Spitzengastronomie

Veredelter Abschied für Daniel Achilles vom „reinstoff“

Zwei-Sterne-Koch Daniel Achilles ist „Berliner Meisterkoch 2018“. Ende des Jahres schließt sein Restaurant „reinstoff“

Sternekoch Daniel Achilles auch der Terrasse des Restaurants  „reinstoff“

Sternekoch Daniel Achilles auch der Terrasse des Restaurants „reinstoff“

Foto: Maurizio Gambarini

Berlin. Ein bisschen ist es wie ein Déjà-vu. „Ich fühle mich wie 2009“, sagt Daniel Achilles, als er am Donnerstagvormittag bei Mampe Spirituosen am Tempelhofer Berg in Kreuzberg als „Berliner Meisterkoch 2018“ ausgezeichnet wird. Vor neun Jahren wurde er vom Wirtschaftsnetzwerk Berlin Partner im gleichen Rahmen schon einmal geehrt, damals als „Aufsteiger des Jahres“. Der gebürtige Leipziger hatte gerade sein „reinstoff“ in den Edison-Höfen in Mitte eröffnet, mit dem er nur wenige Monate später einen Michelin-Stern erkochte. Nun also der „Meisterkoch“, ausgerechnet in dem Jahr, in dem Achilles angekündigt hat, sein Restaurant schließen zu wollen. Man könnte sagen, der Kreis schließt sich. Daniel Achilles sagt: „Man kann den Titel ‚Meisterkoch‘ als Abschiedsgeschenk verstehen.“

Jedes Jahr war der 42-Jährige seit seiner ersten Auszeichnung für die Königsklasse nominiert. Ein wenig Unverständnis, warum es ausgerechnet jetzt geklappt hat, kann Achilles nicht verhehlen. „Ich habe nicht nur Freunde in der Stadt. Aber ich kann eben nicht ändern, wie ich bin“, sagt er. Dennoch freue er sich natürlich – vor allem für sein Team. „Das ist eine schöne Anerkennung, und so muss man das dann einfach stehen lassen.“

Überhaupt Anerkennung: 2011 erhielt Daniel Achilles für seine leichte und moderne Küche mit dem ständigen Streben nach Innovationen den zweiten Michelin-Stern. 2013 wählte der „Gault & Millau“ ihn zum „Koch des Jahres“ und zeichnete das Restaurant mit 18 Punkten aus. „Es wird keinen Sternekoch geben, der sagt, das will ich nicht oder das brauche ich nicht. Wenn man in diesem Karussell dabei ist, möchte man am Ende auch auf dem Siegertreppchen stehen“, sagt er. Die finale Genugtuung, der dritte Stern, blieb ihm jedoch, genau wie allen seinen Berliner Kollegen, bisher versagt.

"Die Geschichte des 'reinstoff' war irgendwann auserzählt"

„Es geht nicht darum, dass in Berlin niemand auf Drei-Sterne-Niveau kochen kann“, glaubt Achilles. Eine konstant hohe Leistung könne dem Anschein nach aber keiner der jedes Jahr gehandelten Kandidaten abrufen. „Da schließe ich mich gerne mit ein. Das hat eine gewisse Tragikomik. Das letzte Quäntchen fehlt offensichtlich allen.“ Daniel Achilles ist bei dem Thema im Laufe der Zeit entspannter geworden. „Man muss bei der ganzen Kocherei auch realistisch bleiben. Und da halte ich andere Häuser auf dem Berliner Markt ehrlich gesagt für geeigneter“, sagt er. „Irgendwann lässt man von dieser Verkrampftheit ab, weil es einfach keinen Sinn macht.“

Vielleicht auch deshalb haben sich der Zwei-Sterne-Koch und seine Frau letztendlich entschieden, den Mietvertrag für ihr Restaurant nach zehn Jahren aus logistischen Gründen nicht noch einmal zu verlängern. „Die Geschichte ‚reinstoff‘ ist natürlich irgendwann auserzählt. Das heißt nicht, dass mir die Arbeit keinen Spaß mehr macht“, sagt er. „Aber so wie es jetzt ist, kann es nicht weitergehen, weil die Kapazitäten mehr als ausgereizt sind.“ Am 31. Dezember ist also offiziell der letzte Tag, einen Monat später muss Achilles das Restaurant besenrein übergeben. Bis dahin gibt es noch die Menüreihe „Der goldene Schnitt“, ein „Best-of“ der vergangenen Jahre.

„Auf seltsame Weise fühle ich mich sehr befreit. Ich stehe nicht jeden Tag auf und denke, die Welt geht unter. Eher, hurra, ich lebe noch“, sagt Achilles, auch wenn die Zukunft ungewiss ist. In Berlin wird er bleiben, am liebsten in Mitte. Mit einem neuen Konzept und wahrscheinlich auch mit einem neuen Namen. Alles andere wird sich zeigen. „Es werden sich Dinge ergeben“, sagt er. „Da bin ich mir sicher.“

Ausgezeichnet

Berliner Meisterkoch: Daniel Achilles „reinstoff“

Aufsteiger des Jahres: Nicholas Hahn „Restaurant am Steinplatz“

Berliner Gastgeber: André Macionga „Restaurant Tim Raue“

Berliner Szenerestaurant: „TISK Speisekneipe“

Berliner Kiezmeister: „Rogacki“

Gastronomischer Innovator: Billy Wagner „Nobelhart & Schmutzig“

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