Die Lider halb geschlossen, graue Schatten unter den glasigen Augen, die scheinbar durch häufiges Blinzeln die Müdigkeit vertreiben wollen: Es sind die Kleinigkeiten, die neben den gesprochenen Worten von kräftezehrenden Stunden zeugen. Offensichtlich haben die Verhandlungen rund um die Griechenland-Krise unsere Bundeskanzlerin stark mitgenommen.
Scheinbar wurde auch das Make-Up noch einmal aufgefrischt, der Lid-Strich nachgezogen und die Augenpartie mit Lidschatten aufgehellt. Indem sie versucht von ihrer Erschöpfung abzulenken, sie also zu überdecken, bleibt Merkel ganz ihrer Linie der letzten Wochen rund um Griechenlands Rettung treu. Sie versachlicht Themen. Sie emotionalisiert nicht. Und das versucht sie auch vor der Presse durchzuziehen.
Dieses Foto steht symbolisch für die langwierigen Verhandlungen der letzten Monate, die alle Beteiligten viel Kraft gekostet haben. Wie der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras sagte: "Wir haben eine harte Schlacht geschlagen". Zwischenzeitlich schien jegliche Hoffnung auf eine Einigung vergebens. Teilnehmer berichten von einem Abbruch, der kurz bevorstand. Tsipras bezeichnete die Verhandlungen als "Mentales Waterboarding". Von Merkel sind derartige Töne nie zu hören. Sie bleibt nüchtern, obwohl ihr Blick oft eine andere Sprache spricht.
Mit ihrem heutigen Auftritt gibt sie den Ton für die nächsten Jahre an. Denn die Pläne sind geschrieben und Griechenland wird mit zahlreichen Auflagen eine klare Linie vorgegeben. Merkel, die studierte Physikerin, behält ihren Blick für das Wesentliche - und mag er auch noch so glasig erscheinen.


