Flughafen BER

Wie die Flieger über den Wannsee donnern sollten

Montagsdemonstrationen, Protestmärsche und Vernetzungstreffen – wie die Flugroutendebatte aus ganz normalen Bürgern Aktivisten machte

Marela Bone-Winkel im September 2010 mit ihrer Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“ am Strandbad Wannsee.

Marela Bone-Winkel im September 2010 mit ihrer Bürgerinitiative „Keine Flugrouten über Berlin“ am Strandbad Wannsee.

Foto: David Heerde

Berlin. Als die Deutsche Flugsicherung im Oktober 2010 erst für die Startrichtung West und dann im Juli 2011 auch die weiteren Flugrouten am neuen Berliner Flughafen vorstellte, war das Entsetzen groß. Bis dahin waren die meisten Berliner sowohl im Südwesten als auch im Südosten der Stadt davon ausgegangen, dass sie vom Fluglärm verschont bleiben würden, schließlich lag der Flughafen ja anders als Tegel vor den Toren der Hauptstadt. Doch statt geradeaus und außenrum, so die böse Überraschung, sollten nun durch abknickende Flugrouten wiederum große Teile der Stadt in relativ geringer Höhe überflogen werden. Zwischenzeitlich kämpften mehr als 30 Bürgerinitiativen gegen die neuen Flugrouten. Doch was ist aus den Aktivisten von damals geworden?

BER-Eröffnung weckt die Flugroutengegner

„Es gibt uns noch, wir waren nur in einem langen Dornröschenschlaf“, sagt Marela Bone-Winkel, das wohl bekannteste Gesichter des Protests. Die promovierte Wirtschafts- und Politikwissenschaftlerin aus Nikolassee stellte damals die erste Bürgerinitiative gegen die Flugrouten auf die Beine, die BI „Keine Flugrouten über Berlin“, die vor allem die Ortsteile Wannsee und Nikolassee im Fokus hatte. Bald schon folgten Interessensvertretungen in weiteren Ortsteilen, wie die Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI) oder die Bürgerinitiative Lichtenrade/Mahlow-Nord gegen Fluglärm.

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Ihr Wissen von damals, als sie sich mit Hilfe von Piloten, Luftfahrtexperten und Juristen in die Materie einarbeitete und Einsicht in Unterlagen des Flughafens nahm, ist in der Zwischenzeit nicht eingerostet. Schließlich saß die 54-Jährige seit 2013 in der Fluglärmschutzkommission Tegel, die erst kürzlich ihre letzte Sitzung für den City-Flughafen TXL absolvierte. Mit der Schließung Tegels endet zwar nun ihre Arbeit für diese Kommission. Aber der Kampf gegen Fluglärm geht weiter.

Alte Forderungen zehn Jahre später immer noch aktuell

„Meine Mitstreiter von den verschiedenen Bürgerinitiativen und ich, wir bleiben ja bei unseren Forderungen“, sagt sie. Alle Flugrouten in Richtung Westen müssten ausnahmslos südlich und gerade an Berlin vorbeigeführt werden bis zum Autobahndreieck Werder, so Marela Bone-Winkel, die für die CDU auch in der Bezirksverordnetenversammlung von Steglitz-Zehlendorf sitzt. „Erst dann darf in Richtung Norden oder Osten abgekurvt werden“, fordert sie. Diese Flugrouten müssten zudem verbindlich sein. Und angesichts der Corona-Pandemie mit ihrem eingeschränkten Flugbetrieb müsse die Evaluierungsphase von einem auf zwei Jahre verlängert werden, weil es sonst kein realistisches Bild gebe. „Je nach Entwicklung des Fluglärms werden wir mittelfristig auch noch die deutliche Ausweitung der Nachtpause einfordern, sowie die Schließung des alten Terminals SXF, so wie es der Intention des Konsensbeschlusses entspricht. Berlin sollte entlastet werden. Durch den Weiterbetrieb von SXF, jetzt Terminal 5 getauft, wird das konterkariert.“ Der Kampf gegen den Fluglärm – er hat wieder begonnen.