Das Land Berlin will angesichts der bestehenden Wohnungsnot und des anhaltenden Flüchtlingsstroms den Wohnungsbau verdoppeln. Allein im kommenden Jahr sollen zusätzlich zu den geplanten 12.000 bis 15.000 neuen Wohnungen weitere 30.000 Unterkünfte für Flüchtlinge und andere Wohnungssuchende im Modulbau entstehen. Das hat der Senat am Dienstag beschlossen. Dazu werden derzeit 60 Standorte aus dem Landesbesitz und aus nicht mehr benötigten Standorten des Bundes identifiziert, auf denen die Bauten entstehen sollen.
„Im Frühjahr 2016 soll mit dem Bau begonnen werden, so dass die Unterkünfte im Herbst fertig sind“, sagte Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) am Dienstag nach der Senatssitzung. Nach aktuellen Schätzungen des Senates werden in diesem Jahr deutlich mehr als 40.000 Menschen neu in die Stadt kommen. „Das verschärft die Lage auf dem Wohnungsmarkt“, sagte Geisel. Deshalb sei es dringend geboten, schnell zu handeln. Die Modulbauten sollen je Standort 500 Menschen unterbringen. Sie sollen von Privatfirmen errichtet und danach an die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften übergeben werden. Die Wohnungen sollen nicht ausschließlich für Flüchtlinge errichtet werden, sondern auch für andere Wohnungssuchende bereitstehen. Unklar sei allerdings, ob die Kapazitäten der Firmen, die Modulbauten anbieten, ausreichen, um die geplanten 30.000 Unterkünfte binnen eines Jahres fertigzustellen. „Wir nehmen nicht an, dass das ausreicht“, sagte Geisel. Es handele sich dabei um weitere Schritte, den Wohnungsmarkt zu entlasten. Die Baukosten sollen laut Ausschreibung deutlich unter 1000 Euro je Quadratmeter liegen. Modulare Wohnbauten gibt es bislang in Berlin nicht. Anders als Container, die eine Lebensdauer von rund fünf Jahren haben, halten Modulbauten 40 bis 50 Jahre.
Die Finanzverwaltung stellt derzeit die infrage kommenden Grundstücke zusammen. Dann werde der Senat entscheiden, an welchen Standorten modulare Bauten und an welchen reguläre Wohnungen entstehen. Klar sei, dass bislang offen gehaltene Friedhofsflächen für den Bau herangezogen werden. Parallel zu den Wohnungsbauplänen prüft die Bildungsverwaltung laut Geisel, an welchen Standorten zusätzlich modulare Schulbauten entstehen, die ebenfalls benötigt werden.
Mit den Plänen für neue Modulbauten hat der Senat ein Wohnungsbaubeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht, um die Erteilung von Baugenehmigungen und den Beginn der Bauarbeiten zu beschleunigen. Der Senat will deutlich machen, dass sich die Neubaupläne nicht allein an Flüchtlinge richteten, sondern auch an Wohnungssuchende, die bereits in der Stadt leben. Geeignete Standorte jenseits der landeseigenen Grundstücke zu finden, dürfte aber schwierig werden. Denn die Nachfrage auf dem Berliner Markt ist stark und ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Dieses Fazit zog die Treuhand Liegenschaftsgesellschaft (TLG) in ihrem 23. Immobilienmarktbericht für Berlin und Ostdeutschland.
Gewerbliche Immobilieninvestoren steckten im letzten Jahr 4,28 Milliarden Euro in Berliner Objekte, 19 Prozent mehr als im Vorjahr und die Dynamik ist 2015 ungebrochen. Der Leerstand bei Büros ist auf nur noch fünf Prozent gefallen. Die Projektentwickler halten mit dem Neubau nicht mit dem rasanten Wachstum der Berliner Büroarbeitskräfte mit. Die Mieten steigen deshalb vor allem außerhalb der Spitzenlagen deutlich. Und auch im Hotelsektor sieht die TLG kein Ende des Booms. 2800 zusätzliche Hotelbetten seien in Berlin geplant oder im Bau. Im Einzelhandel sind die Spitzenmieten auf über 300 Euro pro Quadratmeter gestiegen.Seiten 6 und 9

