Pannenflughafen

Prüfungen am Flughafen BER laufen positiv

Flughafenchef Lütke Daldrup macht ernst: Er will spätestens im Dezember den genauen Starttermin für den Flughafen BER nennen.

Von außen ist der BER schon lange fertig. Innen testen die TÜV-Experten derzeit die technischen Anlagen.

Von außen ist der BER schon lange fertig. Innen testen die TÜV-Experten derzeit die technischen Anlagen.

Foto: Foto: Ralf Hirschberger / dpa

Berlin/ Schönefeld. In Berlin und Brandenburg wächst der Optimismus, dass der neue Flughafen BER wie geplant im Herbst 2020 eröffnen wird. Der flughafenpolitische Sprecher der SPD, Jörg Stroedter, der zuletzt die Chance immer auf 50:50 bezifferte, hält nun den Start in gut 14 Monaten für wahrscheinlicher als ein Scheitern.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte stets alle Zweifel an seinem Zeitplan zurückgewiesen. Bisher sieht es so aus, als würde die Wirk-Prinzip-Prüfung ordentlich laufen und keine größeren Probleme zutage fördern. Seit Anfang August testet der TÜV das Zusammenspiel der technischen Anlagen im Terminalgebäude. Einzeln für sich sind die Systeme schon abgenommen. Mitte August bestand der BER den so genannten Black-Building-Test, bei dem ein großflächiger Stromausfall simuliert und die Notstromversorgung getestet wurde.

Lütke Daldrup zog jetzt im Interview mit dem Luftfahrt-Informationsportal Airliners.de eine Zwischenbilanz der Prüfungen. 300 Szenarien würden die Gutachter untersuchen. „Dabei kommen wir gut voran. Über die Hälfte sind bereits positiv getestet“, sagte der Flughafenchef. Für eine qualifizierte Bilanz sei es aber noch zu früh. Die Prüfungen am Main Pier Süd und am Main Pier Nord seien abgeschlossen. Jetzt gehe es mit dem Main Pier Mitte weiter.

Für die Wirk-Prinzip-Prüfung sind rund zwei Monate angesetzt, danach benötigen die Experten einen Monat, um die Ergebnisse zu dokumentieren. Notfalls könne man also in dieser Phase auch Tests wiederholen, wenn nicht alles richtig gelaufen sei, sagte Flughafensprecher Hannes Hönemann. Wann genau die Prüfung abgeschlossen sein soll, könne man nicht sagen.

Berlin erwartet 2019 Rekord mit 37 Millionen Passagieren

Sollte das Zusammenwirken der technischen Systeme funktionieren, ist nach Einschätzung der Experten der Weg frei für die Betriebsgenehmigung und einen Start des BER. Davor liegt noch ein Praxistest der gesamten Gebäude mit Hunderten Statisten, damit die Flughafen-Mitarbeiter die Abläufe üben könnten.

Lütke Daldrup kündigte an, am Ende des Herbstes einen genauen Eröffnungstermin nennen zu wollen. Das bedeutet, dass wohl im November oder Dezember die Fluggesellschaften wissen, an welchem Datum der Umzug von Tegel beginnt. Der Wechsel der Flughafen-Kunden zum BER soll dann binnen 14 Tagen vollzogen werden. Ins Auge gefasst ist für den Start ein Termin Ende Oktober oder Anfang November 2020 nach dem Beginn des Winterflugplans 2020/21.

Dass der Komfort aber auch im neuen Terminal nicht unbedingt optimal sein wird, darauf hat der frühere Berliner Flughafenmanager Elmar Kleinert hingewiesen. Kleinert war bis 2018 Betriebsleiter der Flughafengesellschaft und leitet heute den Flughafen Bremen. Im Hauptgebäude des BER sei der Abstand zwischen Sicherheitskontrolle und Check-in-Schaltern sei zu klein, warnte Kleinert im BER-Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses. Dies sei der große Flaschenhals. „Wenn ein kleiner Stau da ist, sind die ersten Check-in-Schalter nicht mehr erreichbar.“

Die CDU verlangte als Konsequenz aus den Aussagen Kleinerts vom Senat abermals ein Umdenken in der Flughafenpolitik. „Senat und Flughafengesellschaft steuern mit Ansage in das Kapazitäts-Chaos am BER“, sagte der parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Fraktion Stefan Evers. Darum müssten jetzt technischen und personellen Voraussetzungen für den Weiterbetrieb von Tegel geschaffen werden.

Voll dürfte es in jedem Fall werden am BER. Denn der Ansturm der Fluggäste auf Berlin wächst weiter. In den ersten acht Monaten des Jahres 2019 wurden in Tegel und Schönefeld fast 24 Millionen Passagiere abgefertigt. Das sind acht Prozent mehr als im Vorjahr. Die Flughafengesellschaft rechnet für 2019 insgesamt mit bis zu 37 Millionen Fluggästen. 2018 waren es noch 34,7 Millionen gewesen. Sollte sich dieses Wachstum fortsetzen, würde der BER mit etwa 40 Millionen Passagieren pro Jahr starten.

FDP-Fraktionschef Czaja im Ausschuss unter Druck

Im BER-Untersuchungsausschuss ist unterdessen FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja unter Druck geraten. Die Koalitionsfraktionen erheben zu zwei Sachverhalten Vorwürfe gegen den profiliertesten Kritiker der rot-rot-grünen Flughafenpolitik. So soll Czaja vertrauliche Ausschuss-Unterlagen für seinen privaten Rechtsstreit mit dem Flughafenchef weitergegeben und genutzt haben. Czaja hatte Lütke Daldrup der Lüge bezichtigt, daraufhin hatte dieser den Oppositionspolitiker angezeigt. Jetzt muss Parlamentspräsident Ralf Wieland den Fall untersuchen. Außerdem wirft die Koalition Czaja vor, für einen Projektentwickler tätig zu sein, der Aufträge von der Flughafengesellschaft erhalten hat.