Herkunft: Das Wort „ehrlich“ stammt von dem mittelhochdeutschen „êrlîch“ ab und wird heute meist in der Bedeutung eines inneren Wertes verwendet – im Sinne von Redlichkeit, Aufrichtigkeit oder Wahrhaftigkeit. In dem Wort steckt der Begriff „Ehre“ (ahd. Êre), ein äußerer Wert, der in etwa mit Ansehen und Anerkennung umschrieben werden kann, die es zu verteidigen gilt.
Bedeutung: Das Wort hat im Laufe der Zeit seine Bedeutung geändert. Der Philosoph und Pädagoge Otto Friedrich Bollnow schrieb 1973 in seinem Buch „Wesen und Wandel der Tugenden“: „Im alten Sprachgebrauch ist das ganz deutlich, wenn dort von einem ehrlichen und unehrlichen Gewerbe (beispielsweise dem des Henkers oder des Schinders) oder von einem ehrlichen Begräbnis (im Gegensatz zu dem eines Selbstmörders) die Rede ist.“
Heute meint das Wort „Ehrlichkeit“ vor allem, die Wahrheit zu sagen und glaubwürdig zu sein.
Bewertung: Bei einer Umfrage des Kölner Meinungsforschungsinstitutes Yougov gaben 60 Prozent der Befragten Ehrlichkeit als wichtigsten Wert an, weit vor Treue und Zuverlässigkeit (je 22 Prozent). Unter den zum Vergleich befragten Parlamentariern dagegen nannten nur 38 Prozent Ehrlichkeit als wichtigsten Wert.
Zitate: „Eine ehrliche Lüge, das bedeutet, dass der Mensch sich nichts darüber vormacht, dass er lügt – dass er weiß, dass er damit etwas Unrechtes tut und trotzdem die Verantwortung für diese Lüge auf sich nimmt. Die Unwahrhaftigkeit aber setzt da ein, wo der Mensch sich selbst etwas vormacht, wo er auch sich selbst gegenüber nicht zugibt, dass er lügt.“ – Otto Friedrich Bollnow, Pädagoge
„Wer spät im Leben sich verstellen lernt, der hat den Schein der Ehrlichkeit voraus.“ – Johann Wolfgang von Goethe, Dichter und Naturwissenschaftler
„Aufrichtigkeit ist höchstwahrscheinlich die verwegenste Form der Tapferkeit.“ – William Somerset Maugham, britischer Dramatiker, Arzt und Geheimagent
„Ehrlich sein: einsam sein.“– Max Frisch, Schriftsteller

