Flughafen BER

Viele Besucher, Gedränge am Check-in: So lief Tag 1 am BER

Am Sonntag startete am Hauptstadtflughafen BER der erste volle Betriebstag – und zeigte, wo es künftig überall eng werden könnte.

Berliner Flughafen BER eröffnet mitten in der Luftfahrt-Krise

"Es ist kein Jubeltag", gibt Verkehrsminister Andreas Scheuer zu. Nach neun Jahren Verspätung ist der neue Hauptstadt-Flughafen BER eröffnet worden. Selbst bei der Feier gab es Schwierigkeiten.

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Berlin. In Schlangen warten die Passagiere vor dem Check-in am Sonntagmittag. Andere Reisende durchlaufen die Sicherheitskontrolle oder nehmen in einem der Cafés noch einen letzten Happen vor dem Abflug zu sich. Wüsste man es nicht besser, man könnte kaum glauben, dass dieser Flughafen keine 24 Stunden zuvor im Beisein von Regierungsmitgliedern aus Berlin, Brandenburg und dem Bund eröffnet worden ist.

„Wir feiern hier heute keine Party, sondern machen einfach auf“, hatte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup am Sonnabend während der Eröffnung mit Blick auf die unrühmliche Entstehungsgeschichte des neuen Hauptstadtflughafens und die Coronapandemie erklärt. Genau so unprätentiös ging es am Sonntag dann auch wirklich los.

Flughafen BER: Erster Start am Sonntagmorgen nach London

Bereist am Samstagabend war nach den ersten beiden Landungen am frühen Nachmittag gegen 20 Uhr die erste Linienmaschine aus Fuerteventura am neuen Hauptstadtflughafen eingetroffen. Am Sonntagmorgen startete um 6.45 Uhr mit dem Easyjet-Flieger nach London-Gatwick das erste Flugzeug im Linienbetrieb vom neuen BER. Insgesamt standen am Sonntag 23 Starts und Landungen auf dem Flugplan für das neue Terminal 1, etwa von und nach Zürich, Istanbul und Gran Canaria.

Das BER-Eröffnungswochenende im Live-Blog: Passagiere am BER ohne genügend Abstand beim Check-In

Endlich herrscht nun auch in der Haupthalle des neuen Terminal 1 reger Betrieb – aber nicht weil viele Menschen abfliegen wollen. Bei den meisten Gästen handelt es sich nicht um Reisende. Es sind Schaulustige, die sich den neuen Hauptstadtflughafen ansehen wollen. So wie Birgit und Andreas M. Für die eingefleischten Flugfans war ein Besuch zum Betriebsstart Ehrensache. „Wir haben uns vom alten Flughafen in Tegel schon am Donnerstag verabschiedet und jetzt wollen wir uns das hier mal ansehen“, sagt Birgit M.

Das Ehepaar hatte sich angestellt, um auf die Besucherterrasse zu kommen – wie viele andere Besucher ebenfalls. Rund 30 Meter lang reichte die Schlage auf der Empore bis zum Ticketschalter für die Aussichtsplattform. Gut 15 Minuten mussten die beiden warten, ehe sie eine Karte erhielten. Was sie als Besucher vom Flughafen sehen konnten, gefiel den beiden. „Erstmal sieht das alles schick aus“, sagt Andreas M.

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Mit lediglich 3000 Passagieren startete der Flughafen am ersten vollen Betriebstag, teilte die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) mit. Entsprechend blieben die meisten Check-in-Schalter in der großen Halle komplett verwaist. Nur an einzelnen bildeten sich Passagier-Schlangen, so beim Turkish-Airways-Schalter für den Flug am Mittag nach Istanbul. „Sehr modern“, sei der Flughafen, sagt Elif Ercan, die in der Schlange wartet. „Es erinnert ein bisschen an München.“

Sie selbst trauere dem Flughafen Tegel aber jetzt schon nach. „Das es hier so zügig wie in Tegel geht, kann ich mir nicht vorstellen.“ Zufrieden mit seinem ersten Aufenthalt am neuen Berliner Flughafen zeigt sich David Müller kurz nach seiner Landung mit der Easyjet-Maschine aus Nizza. „Es lief alles ohne Probleme, der Koffer war schnell da“, sagt er, schränkt jedoch ein: „Es ist ja auch sehr wenig Betrieb.“

Am Check-in-Schalter stehen die Passagier dicht gedrängt

Wegen der vielen Besucher konnte am Sonntag zumindest auf den ersten Blick der Eindruck entstehen, es herrsche normaler Flugbetrieb. Schon in den kommenden Tagen dürfte die große Check-in-Halle wieder deutlich verlassener wirken. So offenbarte die Anwesenheit der vielen Flughafengäste jedoch, dass es an einigen Ecken im Terminal künftig eng werden könnte.

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Je nur eine schmale Treppe und Rolltreppe führt vom Check-in-Bereich auf die Empore Richtung Besucherterrasse und herunter. Sofort wurde auf dem Aufgang der Platz knapp. Noch enger war es auf der Empore selbst. Für größere Probleme könnte künftig auch der Platz zwischen Check-in-Schaltern und Sicherheitsschleusen sorgen.

Der BER ist trotz seiner Größe ein Flughafen der kurzen Wege. Nur wenige Schritte liegen zwischen Check-in und Sicherheitskontrolle. Wie hier aber bei einem Normalbetrieb einmal Schlangen von Wartenden Platz finden sollen, während andere Passagiere die Halle einfach nur passieren wollen, bleibt unklar.

Wenig überzeugend wirkte auch der Umgang mit der Corona-Pandemie. Zwar weisen überall am neue Hauptstadtflughafen Schilder auf die Einhaltung des Mindestabstands hin. Doch wirklich zu beachten schien die dezenten Aufkleber kaum jemand. Auch das Flughafenpersonal machte keine Anstalten, verstärkt darauf hinzuweisen. So kam es, dass die Passagiere in den Schlangen am Check-in-Schalter eben doch zwanzig Minuten und länger dicht an dicht gedrängt standen. Ganz so als sei von Corona keine Rede.