BER-Eröffnung

Der erste Start am BER: Cupcake und Zertifikat zur Begrüßung

Am Sonntag startete das erste Flugzeug vom BER. Morgenpost-Reporter Philipp Siebert war an Bord des Jungfernflugs EJU 8210 nach London.

Berliner Flughafen BER eröffnet mitten in der Luftfahrt-Krise

"Es ist kein Jubeltag", gibt Verkehrsminister Andreas Scheuer zu. Nach neun Jahren Verspätung ist der neue Hauptstadt-Flughafen BER eröffnet worden. Selbst bei der Feier gab es Schwierigkeiten.

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Berlin. Eigentlich wollte ich am Sonnabend früh ins Bett gehen, um Sonntagfrüh fit zu sein. Vor Aufregung habe ich aber kein Auge zu bekommen. Das lag nicht nur daran, dass ich in wenigen Stunden das erste Mal nach fast einem Jahr wieder fliegen würde. Corona hat ja sämtliche Pläne für den Sommer über den Haufen geworfen.

Nein, ich werde auch die allererste Maschine besteigen, die vom Terminal 1 des neuen Flughafens Berlin-Brandenburg „Willy Brandt“ (BER) abheben wird: Easyjet-Flug: EJU 8210 nach London Gatwick.

Im Live-Blog: Flughafen BER - So lief das Eröffnungswochenende

Ich habe schon viel über den BER gelesen und hin und wieder darüber geschrieben. Selbst war ich aber noch nie dort. Ich habe das zumeist als „Pannenairport“ verspottete Flughafengebäude nur hin und wieder aus der Ferne gesehen, wenn ich am Flughafen Schönefeld gestartet oder gelandet bin. Was erwartet mich also dort? Keine Ahnung.

Um 5.30 Uhr steige ich im Bahnhof unter der Haupthalle aus dem Flughafenexpress (FEX) aus. Es sind noch 75 Minuten bis zum Abflug. Obwohl ich kein Aufgabegepäck habe, bin ich extra früh gekommen – man weiß ja nie. Allerdings geht alles erstaunlich schnell.

Vom Bahnsteig brauche ich nur wenige Minuten bis zum Sicherheits-Check. Die Halle ist erstaunlich voll. „Der schlafende Riese wurde hochgefahren“, denke ich mir. Bei den meisten Menschen handelt es sich aber nicht um Reisende, sondern um Flughafenmitarbeiter und Bundespolizisten – letztere hier und da mit Maschinengewehren bewaffnet.

Vom Zug zum Gate in zehn Minuten

Vor dem Sicherheits-Check gibt es keine Schlange. Sofort kann ich Rucksack, Jacke und Gürtel in zwei graue Plastikboxen legen. „Nichts übereinander“, raunt die Flughafenmitarbeiterin freundlich, aber bestimmt.

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Ich gehe durch den Bodyscanner, lasse mich abtasten, kaufe mir im Duty-free-Bereich eine Flasche Wasser und halte dann direkt auf Gate C17 zu. Das liegt allerdings ganz am Ende im Nicht-Schengen-Bereich, weshalb es zunächst knapp 200 Meter durch einen menschenleeren Flur mit holzvertäfelten Wänden geht.

Am Gate selbst hat sich eine Menschentraube gebildet. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup und Easyjet-Deutschlandchef Stephan Erler begrüßen die Passagiere des Jungfernflugs. „Wir freuen uns, dass wir die ersten Gäste auf Reise schicken dürfen“, sagt Lütke Daldrup. „Es hat auch lang genug gedauert.“

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Viele treten die Reise ins Corona-Risikogebiet Großbritannien an diesem Morgen allerdings verständlicherweise nicht an. Auf den rund 180 Plätzen des Airbus 320 neo sind nach Angaben der Airline nur 115 Buchungen zu verzeichnen. Davon traten lediglich 64 den Flug tatsächlich an. Dennoch sagt Erler: „Es ist eine Ehre für uns, den ersten Flug durchzuführen.“ Ihn abzusagen, hätte nie zur Debatte gestanden.

Die Handgriffe der Mitarbeitenden wirken routiniert – wie an jedem anderen Flughafen auch. „Ich bräuchte Ihren Personalausweis und den Boardingpass bitte dort rauf legen“, sagt eine junge Frau und zeigt auf den Scanner vor sich. Ich tue, wie mir geheißen und betrete dann die Gangway zur Maschine.

„Cupcake!?“ Ein aufgeregt wirkender Mitarbeiter der Airline steht mit einem Tablett vor der Treppe. Nur wenige Meter weiter warten zwei weitere und geben jedem Fluggast ein „Erstflugzertifikat“ in die Hand. Darauf sind die Start- und Landezeit, Flugnummer, Flugzeugtyp und der Name des dänischen Kapitäns Palle Hansen festgehalten. Ich überlege bereits, wo ich es zu Hause aufhängen werde.

Während des Starts wird es Tag

Ich sitze fast allein im hinteren Bereich der Maschine. Als die um 6.35 Uhr ihre Parkposition verlässt, ist es draußen noch dunkel. Die grün, rot und blau blinkenden Lichter des Rollfelds verblassen mit der einsetzenden Dämmerung jedoch zunehmend.

Als das Flugzeug die nördliche Startbahn erreicht hat und pünktlich um 6.45 Uhr zum Abheben ansetzt, ist es schließlich fast hell. Während sich der Flieger mit der aufgehenden Sonne im Rücken in den morgendlichen Himmel über Brandenburg erhebt, wird das Terminal 1 vor meinem Fenster kleiner und kleiner.

Der Flug selbst verläuft unspektakulär. Ich komme währenddessen mit Alex Bransby ins Gespräch, der in der Reihe hinter mir sitzt. Der Schweizer arbeitet als internationaler Kurier, lebt in Berlin und London und fliegt daher regelmäßig. „Der erste Flug von einem neu eröffneten Flughafen – das ist doch einfach fantastisch“, sagt der 23-Jährige.

Ich wüsste nicht, warum ich ihm widersprechen sollte. „Denk doch mal an die endlose Geschichte der Bauarbeiten“, schiebt er hinterher. Das tue ich und bin als Berliner kurz ein wenig peinlich berührt. Aber Bransby bleibt bei seiner positiven Haltung. „Was den Flugverkehr betrifft wird Berlin jetzt nicht mehr so stark von Frankfurt und München überschattet.“

Endlich habe die größte Stadt der Bundesrepublik und gleichsam Hauptstadt des reichsten Landes Europas ein repräsentatives Tor zur Welt. Den BER nach all den Jahren in Betrieb zu sehen sei „unfassbar großartig“.

Flug kommt 30 Minuten früher an als geplant

Unser Gespräch währt allerdings nicht lang. Denn bereits um kurz nach 8 Uhr fordert Kapitän Hansen die Fluggäste auf, den Sitzplatz aufzusuchen, den Tisch hochzuklappen und den Sicherheitsgurt anzulegen. „Gegen 8.20 Uhr, 7.20 Uhr Ortszeit, erreichen wir London Gatwick. Es sind 13 Grad und Regen“, gibt er durch.

Die Maschine fliegt noch einen kurzen Bogen, wendet sich der aufgehenden Sonne zu und stößt schließlich nach unten durch die dichte Wolkendecke. Eine halbe Stunde früher als eigentlich geplant berührt das erste Flugzeug, das den BER verlassen hat, englischen Boden. „Es ist momentan halt einfach nicht so viel Verkehr in der Luft“, erklärt Kapitän Hansen später.

Nachdem alle Passagiere aus dem Flugzeug ausgestiegen sind, darf ich ins Cockpit. „Es fühlt sich gut an, ein Teil der Geschichtsschreibung zu sein oder?“, sagt Hansen und guckt seinen Copiloten Daniel Weber fragend an. Der nickt. „Es kommt nicht oft vor, dass man den Erstflug machen darf“, gibt der 36-Jährige zurück.

Er hat, wie der 51 Jahre alte Hansen, der seit 17 Jahren für Easyjet fliegt, noch nie einen solchen Jungfernflug gemacht. „Wir hatten vorher eine gute Einweisung und haben zum Beispiel gelernt, wo wir das Auto parken können“, sagt Hansen und lacht. Für ihn und Weber geht es in wenigen Minuten nach der Landung zurück zum BER.

Die besten Bilder von der BER-Eröffnung: