Der Berlin-Tourismus hat erneut einen Rekord erzielt. Das Statistische Landesamt zählte 2015 erstmals mehr als 30 Millionen Übernachtungen in Hotels und Pensionen durch Besucher aus der ganzen Welt. In den vergangenen fünf Jahren stieg die Zahl um fast zehn Millionen von 20,8 auf 30,25 Millionen Übernachtungen. „Von diesen Zahlen haben wir vor zehn Jahren nicht einmal zu träumen gewagt“, sagte der Geschäftsführer der Berlin Tourismus & Kongress GmbH „Visit Berlin“, Burkhard Kieker. Und noch vor fünf Jahren habe man solche Werte erst für 2020 erwartet.

Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Übernachtungen um 5,4 Prozent, die der Gäste um 4,2 Prozent auf knapp 12,4 Millionen Menschen. Das bedeutet, dass nicht nur immer mehr Touristen in die Stadt strömen, viele bleiben auch länger als in früheren Jahren üblich. Dabei spiegeln diese Rekordmarken nur die Daten der offiziellen 774 Beherbergungsbetriebe mit rund 137.000 Betten. Hinzu kommen die Berlin-Besucher, die in Ferienwohnungen oder bei Verwandten und Freunden übernachten. Kieker schätzt, dass diese Gruppe noch einmal zehn bis zwölf Millionen Menschen pro Jahr ausmacht.

Der Anteil der Übernachtungen deutscher Gäste war 2015 mit knapp 55 Prozent wieder am höchsten. Allerdings fiel das nationale Wachstum mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 16,6 Millionen Übernachtungen vergleichsweise verhalten aus. Es wurde aber gut durch die Gäste aus dem Ausland kompensiert. Hier betrug das Plus bei den Übernachtungen 9,2 Prozent. Davon entfielen mehr als zwei Drittel auf Besucher aus Europa. Mit 1,5 Millionen Übernachtungen und einem Wachstum von 19,6 Prozent führt Großbritannien die Liste der zehn wichtigsten Auslandsmärkte für Berlin an. Es folgen die USA mit 1,1 Millionen Übernachtungen (plus 17 Prozent), Italien und die Niederlande. Spanien kam mit 841.000 Übernachtungen auf Rang fünf. Nach einem Einbruch durch die dortige Wirtschaftskrise stieg die Zahl der Besucher 2015 im Vergleich zum Vorjahr um fast 28 Prozent. Das Gegenbild dazu liefert Russland. Die Zahl der Gäste von dort sank im Jahresvergleich um fast 25 Prozent, die der Übernachtungen sogar um 27 Prozent – eine Folge der von der russischen Regierung ausgesprochenen Reiseverbote und -empfehlungen.

Der überdurchschnittliche Anstieg der Gäste aus dem Ausland sei in einem Jahr erfolgt, das angesichts der weltweiten Bedrohungslage ein eher schwieriges für den internationalen Städtetourismus war, betonte Kieker. Berlin sei auf diesem Feld die „Lokomotive“ in Deutschland, jede sechste internationale Übernachtung entfalle auf die Hauptstadt. In Berlin beträgt der Anteil dieser Übernachtungen rund 45 Prozent, deutschlandweit sind es nur knapp 18 Prozent.

„Der Tourismus ist und bleibt eine Erfolgsgeschichte. Die weltoffene und tolerante Hauptstadt Deutschlands wird international immer populärer, als Besuchsziel, als Wohnort oder auch als Drehort internationaler Produktionen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Er nannte die Zahlen beeindruckend und betonte, der Tourismus sei ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Stadt und ein wichtiges Element für die Kulturförderung. Das riesige Kulturangebot sei der zentrale Anziehungspunkt für Besucher. Dazu zähle auch, dass die Menschen an „authentische Orte der Geschichte kommen wollen“, so Müller. Das gelte für die Orte der dunklen Kapitel deutscher Geschichte ebenso wie für die der großartigen.

Auf Kultur im weiteren Sinne setzt auch der neue Marketingclaim, mit dem „Visit Berlin“ künftig werben will. Er lautet „365/24 Berlin“. Damit soll verdeutlicht werden, dass Berlin an allen Tagen im Jahr rund um die Uhr ein attraktives Angebot bietet. Künftig werde im Marketing der Fokus nicht auf einzelne Ereignisse gerichtet, sondern auf die Stadt als Ganzes, erläuterte Kieker. Der Slogan „be Berlin“ bleibe als Dachmarke aber erhalten. Der Claim für die Stadt, in der immer etwas los ist, wird auf der Tourismusbörse ITB im März gestartet. Seite 11