Die größte Herausforderung zum Start des neuen Schuljahres ist die weiter wachsende Schülerzahl in Berlin. Nach Prognosen der Senatsverwaltung für Bildung werden ab Montag knapp 5000 Schüler mehr als im Schuljahr zuvor unterrichtet, davon 3000 an den Berufsschulen. Die Gesamtzahl der Schüler an den öffentlichen Schulen steigt damit auf 422.230, darunter sind 4953 Flüchtlingskinder.
Wegen der steigenden Schülerzahl und einer Pensionierungswelle waren zum neuen Schuljahr 1500 Neueinstellungen nötig. In Brandenburg, wo Lehrer im Gegensatz zu Berlin verbeamtet werden, wurden 1100 neue Lehrer eingestellt. Die Befürchtungen, dass Berlin angesichts fehlender Verbeamtung nicht genügend Bewerber finden wird, hat sich aber nicht bestätigt.
Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) betonte am Donnerstag, dass alle Stellen besetzt werden konnten. Etwa 60 Prozent der Bewerber hätten ihre Abschlüsse in anderen Bundesländern gemacht. Die meisten kämen aus Bayern, wo es einen Überschuss an Lehramtsanwärtern gibt. „Die Werbemaßnahmen in Bayern und der Berlin-Tag für Interessenten aus anderen Bundesländern haben sich ausgezahlt“, sagte Scheeres. Unter den neuen Lehrern sind auch 318 Quereinsteiger, die berufsbegleitend ausgebildet werden. Vor allem in Physik, Chemie, Informatik, Mathematik, Sport und Musik sind die Schulen darauf angewiesen. Mehr als die Hälfte der Kräfte ohne Lehramtsausbildung wird an Grundschulen eingesetzt. Viele von ihnen haben schon als Vertretungskräfte gearbeitet und sind deshalb nicht ganz neu.
Zusätzliche Lehrer werden auch für die wachsende Zahl der Flüchtlingskinder benötigt. Im neuen Schuljahr werden knapp 5000 Schüler ohne Deutschkenntnisse zunächst in den sogenannten Willkommensklassen an den Schulen unterrichtet. Im Jahr 2011/12 waren es noch 1378 Kinder. In den kleinen Gruppen mit zwölf Schülern arbeiten 470 Lehrkräfte. „Priorität hat für mich, dass die Flüchtlingskinder in den Regelschulen unterrichtet werden. Bildung ist ein Recht für alle Kinder“, sagte Scheeres in Bezug auf die bundesweite Debatte, die Schulpflicht bis zur Entscheidung des Asylbegehrens für Flüchtlinge aus sogenannten sicheren Herkunftsländern auszusetzen.
Für die zum Teil traumatisierten Flüchtlingskinder würden auch Psychologen und Sozialpädagogen eingestellt, die aus einem Sofortprogramm in Höhe von drei Millionen Euro finanziert werden, so Scheeres. Zudem wird der Pass für das Bildungspaket ab Montag nicht mehr vom Landesamt für Gesundheit und Soziales, sondern direkt an den Schulen ausgestellt. Dadurch sollen die Schüler schneller Zugang zu Leistungen wie Schulmaterial, Lernförderung und Mittagessen haben.
Eine weitere Herausforderung ist die Schaffung neuer Räume. Vor allem an Schulen in Pankow und Mitte wird es eng. Abhilfe will die Senatsverwaltung mit neuen Containerbauten schaffen. Dieses und nächstes Jahr werden 27 solcher Modulbauten aufgestellt. Ob das Schuljahr so reibungslos startet, wie die Bildungsverwaltung erwartet, wird sich erst ab Montag zeigen. Denn dann steht erst fest, ob die Schülerzahl nach oben korrigiert werden muss, ob wirklich alle Lehrer an Bord sind und wie viele krank sind. Seiten 2 und 9

