Pannen-Flughafen

Fast alle Plätze für freiwillige BER-Tester vergeben

Mit den Komparsen sollen am Flughafen BER die betrieblichen Abläufe simuliert werden. So kann man sich für den Probebetrieb anmelden.

BER soll am 31. Oktober 2020 öffnen

Damit soll der Umzug von Tegel zum Standort Schönefeld zum Winterflugplan im nächsten Jahr über die Bühne gehen.

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  • Der Flughafen BER sucht 20.000 Freiwillige, die den neuen Hauptstadt-Airport testen sollen. Nach wenigen Tagen sind aber bereits fast alle Plätze vergeben.
  • Freiwillige können sich über die Website ber-testen.de anmelden. Die Termine starten ab 29. April. Interessenten, die noch nicht zum Zug gekommen sind, können sich auf Wartelisten setzen.
  • Die Tester bekommen kein Geld, können den Flughafen aber bereits vor der geplanten Eröffnung am 31. Oktober 2020 erleben.

Berlin. Angespannt sei er nicht, durchaus aber „aufgeregt“, bekennt Engelbert Lütke Daldrup. Dabei hat der Vorsitzende der Geschäftsführung der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH nicht die für den 31. Oktober geplante offizielle Eröffnung des BER im Sinn. Vielmehr geht es ihm konkret um die Wochen und Monate vor dem Betriebsstart.

Denn: 20.000 Männer und Frauen sollen den neuen Hauptstadtflughafen zwischen dem 29. April und dem 15. Oktober auf Herz und Nieren prüfen. Ab 23. Juni sollen die Übungen immer dienstags und donnerstags mit jeweils 600 Hobby-Prüfern stattfinden. „An ausgewählten Tagen sind zudem Sonder­proben angesetzt. Am 29. April beispielsweise wird zwischen 8 und 16 Uhr eine Evakuierung des Bahnhofs unter dem Terminal T1 und der darüberliegenden Etage mit 800 Teilnehmern simuliert, an weiteren Terminen sind Nacht- oder Massenübungen vorgesehen“, kündigt der Flughafenchef an.

Freiwillige können sich für den an insgesamt 30 Tagen stattfindenden Probebetrieb ab sofort über die Website ber-testen.de anmelden und maximal an zwei Tagen teilnehmen. Falls gewünschte Termine ausgebucht sind, können sich Interessierte auf einer Warteliste vormerken lassen. Einzige Bedingung: Die Komparsen müssen aus versicherungsrechtlichen Gründen mindestens 18 Jahre alt sein.

Kurz nach Start der Komparsen-Suche meldete der Flughafen BER allerdings bereits, dass fast alle Plätze für BER-Tester vergeben sind. Darüber hinaus seien mehrere hundert Interessenten auf Wartelisten vermerkt, sagte ein Flughafensprecher der Deutschen Presse-Agentur. "Das Interesse ist erfreulich groß, den BER vor allen anderen kennenzulernen."

Flughafen BER: Kein Geld für die Komparsen, doch das Interesse ist groß

An einem typischen Probetag sollen die Freiwilligen bis 9.30 Uhr mit dem Auto oder per Bus anreisen. Autofahrer können kostenlos im Parkhaus P7 ihren Wagen abstellen. Ein VBB-Ticket im Tarifbereich ABC erhalten die Komparsen bei Bedarf mit der Anmeldebestätigung. Bei der Registrierung ab 9.30 Uhr müssen die Anmeldebestätigung und ein Ausweis vorgezeigt werden. Ab 10.30 Uhr werden die „Fluggäste auf Probe“ eingewiesen.

Bevor der Flieger nach London, Nizza oder Moskau vermeintlich abhebt, heißt es einchecken, Koffer abgeben, die Sicherheitskontrolle durchlaufen. Dann ist Fantasie vonnöten: Statt in einer der Maschinen von Lufthansa oder Easyjet Platz zu nehmen, öffnet ein Bus vorm Abfluggate seine Türen. Für die Komparsen geht es zügig weiter, steht doch gleich im Anschluss eine neue Ankunftssimulation an. Zum Abschluss gegen 15.30 Uhr werden die Teilnehmer um ihr Feedback gebeten.

Geld gibt es fürs tagesfüllende Testprogramm nicht. „Alles ist ehrenamtlich“, betont Lütke Daldrup. Sorge, dass sich nicht genug Freiwillige melden, hat er dennoch nicht. „Seit die Website am Montagmorgen aktiviert wurde, haben sie bereits Tausende aufgerufen.“

Immerhin sei es die einzigartige Chance, den neuen Flughafen BER schon vor der Eröffnung zu erleben. Für das leibliche Wohl wird natürlich auch gesorgt. An Getränkestationen werden die Komparsen mit Wasser, Kaffee, Tee und Saft versorgt, auch Brötchen mit Wurst und vegetarischem Belag, Äpfel sowie Schoko- und Müsliriegel gibt es zur Stärkung gratis.

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BER-Chef Lütke Daldrup: Nicht nur Vielflieger sind gefragt

„Wir wünschen uns während der Probe aufs Exempel die Vielfalt, wie sie an einem Flughafen üblich ist“, sagt Lütke Daldrup. Nicht nur Vielflieger sind gefragt. Besonders diejenigen, die selten oder noch nie geflogen sind, habe er im Blick. „Wir sind neugierig auf die Rückmeldung eines jeden.“ Nur so seien Verbesserungen möglich, könnten Prozesse effizienter gestaltet werden.

Auch mit Vertretern von Behindertenverbänden sei die Flughafengesellschaft im Gespräch, organisiere mit ihnen verschiedene Termine. „Wir wollen keine technischen Funktionen testen“, betont Lütke Daldrup. Das sei bereits intensiv im Sommer vorigen Jahres geschehen. „Nicht von ungefähr haben wir seit drei Jahren den TÜV auf der Bau­stelle.“ Während der mehrwöchigen Generalprobe gehe es vorzugsweise um das Zusammenspiel betrieblicher Abläufe.

Mit den Komparsen sollen sich Zoll, Bundespolizei, Sicherheitsdienstleister, Bodenverkehrsdienste, die Airlines, aber auch die Mieter der Shops und der Gastronomie die örtlichen Gegebenheiten erarbeiten, alle Systeme verstehen und bedienen können. „Geprobt“ – allerdings ohne Komparsen – wird bereits seit Oktober 2018.

Tipp des BER-Chefs: bequemes Schuhwerk tragen

Die Basis bilde das sogenannte ORAT-Programm, das für „Operational Readiness und Airport Transfer“ steht. „Seit Januar durchlaufen alle Mitarbeitenden eine Topographieschulung, in der die Grundlagen zu den neuen Arbeitsplätzen wie Anfahrtswege, Zugänge, die Pausenräume und Toiletten, der Aufbau von Terminals und Vorfeld vermittelt werden“, erläutert Lütke Daldrup. Immerhin sei der Flughafen mit 360.000 Quadratmetern Fläche und 4600 Zimmern „kein kleiner“.

Der Tipp des Flughafenchefs: bequemes Schuhwerk anziehen. „Für die Komparsen kommen einige Kilometer Fußweg zusammen.“ Beim Probeablauf flössen auch die Erfahrungen des veränderten Reiseverhaltens der vergangenen Jahre ein. „Eine große Zahl der Passagiere trifft heute mit einem Ticket auf dem Smartphone am Flieger ein oder reist nur noch mit Handgepäck“. An einem normalen Reisetag würden nur noch 30 bis 40 Prozent der Kunden Gepäck zum Aufgeben mitführen.

Wann wird am Flughafen BER getestet?

Getestet wird am Flughafen BER an 30 Tagen. Alle freien Termine können bei der Komparsen-Anmeldung eingesehen werden.

Wer wird für den Probebetrieb am BER gesucht?

Die Komparsen müssen mindestens 18 Jahre alt sein und gut deutsch verstehen und sprechen. Außerdem müssen die Komparsen damit rechnen, längere Laufstrecken zurückzulegen. Sie müssen zudem im Evakuierungsfall schnell und selbstständig das Gebäude verlassen können - auch über Treppenhäuser. Vorerfahrungen als Passagier sind nicht notwendig.

Wie sieht eine Test-Tag am Flughafen BER aus?

Angereist werden muss vor 9.30 Uhr, entweder per Auto zum Parkhaus P7 oder mit dem Bus vom Flughafen Schönefeld zur Ebene 0. Der Bahnhof unter dem Terminal ist noch nicht in Betrieb. Um 9.30 Uhr erfolgt die Registrierung. Alle Komparsen erhalten dabei ihre individuellen Aufgaben und notwendigen Materialien für den Tag. Außerdem gibt es ein Lunchpaket. Ab 10.30 Uhr bereiten sich die Komparsen auf den Test vor und werden detailliert eingewiesen.

Im Standardfall startet ab 11.30 Uhr der Probebetrieb mit einem Abflug. Dabei müssen die Komparsen beispielsweise am Check-In-Counter einchecken oder ihr Gepäck aufgeben. Dann wird die Sicherheits- und bei Bedarf die Passkontrolle durchlaufen. Der Abflug endet mit dem Boarding: Die Komparsen steigen statt in den Flieger in einen Bus.

Gegen 13 Uhr erfolgt die Ankunft, die Komparsen spielen dann also Passagiere, die gerade am BER angekommen sind. Sie müssen dann an den Gepäckausgabebändern ihre Koffer entgegennehmen und eventuell zur Passkontrolle. Ab 13.30 Uhr erfolgen dann weitere Tests mit neuen Abflugs- und Ankunftskombinationen. Um 15.30 Uhr geht der Probebetriebstag zu Ende.