Berlin –

Berlin braucht mehr Ladenflächen

Neue Studie: 67 Shoppingcenter reichen für Attraktivität der Stadt immer noch nicht aus

Berlin.  Berlin ist die Hauptstadt der Shoppingcenter. 67 Zentren mit einer Verkaufsfläche zwischen 5000 und 85.000 Quadratmeter listet die Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK) auf, fünf weitere sind in der Entwicklung. Mit seinem „Stadtentwicklungsplan Zentren“ versucht der Berliner Senat, die Ansiedlung weiterer große Einzelhandelsprojekte zu reglementieren, um so vorhandene Einzelhandelsstrukturen zu schützen. Nach einer Studie, die das Immobilienberatungsunternehmens CBRE am Mittwoch vorgestellt hat, ist dies jedoch der falsche Weg. „Berlin hat immer noch zu wenig Einzelhandelsflächen“, so der CBRE-Einzelhandelsexperte Andreas Malich. Um die Attraktivität Berlins als Shoppingdestination für Reisende aus aller Welt auch künftig zu sichern, benötige Berlin sogar noch deutlich mehr Einzelhandelsflächen.

„Der Zentrenplan des Senats ist völlig veraltet“, sagt Malich weiter. Die letzte Überarbeitung des Konzepts stamme noch aus dem Jahr 2011. „Seitdem ist die Bevölkerung in Berlin jedes Jahr um rund 45.000 Einwohner gewachsen – das entspricht dem Zuzug einer deutschen Großstadt alle zwei Jahre“, verdeutlicht der Immobilienfachmann die Dimension. Auch die Touristenzahlen hätten sich in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben entwickelt, eine Trendwende sei nicht abzusehen. Und trotz der vielen neu errichteten Shoppingcenter hinke Berlin bei den Einzelhandelsflächen noch hinterher. Während der bundesweite Durchschnitt bei 1,45 Quadratmeter Verkaufsfläche pro Einwohner liege, stünden in Berlin lediglich 1,25 Quadratmeter zur Verfügung.

Auch die Angst vor großen Einkaufszentren, wie sie zuletzt etwa mit der Mall of Berlin am Leipziger Platz eröffnet wurden, sei unbegründet, meint der Experte. „Weder in der benachbarten Friedrichstraße noch in den Potsdamer Platz Arkaden haben wir einen Umsatzeinbruch erlebt“, sagt Malich. Und das, obwohl die Mall mit einer Verkaufsfläche von 80.000 Quadratmetern ein echtes Schwergewicht sei.

In Berlin, so Malich weiter, hätten groß dimensionierte Shoppingtempel eine lange Tradition. Ende der 20er-Jahre hatte die Stadt sogar 80 Kauf- und Warenhäuser mit einer Verkaufsfläche von bis zu 106.000 Quadratmetern. Allerdings seien die Investoren gut beraten, ihre Shoppingcenter vor allem dort anzusiedeln, wo Touristen zu den Kunden zählen. „Deren Kaufkraft spielt für die Händler eine entscheidende Rolle – und dient dem Image Berlins als Shoppingstadt.“

Eine wesentliche Rolle für den guten Ruf der Einkaufsmetropole Berlin spielen traditionell Tauentzienstraße und Kurfürstendamm in der City West. Mehr als 100.000 Quadratmeter zusätzliche Verkaufsfläche soll dort in den kommenden Jahren geschaffen werden. Teils durch Neubauvorhaben wie im Sockel des im Bau befindlichen Hochhausturms Upper West, teils aber auch durch die Neuordnung bestehender Gebäude, wie beispielsweise des in die Jahre gekommenen Karstadt-Warenhauses am Kurfürstendamm 231. Hier plant der Berliner Investor Harald Huth mit der Karstadt-Eigentümerin Signa seine neue „Mall of Kurfürstendamm“. Die dazu erforderlichen Nachbarimmobilien, darunter das Haus Kurfürstendamm 229 sowie das Parkhaus an der Augsburger Straße mit dem Karstadt-Bettenhaus im Erdgeschoss, sind nach Informationen der Berliner Morgenpost bereits im Besitz des Investors. Diesem eröffnet sich damit nun die Chance, ein großes Einkaufszentrum mit 50.000 bis 70.000 Quadratmetern Nutzfläche zu errichten. Seite 2