Flughafen BER

BER-Terminal T2 ist fertig, wird aber erst 2021 eröffnet

Wegen Corona wird die Halle vorerst nicht gebraucht. Die in Finanznot geratene Flughafengesellschaft will 500.000 Euro im Monat sparen.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im künftigen Gastronomiebereich des Terminal 2 am BER.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup im künftigen Gastronomiebereich des Terminal 2 am BER.

Foto: Tobias Schwarz / AFP

Berlin. Nein, eine Visitenkarte für Berlin wird Terminal 2 des neuen Hauptstadtflughafens BER nicht. Die eilig aus dem Boden gestampfte Abfertigungshalle in Industriebauweise soll das auch gar nicht sein, betont Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Sie soll Passagieren von Billigfliegern wie Eurowings und Wizzair einen „kurzen und möglichst angenehmen“ Weg zum Flugzeug ermöglichen. Fertig ist Terminal 2 weitgehend. Doch Passagiere werden das Gebäude so schnell nicht zu sehen bekommen. Die Betriebsaufnahme werde wohl erst zum Sommerflugplan 2021 im kommenden Frühjahr sein, sagte Lütke Daldrup bei einem Ortstermin am Freitag.

Grund seinen die in der Corona-Pandemie eingebrochenen Fluggastzahlen. Da werde Terminal 2 – ausgelegt für bis zu sechs Millionen Passagiere im Jahr – vorerst nicht gebraucht. „Mir blutet das Herz“, sagte der Flughafenchef. Alle Beschäftigten würden den neuen Hauptstadtflughafen am 31. Oktober lieber unter Volllast eröffnen. Aktuell nutzen aber nur 25.000 Passagiere am Tag die Berliner Flughäfen – statt 100.000 in normalen Zeiten. Und wegen der wieder zunehmenden Reisebeschränkungen wird ein erneuter Rückgang erwartet.

T2 eröffnet 2021: Flughafengesellschaft spart monatlich 500.000 Euro

Der Sommerflugplan beginnt üblicherweise Ende März. Bis dahin bringe die verzögerte Eröffnung der Flughafengesellschaft monatliche Einsparungen von 500.000 Euro. „Wir werden dieses Terminal ans Netz bringen, wenn es gebraucht wird“, versicherte Lütke Daldrup. Durch die massiv eingebrochenen Fluggastzahlen ist die Betreibergesellschaft FBB in Finanznot gekommen und muss sparen.

Zur Hochzeit des Lockdowns im April und Mai verbrannte die FBB eine Million Euro am Tag. Ohne 300 Millionen Zuschuss und Darlehen der Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg wäre die Flughafengesellschaft im Oktober pleite gewesen. Die Flughafen-Mitarbeiter sollen ab Dezember zudem wieder in Kurzarbeit geschickt werden, hieß es am Freitag. Für die Inbetriebnahme des BER würden derzeit aber alle Beschäftigten gebraucht.

Dabei haben es die Flughafengesellschaft und das Bauunternehmen Zechbau geschafft, Terminal 2 innerhalb von zwei Jahren zu bauen. „Wir haben aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt“, sagte Lütke Daldrup. In dieser Woche sei die Nutzungsaufnahme bei der Bauaufsichtsbehörde eingereicht worden, teilte die Flughafengesellschaft mit. Derzeit laufen die letzten Innenausbauten – die Laden- und Gastronomiebetreiber richten sich noch auf ihren Flächen ein, hier und da steht noch ein Gerät oder eine Sitzbank nicht richtig am Platz. Die Baukosten für die zusätzliche Abfertigungshalle sowie dem benachbarten Gebäude für die Bundespolizei von 200 Millionen Euro seien eingehalten worden.

Terminal T2 bietet 38 Check-in-Automaten und 16 Schalter

Lütke Daldrup und Bauunternehmer Kurt Zech präsentierten den beinahe fertigen Terminal-Neubau am Freitag als „effizientes Gebäude, damit der Fluggast seine Reise so schnell und angenehm wie möglich antreten kann“, wie der Flughafenchef sagte.

Im Erdgeschoss des schmucklosen Baus mit blanken Betonwänden befinden sich 38 Check-in-Automaten sowie 16 Schalter zur Gepäckabgabe. Über eine schmale Treppe geht es in das Obergeschoss, wo sich acht Linien der Sicherheitskontrolle befinden. An jeder Linie können sechs Passagiere gleichzeitig ihr Handgepäck zum Durchleuchten abgeben, daran schließt sich ein Shopping- und Gastronomiebereich an. Über zwei Brücken geht es schließlich von Terminal 2 zur Nordpier des BER – und von dort aus entweder direkt ins Flugzeug oder über weitere Verbindungsgänge in alle anderen Bereiche des Flughafens.

Der BER soll am 31. Oktober wegen Corona und der jahrelangen Verzögerungen ohne große Feierlichkeiten ans Netz gehen. Der Flughafen Tegel schließt nach einer Umzugswoche am 8. November.