Wie sieht das typische Frühstück eines Limodenverkäufers aus? „Eine Premium-Cola und ein belegtes Brot“, antwortet Kai Charkiewicz mit dem Brustton der Überzeugung. Er trinke nichts Heißes am Morgen, keinen Tee und keinen Kaffee, brauche aber die Weckstoffe des Koffein. Deshalb die Premium-Cola. Dieses edle, dunkelbraune und doch nicht ganz so klebrig-süße Stöffchen brauen Cola-Aficionados aus Hamburg.
Die Legende erzählt, es handele sich um eine Schar von Afri-Cola-Fans, die nach einer Rezepturänderung der Hippiebrause zurück zu den wahren Geschmackswurzeln wollten und so aufs Selbermachen verfielen. Mittlerweile sei es eine Art Low-Profit-Unternehmen, dessen Inhaber und Mitarbeiter großen Wert auf faire Bezahlung aller Beteiligten und die Unterstützung von sozialen Projekten legen.
„So etwas ist selbst im Marktsegment alternativer Limonaden ausgesprochen selten“, berichtete Charkiewicz. Der 38-jährige gelernte Groß- und Einzelhandels-Kaufmann verkauft seit anderthalb Jahren ausgesuchte Limonaden und Biere an der Szenemeile Boxhagener Straße. Alexander Kusserow aus Magdeburg, ein guter Freund von ihm, hatte die Idee für den alternativen Getränkehandel.
Produkt steht im Vordergrund
Nach zehn Jahren in der Tourismusbranche suchte Charkiewicz eine neue Herausforderung und wusste gleich: „Das ist mein Ding.“ Bis zur Eröffnung dauerte es aber noch eine Weile. „Es ist nicht einfach in Friedrichshain bezahlbare Flächen zu finden. Letztlich hat unser Konzept dann sogar den Vermieter überzeugt.“
Nun stehen hunderte Flaschen in dem achtzig Quadratmeter großen Raum mit Originalstuck aus der Gründerzeit. Im Kontrast zum verspielten Stuck steht die minimalistische Einrichtung: Mannshohe, weiße Regale mit dicken Böden und Seitenteilen. „Bei uns steht ganz klar das Produkt im Vordergrund. Deshalb ist die Ladeneinrichtung so schlicht“, erklärt Charkiewicz.
Weitestgehend Produkte von unabhängigen Produzenten, kleinen Manufakturen, familiengeführten Betriebe und Start-Ups befinden sich im Sortiment. Das umfasst etwa 500 Biere, mehr als 100 Limonaden, 75 Cider-Apfelweine und einige Weine und Spirituosen. „Wir wollen zeigen, dass es Alternativen zu den bekannten Massenprodukten gibt“, erklärt der Getränkeverkäufer. Bislang ist es eine sehr exklusive Alternative. So macht zum Beispiel der Marktanteil von Premium-Cola in diesem Bereich weniger als 0,2 Promille aus. Im selben Segment bewegt sich auch die Berliner „Glam-Cola“.
Farblose Cola mit Zitrone und Apfel
Vor drei Jahren machte sich Nermin Çelik auf die Suche nach einer Cola ohne Phosphorsäure und Zuckercouleur. Am Ende produzierte sie eine farblose Cola mit Zitronensäure und veganer Apfelfruchtsüße. 1,80 Euro kostet die schicke 0,33-Liter-Flasche, etwa dreimal so viel wie dieselbe Menge vom Branchenriesen aus Atlanta.
Den Trend zur etwas anderen Limo setzte vor rund 20 Jahren das Unternehmen „Bionade“ mit ausgefallenen Geschmacksrichtungen wie Holunder, Litschi oder Ingwer-Orange. Die durch Fermentation von Malz aus überwiegend biologischen Rohstoffen hergestellte Limonade entwickelte sich ab 1995 binnen zehn Jahren zu einem gefragten Szenegetränk, von dem 2008 mehr als 200 Millionen Flaschen verkauft wurden. Nach einer Preiserhöhung und dem Verkauf des Familienunternehmens an die Radeberger-Gruppe halbierte sich der Absatz. Eine weitere bekannte Limonaden-Alternative ist Club-Mate auf Basis des südamerikanischen Mate-Tee, der reichlich Koffein enthält und mit herben Geschmacksnoten punktet.
Gut verkaufen sich bei „Getränkefeinkost“ Limonaden von „Ostmost“ mit stylischen Etiketten, Schraubverschluss und Apfel-Minze-Geschmack oder Streuobst-Schorle. Die Limohersteller verwenden fast ausschließlich Fruchtsäfte aus Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. „Schorlen sind beliebt, seit die Leute wissen, dass sie mehr Fruchtsaft als Limonaden enthalten“, erklärt Charkiewicz. Der Hauptanteil, zwischen 40 und 60 Prozent, mache wie beim Massenprodukt aber Wasser aus. Dem werde noch natürliche Kohlensäure zugesetzt. Einen Teil seiner Gewinne setzt „Ostmost“ für die Neuanlage von Streuobstwiesen mit verschiedenen Sorten ein.
Gesüßt wird mit Agavendicksaft
Die Firma „Berliner Mätchen“ verwendet wie „Club Mate“ den südamerikanischen Tee. Grundstoff ist allerdings klarer oder naturtrüber Apfelsaft. 1,95 Euro kostet die Halb-Liter-Flasche. Ebenfalls Tee, allerdings andere Sorten wie Darjeeling oder Oolong verwendet die Firma „Talent“. Wenn überhaupt wird bei den alternativen Limonaden meistens nicht mit Zucker gesüßt, sondern mit Agavendicksaft.
Neu und erfolgreich auf dem umkämpften Markt ist ein Trio aus Heidelberg, die „Heldenpause“ abfüllen. Unter dem Slogan „Entspannt euch“ mischen sie in ihre Limonaden Kräuter und Hopfen. Erfrischend und nicht zu süß ist die Limo mit Birne-Traube-Geschmack, Melisse, Passionsblume und Hopfen. „Wir sind gespannt auf die nächsten Kreationen“, sagt Charkiewicz.
Getränkefeinkost Boxhagener Straße 24, Friedrichshain, Tel. 25 93 38 00, Mo.–Fr. 13–20 Uhr, Sbd. 11–20 Uhr, www.getraenkefeinkost.de


