Passagiere der Lufthansa haben wegen des Bodenpersonal-Warnstreiks am Mittwoch auch am Flughafen BER ihre Flüge nicht antreten können. Die Fluggesellschaft strich sämtliche seiner rund 20 Flüge in Schönefeld, wie der Flughafen auf seiner Internetseite mitteilt. Lufthansa fliegt von dort aus ausschließlich die innerdeutschen Drehkreuze Frankfurt/Main und München an.
Die Lufthansa-Tochter Eurowings blieb am BER von den Auswirkungen des Warnstreiks am Mittwoch eigenen Angaben zufolge unberührt. Der Flugbetrieb laufe normal.
Die Airline hatte zuvor vorsorglich mehr als 1000 Flüge an den Drehkreuzen Frankfurt und München gestrichen. 134.000 Passagiere mussten ihre Reisepläne ändern oder ganz absagen.
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Der BER informiert auf seiner Internetseite über Abflüge vom BER. Die Übersicht zeigt gestrichene Lufthansa-Flüge am Mittwoch an. Folgende Flüge sind demnach betroffen:
- 6.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 045)
- 7.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 175)
- 9.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 187)
- 9.50 Uhr: München (Lufthansa LH 1931)
- 10.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 183)
- 11.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 185)
- 12.50 Uhr: München (Lufthansa LH 1937)
- 13.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 189)
- 14.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 191)
- 14.55 Uhr: München (Lufthansa LH 1945)
- 16.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 195)
- 17.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 193)
- 17.50 Uhr: München (Lufthansa LH 1961)
- 18.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 203)
- 19.45 Uhr: Frankfurt/Main (Lufthansa LH 201)
Streichungen bei Flügen anderer Airlines - wie von manchen Experten befürchtet - waren am Vormittag auf der BER-Website zunächst nicht verzeichnet. Laut den Angaben fallen am Donnerstag keine Lufthansa-Flüge aus.
Lufthansa-Mitarbeiter am BER: "Der Frust ist da"

Am Morgen versammelte sich vor dem Flughafen BER die Frühschicht der Lufthansa Technik, um auf den Streik aufmerksam zu machen. „Wir sind fast komplett hier“, sagte Karsten Eckert. „Nachdem wir zwei Jahre nicht gut vom Arbeitgeber behandelt wurden, ist der Frust da." Es gehe ihnen aber auch um die Arbeitsbedingungen, so der Techniker. „Nach vielen Entlassungen ist die Arbeitsbelastung für die Verbliebenen immer mehr geworden.“
Dass sie in den Sommerferien streiken und damit viele Urlauber betroffen seien, tue ihnen zwar persönlich leid, sagte Eckerts Kollege Thomas Philipp. Aber wenn der Arbeitgeber solch ein schlechtes Angebot vorlege, „dann muss ein Streik auch mal in der Ferienzeit sein.“
Lufthansa-Streik: Das fordert Verdi bei den Tarifverhandlungen
Bei den laufenden Tarifverhandlungen für das Bodenpersonal fordert Verdi eine Gehaltssteigerung von 350 Euro und deutlich höhere Stundenlöhne als der Mindestlohn, der ab Oktober auf 12 Euro in der Stunde steigt. Außerdem werden bei zwölf Monaten Laufzeit 9,5 Prozent mehr Geld in den Lohntabellen verlangt. Insbesondere die unteren Lohngruppen sollten bei einer Laufzeit von zwölf Monaten profitieren, so die Forderung.
Signifikante Lohnsteigerungen seien laut Christine Behle, Verdi-Vizevorsitzende und stellvertretende Vorsitzende des Lufthansa-Aufsichtsrats, in Anbetracht der eskalierenden Situationen auf den Flughäfen gerechtfertigt. Die Mitarbeiter seien wegen des Personalmangels einer zu hohen Belastung ausgesetzt und auch die Inflation sowie ein dreijähriger Lohnverzicht würden die Beschäftigten immer mehr unter Druck setzen, so Behle.
Das erste Tarifangebot der Lufthansa, in dem Festbeträge und eine ergebnisabhängige Komponente bei einer Laufzeit von 18 Monaten angeboten wurden, lehnte Verdi ab. Eine Fortsetzung der Verhandlungen wurde für den 3. und 4. August vereinbart.
Der angekündigte Warnstreik soll die Lufthansa nun unter Druck setzen. Das sei laut Michael Niggemann, Personalvorstand und Arbeitsdirektor der Lufthansa, unverständlich, weil die Arbeitgeberseite bereits hohe und sozial ausgewogene Vergütungserhöhungen angeboten habe. „Verdi hat nach nur zwei Verhandlungstagen einen Streik angekündigt, den man aufgrund der Breite über alle Standorte hinweg und der Dauer kaum noch als Warnstreik bezeichnen kann“, fügt Niggemann hinzu.
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Wie lange dauert der Streik?
Der Warnstreik endet am Donnerstag am frühen Morgen um 6 Uhr. Da erst ab diesem Zeitpunkt die Arbeit wieder aufgenommen werden soll, kann es auch am Donnerstag und am Freitag noch zu Beeinträchtigungen im Flugverkehr und einzelnen Flugstreichungen kommen. Eine Lufthansa-Sprecherin sagte unserer Redaktion: „Wir setzten alles daran, dass der Flugverkehr ab Donnerstag wieder reibungsloser funktioniert.“
Welche Flughäfen sind betroffen?
Grundsätzlich sind alle Lufthansa-Standorte in Deutschland betroffen, neben den beiden großen Flughäfen in München und Frankfurt/Main auch Berlin, Düsseldorf, Köln und Hamburg. An sämtlichen Flughäfen rechnet man mit Beeinträchtigungen im Flugverkehr. Insgesamt sind rund 1000 Flüge von dem Streik betroffen – und mehr als 134.000 Passagiere.
Wie wird man als Fluggast informiert, wenn der Flug ausfällt?
Der Lufthansa-Sprecherin zufolge werden die Passagiere am Dienstag und Mittwoch von der Lufthansa über ihren Flug informiert. Sollte man seine Kontaktdaten hinterlegt haben, dann erhalte man als Fluggast entweder eine SMS, eine Mail oder werde angerufen, und unter Umständen werde eine Alternative angeboten. Da derzeit allerdings Hauptreisezeit ist und die Kapazitäten sehr begrenzt seien, könne nicht jedem Fluggast eine Alternative angeboten werden, so die Sprecherin weiter. Als Reisender könne man sich auch über die Website lufthansa.com über den Status des Flugs informieren. Zudem gibt es auch die Möglichkeit, sich einen Überblick auf der BER-Internetseite unter ber.berlin-airport.de zu verschaffen.
Der Flug fällt aus. Was nun?
Die Lufthansa rät Passagieren, die kein Umbuchungsangebot erhalten haben, davon ab, an die Flughäfen zu kommen. Dort seien wegen des Streiks „nur wenige oder gar keine“ Serviceschalter geöffnet. Umsteiger ohne Anschlussflug sollten nicht an die deutschen Drehkreuze fliegen. Es bestehe die Gefahr, dass die Gäste dort für mehrere Stunden oder Tage nicht weiterreisen könnten. Auch der BER-Sprecher sagte: „Wenn der Flug storniert wurde, soll man nicht auf gut Glück zum Flughafen fahren“. Man müsse sich deshalb mit der Fluggesellschaft, also Lufthansa, in Verbindung setzen und nach Lösungen suchen.
Wird Fluggästen ihr Geld zurückerstattet?
Nach der veränderten Rechtsprechung der Europäischen Union haben Flugpassagiere womöglich Ansprüche auf Erstattungen, da man sich bei dem Lufthansa-Streik nicht auf die „außergewöhnlichen Umstände“ berufen kann. Dazu würden etwa schlechte Witterungsverhältnisse, die Corona-Pandemie oder Streiks von Dritten wie etwa Fluglotsen zählen. Bei dem Streik der Lufthansa handelt es sich aber sozusagen um die eigenen Leute. Deshalb gibt es nach Angaben der Verbraucherzentrale Brandenburg für Fluggäste zwei Möglichkeiten: Entweder muss die Fluggesellschaft eine anderweitige Beförderung zum frühestmöglichen oder zu einem passenden Zeitpunkt anbieten. „Dieser Ersatzflug darf dem Fluggast bei der Airline keine zusätzlichen Kosten verursachen“, so Lisa Högden, Sprecherin der Verbraucherzentrale Brandenburg. Notfalls können Betroffene selbst eine Anreise buchen, sagte sie. Dabei bestehe aber das Risiko, dass es Streit über die Kostenerstattung gibt. Die zweite Möglichkeit sei, dass die Airline den kompletten Flugpreis erstattet und der Fluggast die Reise nicht mehr antritt.
Was gilt bei Pauschalreisen?
Hierzu schreibt die Verbraucherzentrale Brandenburg, dass der Fahrgast den Reiseveranstalter kontaktieren soll. Es gebe dann etwa die Möglichkeit, eine andere Airline zu nutzen oder einen Flug zu einem späteren Zeitpunkt zu erhalten.
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dpa



