Flugverkehr

BER: Trotz Tegel-Schließung noch viele Flüge über Staaken

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Seit Januar 2021 sind fast 4000 Maschinen als An- oder Abflug zum und vom Flughafen BER über Staaken durchgeführt worden (Symbolbild).

Seit Januar 2021 sind fast 4000 Maschinen als An- oder Abflug zum und vom Flughafen BER über Staaken durchgeführt worden (Symbolbild).

Foto: DANIEL ROLAND / AFP

Trotz der Schließung des nahen Flughafens Tegel fliegen noch immer Maschinen über Staaken – nun eben zum BER.

Berlin.  Ruhe nach knapp 50 Jahren Fluglärm. Das war die Hoffnung vieler Anwohnerinnen und Anwohner des Spandauer Ortsteils Staaken, die seit der Eröffnung des internationalen Flughafens Tegel im Jahr 1974 in dessen Flugschneise gelebt haben. Doch wie eine Anfrage des Staakener Abgeordneten Heiko Melzer (CDU) im Berliner Abgeordnetenhaus nun offenlegt, wird das Gebiet auch 90 Wochen nach der Schließung von Tegel im November 2020 noch immer regelmäßig überflogen. Nur diesmal eben in Zusammenhang mit dem Flughafen Berlin Brandenburg (BER).

„Seit dem 1. Januar 2021 sind fast 4000 Flüge als An- oder Abflug zum und vom BER und 2500 Überflüge ohne BER-Landung über Staaken geführt worden“, fasst Melzer die knapp 1200 Seiten lange Auswertung der Daten zusammen. Dies decke sich mit vielen Hinweisen von Anwohnern zu Überflügen und abknickenden Flügen, die er erhalten habe. Es seien dabei natürlich viel weniger Flüge als früher nach Tegel und in deutlich luftigerer Höhe, so Melzer: „Dennoch werde ich mich noch einmal schriftlich an die Deutsche Flugsicherung wenden, um ein Verlassen der Flugrouten nicht nur grundsätzlich, sondern ausschließlich und immer mindestens über 5000 Fuß zu genehmigen.“ Staaken habe Ruhe verdient.

Flughafen BER: Flugrouten über Staaken nicht planmäßig

Der CDU-Politiker kritisiert dadurch vor allem die im Einzelnen unplanmäßigen und individuellen Freigaben über Staaken für verkürzte An- und Abflüge am BER, da für den BER eigentlich Flugrouten festgelegt worden waren, von denen keine planmäßig über Staaken führt. Dazu nimmt die Deutsche Flugsicherung (DFS) folgendermaßen in der Anfrage Stellung: „Einzelfreigaben beziehungsweise das seitens des Fluglotsen ab einer Höhe von 5000 Fuß über Grund freigegebene Verlassen eines veröffentlichten Abflugverfahrens – umgangssprachlich Flugroute genannt – ist keine unerlaubte Abweichung von einem Flugverfahren, sondern ein taktisches Standardverfahren.“

Derartige Flugverkehrskontrollfreigaben könnten im Bereich Berlin aus technischer Sicht bereits ab einer Flughöhe von rund 2000 Fuß erteilt werden, aus Lärmschutzgründen erteile die DFS diese jedoch grundsätzlich erst ab 5000 Fuß über Grund im Rahmen einer Selbstverpflichtung. Und: „Bei einem stadtnahen Flughafen wie dem BER ist eine Vermeidung von Überflügen über dem Stadtgebiet praktisch nicht darstellbar beziehungsweise nicht ohne Kapazitätseinschränkungen denkbar.“ Derartige Verkehrsbeschränkungen dürfe die DFS zudem gar nicht selbst vornehmen.

Hintergrund des Hubschrauber-Verkehrs über Staaken unklar

Ungeklärt ist für Melzer indes auch, was der genaue Hintergrund der nahezu täglichen Flüge von Hubschraubern über Staaken ist: „Fliegt da die Bundesregierung, sind es Kranken- und Rettungstransporte, handelt es sich um Heli-Flüge zur Brandbekämpfung oder sonstige Aufklärungsflüge?“. All das will der Abgeordnete noch in Erfahrung bringen.

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