Food Week

Fernsehköchin Cynthia Barcomi testet die US-Küche

Noch bis Sonntag findet die Berlin Food Week statt. Cynthia Barcomi testet US-Küche im Bikini Berlin.

Fernsehbäckerin Cynthia Barcomi besucht für die Berliner Morgenpost die Berlin Food Week im Bikini Berlin

Fernsehbäckerin Cynthia Barcomi besucht für die Berliner Morgenpost die Berlin Food Week im Bikini Berlin

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Berlin. Frühmorgens, wenn der ganze Tag noch vor ihr liegt, sei sie viel zu angespannt zum essen, sagt Cynthia Barcomi. Zum Rundgang durch das House of Food, dem Zentrum der Berlin Food Week im Bikini Berlin, haben wir uns mit der Konditorin, Fernsehköchin und Kochbuchautorin deshalb ganz entspannt um 10 Uhr verabredet. Die gebürtige Amerikanerin, die seit den 80er-Jahren in Berlin lebt, will für die Berliner Morgenpost die angebotenen Spezialitäten aus ihrer Heimat – in diesem Jahr Gastland der Gourmetwoche – auf Authentizität testen. Los geht es, um den stressempfindlichen Magen nicht gleich zu überfordern, erst einmal mit kleineren Snacks, bevor zum Finale eine Lobster Roll verkostet werden soll. Der große Durchbruch für die Spezialität aus den US-Bundesstaaten im Nordosten mit Hummer im Brioche-Brötchen steht in Deutschland bisher noch aus. Sehr zum Bedauern von Cynthia Barcomi.

Die 55-Jährige steuert zuerst den Stand mit kalifornischen Walnüssen an. Eine Basiszutat vieler ihrer Rezepte, wie sie verrät. Am liebsten mit Ahornsirup, um den Geschmack zu unterstreichen. Die hier angebotene Variante mit Knoblauch und Cayennepfeffer stößt bei Barcomi hingegen auf verhaltene Begeisterung. „Darf ich heute ehrlich sein?“, fragt sie. „Ich finde, das überdeckt das Aroma der Nuss und ist dazu ein bisschen trocken.“ Weiter geht es also zu den Trockenpflaumen.

Im House of Food als Energy Balls mit Kakao und Matchatee oder pur serviert. Barcomi greift zu und ist begeistert. „Super lecker und super weich“, so ihr Urteil. Die Standinhaber atmen erleichtert auf. Schließlich ist die Wahlberlinerin auf ihrem Gebiet eine echte Expertin. 1994 eröffnete sie ihr erstes Café an der Bergmannstraße in Kreuzberg, später kam „Barcomi’s Deli“ an der Sophienstraße in Mitte dazu. Ihre Backleidenschaft hat die Mutter von vier Kindern außerdem mit Kochbüchern, Küchenutensilien und Fernsehauftritten zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell gemacht.

Im Bikini Berlin ist Barcomi direkt ein Kamerateam der US-Botschaft auf den Fersen, alle paar Meter muss sie für ein Selfie posieren. Für die Businessfrau gehört das zum Geschäft. Also greift sie für Fotomotive zu Stoffeichhörnchen, unterhält sich mit Markenvertretern über die Feinheiten von kalifornischen Pistazien und beißt beherzt in Süßkartoffelpommes.

Die gibt es im Foodtruck vor der Tür, gleich neben Wildlachs aus Alaska. Während die Süßkartoffel in Deutschland erst in den vergangenen Jahren zum Trend geworden ist, ist sie in der amerikanischen Küche fest verwurzelt. Vor allem an Thanksgiving kommt sie auf den Tisch, als Püree oder Auflauf mit Marshmallows. „Nicht zu viel Öl, ein bisschen Mehl und im Ofen backen, statt frittieren“, so Barcomis Profitipp für knusprige Süßkartoffelpommes.

Dank globaler Verfügbarkeit und vor allem Einfallsreichtum vermisse sie in Berlin keine Lebensmittel aus den USA, sagt die Köchin. Eine Lobster Roll allerdings habe sie in Deutschland bisher noch nicht gegessen. Der Lobster Rumble (Sonnabend 12 bis 20 Uhr) im „Spreegold“ im Bikini Berlin gehört zu einem der Highlights der Berlin Food Week. Barcomi entscheidet sich für die klassische Variante mit Milchbrötchen, Hummerfleisch, Béchamelsauce, Lauch und Basilikum für 15 Euro. Obwohl leichter als das US-Original mit Mayonnaise, sorgt der erste Biss bei ihr gleich für Heimatgefühle auf der Zunge. „Leichtes Brötchen, große Hummerstücken, purer Geschmack“, lobt sie. „Das ist einen Ausflug ins Bikini wert.“

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