu werden sie zumindest die nächsten Wochen nach der Premiere am Sonntag kaum kommen. „Die Glasmenagerie“ wird sechs Wochen lang en suite gespielt, sechs Tage die Woche, bis zum 17. April.

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.