Meat Bringer

„Ich möchte nur verkaufen, was ich selbst esse“

| Lesedauer: 5 Minuten
Alexander Uhl
Olaf Mahr leitet „Meat Bringer“.

Olaf Mahr leitet „Meat Bringer“.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Service

Olaf Mahr betreibt den Online-Fleischversand „Meat Bringer“ mit Fleisch ausschließlich aus der brandenburgischen Region.

Wer Olaf Mahr eine Weile zuhört, bekommt den Eindruck, dass dieser Mann nicht nur ein Unternehmen führt. Olaf Mahr hat vielmehr eine Mission. Der 53-Jährige betreibt seit Ende 2018 einen Online-Fleischversand. Das ist an sich nichts Besonderes, das Internet ist voll von Anbietern. Mahr aber setzt konsequent auf Regionalität. Der gebürtige Friese lebt in Brandenburg und bezieht von dort seine Rinder, Lämmer, Schweine und das Wild, das er im Online-Shop „Meat Bringer“ verkauft.

Tatsächlich gibt es auch mehrere andere Anbieter in Brandenburg, darunter der Potsdamer Sauenhain, die Bio-Manufaktur Havelland oder das Ökodorf Brodowin. Was also ist das Besondere an „Meat Bringer“? „Ich vereine die komplette Regionalität“, sagt Mahr, der 20 Jahre im Online-Bereich tätig war, bevor er umsattelte. Sein Fleisch bezieht er nur von Bauern aus Dahme-Spreewald und Teltow-Fläming, darunter vom AWO-Gut Kemlitz. Dort werden „Märkische Kartoffelschweine“ gehalten, eine Kreuzung aus Duroc und Alter Landrasse. Das AWO-Gut ist ein Schälbetrieb, hier werden Kartoffeln für die AWO-Kantinen Südbrandenburgs geschält. Was früher einfach untergepflügt wurde, das wird jetzt an die Schweine verfüttert. Die haben große Frei- und Auslaufflächen, Ställe ohne Spaltenboden, können selbst entscheiden, ob sie drinnen oder draußen sind, und „sie feiern Geburtstag“. Denn industriell gemästete Schweine werden nach wenigen Monaten mit einem Gewicht von 90 Kilogramm geschlachtet. Hier sind es 160 bis 180 Kilogramm, die die Tiere aber erst nach gut einem Jahr auf die Waage bringen.

Rund zwei Jahre Vorbereitung hat Mahr in den Aufbau von „Meat Bringer“ gesteckt. Er ist Hobby-Jäger und hat mit selbstgemachten Bratwürsten angefangen, dazu Wildschwein-Burger. Das fand in seinem Umfeld großen Anklang, immer mehr Leute kamen, immer mehr wollten probieren, wollten Fleisch für Gäste, zum Grillen. Also entschloss er sich, den nächsten Schritt zu gehen – und erkannte schnell das größte Problem: der Schlachter. „Es gibt kaum noch einen handwerklichen Schlachtbetrieb, der in Einzelschlachtung Tiere artgerecht schlachtet“, sagt er. Eineinhalb Jahre suchte er, bis er einen fand, Dann kam der Kontakt zu dem AWO-Gut, und schließlich die Idee für das „Märkische Kartoffelschwein“.

Der Markt, so Mahr, sei groß. Die Affinität zu gutem Fleisch sei in Berlin, Potsdam, Kleinmachnow, der Region, in die er liefert, vorhanden. „Aber das Fleisch kommt oft nicht von hier.“ Häufig würden die Tiere in Mecklenburg-Vorpommern aufgezogen, in Hessen geschlachtet, in Holland verpackt und hier verkauft. „Fleisch oder Tiere haben eine Weltreise hinter sich“, sagt er, „das kann es ja nicht sein.“ Er habe viele Informationen gesammelt, viel gegrillt, auch mit Sterneköchen in Berlin geredet. „Es ist ein großes Interesse da, gute Qualität zu essen, aber auch nachhaltige. Und das heiße „kurze Transportwege, kein Leid, Freilandhaltung mit gesundem Futter, keine Mast.“ Seine Schweine sind gerade einmal zehn Minuten zum Schlachter unterwegs, der Bauer, den die Tiere kennen, sei mit dabei.

Immer noch wird in Supermärkten viel Billigfleisch verkauft. Die Verbraucherzentrale Berlin weist darauf hin, dass niedrige Preise auch zu Lasten des Tierwohls in der Tierhaltung gingen. Angemessen höhere Preise seien eine überfällige Investition. Angemessen höher, das peilt auch Mahr an, der immer wieder das Tierwohl erwähnt und Fotos von tatsächlich glücklich wirkenden Schweinen zeigt. „Die sind total entspannt“, sagt er lächelnd. Er nimmt auch kein Wild aus Drückjagden. „Ich möchte nur verkaufen, was ich selbst esse.“ Der Erfolg gibt ihm Recht, die Leute würden ihm „die Bude einrennen“, sagt er. Die Hälfte seiner Kunden seien Rentner, die sich mit dem Kauf unter anderem seiner Vier-Zentimeter-Schweinekoteletts etwas gönnen würden, aber auch sagten: „Das schmeckt wie früher.“ Nicht nur die Koteletts sind ein Renner. Er hat auch Spare Ribs mit fingerdicker Fleischauflage, „die muss ich nicht marinieren, damit sie weich werden, die sind es schon.“ Die Schnitzel seien dagegen etwas fester, denn die Schweine sind „wie ein Sportler, den ganzen Tag in Bewegung.“ Dazu gibt es Bratwürste nach eigenen Rezepten, die er immer vorher ausprobiert. Er schwärmt von Bauchfleisch, von seinen Burgern und von den Burger-Brötchen, die er nach Brioche-Art backen lässt.

Bei den Rindern setzt er auf eine Angus-Limousin-Kreuzung, auch die sind 365 Tage im Jahr draußen. „Die sind gutmütig und entspannt“, sagt Mahr. Das Fleisch wird dry aged, ebenso wie das der Schweine und schließlich schockgefrostet, damit gelte es in Deutschland als Frischfleisch. Der Kunde kann sich das Fleisch liefern lassen oder es auch selbst abholen – was wohl besonders Jüngere nutzen würden. „Die wollen wissen, wer dahinter steht“.

Das Angebot von Olaf Mahr gibt es unter meat-bringer.de